LUZERN: Heftige Wortgefechte um Öffnungszeiten

Braucht der Kanton Luzern ein Gesetz, das Ladenöffnungszeiten regelt? Eine Podiumsdiskussion brachte überraschende Erkenntnisse.

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Das Volk stimmt am 9. Juni über längere Ladenöffnungszeiten ab. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Das Volk stimmt am 9. Juni über längere Ladenöffnungszeiten ab. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

nus. Für David Staubli, GLP-Kantonsrat und Ökonom aus Emmenbrücke, ist klar: «Es soll nicht der Staat entscheiden, wie lange Läden offen bleiben, sondern der Geschäftsinhaber.» Die gleiche Ansicht vertritt Fabian Reinhard, Vorstandsmitglied der Jungfreisinnigen der Stadt Luzern und IT-Unternehmer: «Wir schreiben ja niemandem vor, dass er sein Geschäft länger offen haben muss. Wir wollen Ladenbesitzern bloss die Möglichkeit schaffen.»

Beide Jungpolitiker nahmen gestern Abend an einem von knapp 20 Personen besuchten Podiumsgespräch im Bahnhof Luzern teil. Der 29-jährige Staubli und der zwei Jahre ältere Reinhard standen auf der Seite der Befürworter einer Initiative der Jungfreisinnigen, welche die Abschaffung des Ruhetags- und Ladenschlussgesetzes im Kanton Luzern fordert. Die Abstimmung findet am 9. Juni statt.

Angestellte gegen Liberalisierung

Ganz anders beurteilt wurde das Volksbegehren der Jungfreisinnigen auf dem Podium von zwei Politikern, die eine Generation älter sind. So polterte Giorgio Pardini (55), SP-Kantonsrat aus Luzern und Präsident des Luzerner Gewerkschaftsbunds: «Jede Liberalisierung leistet dem Lädelisterben Vorschub. Ausserdem sind 90 Prozent der Angestellten im Detailhandel gegen eine Liberalisierung.» Pardini, immer besser in Fahrt kommend, warnte eindringlich vor einem Ja. Eine Annahme der Initiative müsste seiner Meinung nach nämlich auch einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs zur Folge haben. Schliesslich könnten die Läden bei einem Ja von 6 bis 23 Uhr offen haben.

Der 53-jährige Kurt Bischof aus Hochdorf, Geschäftsführer der CVP-nahen Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Gesellschaft und persönlicher Mitarbeiter von CVP-Regierungsrat Reto Wyss, kann der Initiative zwar deutlich mehr Positives abgewinnen als Pardini, ist aber trotzdem dagegen. «Wir sind in erster Linie aus demokratiepolitischen Gründen gegen das Volksbegehren. Die Luzernerinnen und Luzerner haben schon zwei Mal Nein gesagt», sagte Bischof auf dem Podium, das von Jérôme Martinu, stellvertretender Chefredaktor der «Neuen Luzerner Zeitung», geleitet wurde. Bischof sprach von den Abstimmungen im letzten Jahr und 2006, als das Stimmvolk sowohl eine kleine Ausweitung (2012) als auch eine Liberalisierung (2006) der Öffnungszeiten abgelehnt hatte.

Überraschende Argumente wurden in der sehr engagiert geführten Diskussion zwar nicht ausgetauscht. Dafür brachte die Debatte überraschende Erkenntnisse: Reinhard, Staubli und Pardini kauften gestern in einem Bahnhofs- oder Tankstellenshop ein, Bischof vor etwa zwei Wochen. Und sowohl Befürworter als auch Gegner der Initiative der Jungfreisinnigen beriefen sich auf die gleiche Studie, die vom Seco (Staatssekretariat für Wirtschaft) in Auftrag gegeben worden war. Staubli: «Eine Liberalisierung schafft Teilzeit-Arbeitsplätze.» Für Giorgio Pardini dagegen ist dieses Argument «völliger Quatsch». Vollzeit-Arbeitsplätze würden unter Druck geraten, sagte der Gewerkschafter.

Publikum war geteilter Meinung

Im zweiten Teil der Diskussion wurde das Publikum einbezogen. Das Mitteilungsbedürfnis war jedoch gering und der Tenor alles andere als eindeutig: Befürworter und Gegner der Initiative hielten sich die Waage.

Von den im Kantonsrat vertretenen Parteien sind CVP, SVP, SP und Grüne gegen die Initiative. FDP und GLP befürworten sie. Der Detaillistenverband kämpft gegen das Anliegen der Jungfreisinnigen.