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LUZERN: Hausärztemangel ist akut

Nachwuchs fehlt: Ein Institut vermittelt Assistentenstellen, um Hausärzte zu rekrutieren. Die ersten Posten sind nun besetzt worden.
Christoph Merlo, Projektleiter des Instituts für Hausarztmedizin, in seiner Praxis in Luzern (gestellte Szene). (Bild Corinne Glanzmann)

Christoph Merlo, Projektleiter des Instituts für Hausarztmedizin, in seiner Praxis in Luzern (gestellte Szene). (Bild Corinne Glanzmann)

Yasmin Kunz

«Es eilt», sagt Christoph Merlo, Luzerner Hausarzt und Projektleiter des Instituts für Hausarztmedizin und Community Care Luzern. Er meint damit die Nachwuchsrekrutierung der Luzerner Hausärzte. Im Kanton Luzern droht in den nächsten fünf bis zehn Jahren ein Mangel an Hausärzten, da viele praktizierende Ärzte in Pension gehen werden. Im den letzten Jahren gab es gemäss der Ärztevereinigung FMH im Kanton Luzern stets rund 240 praktizierende Hausärzte. 242 Hausärzte im Kanton Luzern. Die Zahlen sind stabil, erheben allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Denn die Einträge in der FMH-Datenbank sind für die Ärzte freiwillig. Verlässlichere Zahlen hat auch der Kanton Luzern nicht. Die Anzahl Grundversorger lässt indes gewisse Rückschlüsse zu.

Hanspeter Vogler, Leiter der Abteilung Gesundheit des Kantons Luzern, sagt zum sich abzeichnenden Mangel: «Es handelt sich hierbei vor allem um ein Problem der Altersstruktur. Zudem sind Hausarztstellen auf dem Land, wie beispielsweise im Entlebuch, für die neue Ärztegeneration häufig weniger attraktiv.» Auch sei es wahrscheinlich so, dass man den Mangel noch kaum spüre, weil zurzeit viele Ärzte aus dem Ausland kämen, so Vogler. Merlo fügt an: «Es gibt immer mehr Ärzte, aber die meisten sind in Spezialgebieten tätig, und nur wenige arbeiten als Hausarzt. Es braucht dringend Nachwuchs.»

Vier von sechs Stellen besetzt

Gemäss den Zahlen der letzten Jahre ist die Hausärzte-Situation insgesamt noch nicht beunruhigend, aber regional bereits prekär. Um auch in Zukunft die Grundversorgung im Kanton gewährleisten zu können, haben Christoph Merlo und sein Luzerner Hausarztkollege Christian Studer im Februar letzten Jahres mit dem Aufbau des Instituts für Hausarztmedizin begonnen. Am 6. März geht die Projektphase zu Ende, und es gilt ernst für das Hausarztinstitut. Schon jetzt kann das Institut erste Erfolge verzeichnen: Vier von sechs neu geschaffenen Assistentenstellen sind vergeben. Auch wenn das in Anbetracht des kommenden Engpasses bloss ein Tropfen auf den heissen Stein ist, ist es für die beiden Ärzte ein Meilenstein. Merlo: «Es ist ein guter Anfang, diese Stellen sind bei den jungen Ärzten offenbar beliebt. Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»

Assistenten verpflichten sich

Das Herzstück des Hausarztinstituts sind Weiterbildungsangebote, das sogenannte Luzerner Curriculum, für Assistenzärzte mit Interesse an der Hausarztmedizin. Konkret: Das Institut schafft in Zusammenarbeit mit dem Luzerner Kantonsspital (Luks) und der Luzerner Psychiatrie (Lups) halbjährige Stellen in Fachbereichen, die bei den Assistenten beliebt, aber rar sind. Wer davon profitieren will, muss sich bereit erklären, nach der Ausbildung in der Region als Hausarzt tätig zu sein.

Zu den begehrten Fachbereichen sagt Merlo: «Es gibt in der Medizin Fachgebiete wie beispielsweise die Dermatologie oder die Rheumatologie, bei denen nur ganz wenige Assistentenstellen vergeben werden, die aber für Hausärzte wichtig sind.» Was, wenn die Assistenzärzte letztlich doch nicht in die Hausarztmedizin einsteigen wollen? «Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es natürlich nie», sagt Merlo. Er gehe aber davon aus, dass dies nur sehr selten der Fall sein wird. Bei einem allfälligen Nichteintritt in die Hausarztmedizin behalten sich Institut und Kanton eine Rückzahlung der Ausbildungskosten vor. Beim Institut gelten folgende Aufnahmekriterien: halbjähriges Praktikum in einer Hausarztpraxis und drei Jahre klinische Erfahrung.

In Zusammenarbeit mit Luks und Lups wurden für die Weiterbildung sechs Stellen auf den Fachgebieten Dermatologie, Rheumatologie/Orthopädie, Psychiatrie, Anästhesie, HNO und auf der Notfallmedizin geschaffen. Die Nachfrage für das Angebot sei klar vorhanden und dürfte noch wachsen. Am 1. Juli werden einige Assistenten ihre Stelle antreten. Ein Assistenzarzt kann eine, zwei oder drei Rotationsstellen belegen.

Verena Briner, Chefärztin im Kantonsspital, begrüsst diese Art von Weiterbildung. «Es ist wichtig, dass sich angehende Hausärzte in Fachbereichen wie Dermatologie oder in der Notfallmedizin Basiswissen aneignen.» Diese Grundkenntnisse würden sie auch im Alltag als Hausarzt benötigen, so Briner. Der Betreuungsaufwand sei zu Beginn einer neuen Anstellung immer relativ gross, der Ertrag für die Arbeitgeber bei nur kurzen Einsätzen gering. Briner erklärt: «Die Assistenten arbeiten maximal sechs Monate in einem dieser Teilbereiche der Medizin – und nach etwa einem halben Jahr, könnte man die angehenden Ärzte gut einsetzen, aber dann gehen sie bereits wieder.» Dennoch: «Wir brauchen unbedingt mehr Ärzte in der Grundversorgung – und vor allem gut ausgebildete. Deshalb ist es wichtig, dass solche Angebote bestehen», erklärt die Chefärztin.

Kanton zahlt 1,2 Millionen

Ein ähnliches Angebot für die Rekrutierung von Hausärzten gibt es schon: das kantonale Praxisassistenz-Programm. Bei diesem Programm bekommen Assistenzärzte die Möglichkeit, ein halbes Jahr in einer Hausarztpraxis tätig zu sein. Diese Weiterbildungsangebote werden jetzt ebenfalls durch das neue Institut für Hausarztmedizin koordiniert.

Finanziert wird das Praxisassistenz-Programm vom Kanton, der dafür 1,2 Millionen Franken budgetiert. Im Jahr 2013 nahmen 31 Assistenten daran teil. Im letzten Jahr hat der Kanton Luzern 19 Personen aus dem Programm mitfinanziert. Auch für die Weiterbildungen des Instituts für Hausarztmedizin wird aus diesem 1,2-Millionen-Topf geschöpft. «Wir wandeln Praxisassistenten-Stellen in Curriculumsstellen um», erklärt Merlo, «zusätzliche Gelder stehen nicht zur Verfügung.» Letzes Jahr wurde das Budget des Kantons Luzern mit 910 000 Franken nicht ausgeschöpft.

Praxisassistenz: 13 Hausärzte mehr

Der Kanton unterstützt das Institut nicht nur finanziell, sondern auch ideell. Hanspeter Vogler, Leiter der Abteilung Gesundheit des Kantons Luzern, ist überzeugt, dass mit den Weiterbildungsangeboten der Hausarztberuf wieder an Attraktivität gewinnt. «Die Erfahrungen mit dem Praxisassistenz-Programm sind positiv. Seit der Einführung des Programms 2012 haben 49 Personen daran teilgenommen. Davon sind heute bereits 13 als selbstständige Hausärzte im Kanton Luzern tätig.»

Interesse auch in Uri und Obwalden

kuy. Das vor einem Jahr gegründete Institut für Hausarztmedizin ist derzeit noch vorwiegend auf den Kanton Luzern ausgerichtet. Der Kanton Uri hat aber bereits grosses Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet. Würde dies zu Stande kommen, heisst das für Uri (wie für Luzern übrigens auch), dass der Kanton zwei Drittel der Kosten, rund 6000 Franken, für die Ausbildung eines angehenden Hausarztes übernehmen müsste. Ein Drittel wird vom Arbeitgeber – also von Luks oder Lups – übernommen. Zu möglichen Kooperationspartnern sagt Projektleiter Christoph Merlo: «Eine Zusammenarbeit mit weiteren Zentralschweizer Kantonen wird sehr begrüsst und gesucht. Wir freuen uns, dass auch Obwaldner Ärzte Interesse zeigen.»

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