LUZERN: Helm auf für die Feuerwehr

Joe Kneubühler und Roland Felder sind zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine Sache verbindet die beiden aber.

Lena Berger
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Sie sind seit 25 Jahren für die Feuerwehr im Einsatz: Joe Kneubühler aus Reiden (links) und Roland Felder aus Marbach. (Bild Dominik Wunderli)

Sie sind seit 25 Jahren für die Feuerwehr im Einsatz: Joe Kneubühler aus Reiden (links) und Roland Felder aus Marbach. (Bild Dominik Wunderli)

Lena Berger

Bis fast ganz nach oben fährt der Lift. Vom Zigarettenabpacker zum Qualitätsleiter hat sich Joe Kneubühler (43) beim Tabakkonzern JTI in Dagmersellen hochgearbeitet. Und das ganz wörtlich. Als Jugendlicher nahm er einen Sommerjob in der Zigarettenfabrik an. Er konnte fünf Stangen auf einmal einpacken – und durfte bleiben.

2. Januar: In Grosswangen brennt ein Bauernhaus. Der 69-jährige Hausbesitzer wird tot in der Brandruine gefunden. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
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15. Januar: In der Nacht brennt in Willisau ein Restaurant. Fünf Personen werden in Sicherheit gebracht. (Bild: Luzerner Polizei)
3. Februar: Eine Scheune in Sepmach Station brennt nieder. Ein Mann wird beim Brand verletzt, die Tiere können gerettet werden. (Bild: pd)
27. Januar: Beim Brand einer Scheune im Ortsteil Gunzwil in Beromünster sterben insgesamt 24 Kühe und ein Jagdhund. Sieben Kühe verenden im Feuer und 17 Tiere müsste im Nachhinein notgeschlachtet oder eingeschläfert werden. (Bild: pd)
3. Februar: In Ebersecken brennt am frühen Morgen eine Gewerbehalle. (Bild: Philipp Schmidli)
5. Februar: In den frühen Morgenstunden brennt in Neuenkirch eine Scheune komplett nieder. (Bild: pd)
28. März: Am Hallwilerweg in Luzern bricht am frühen Morgen ein Feuer aus. 40 Personen müssen in Sicherheit gebracht werden. (Bild: pd)
11. August: In Eschenbach brennt ein Wohnhaus mit angebauter Scheune. Gemäss Angaben der Polizei werden zwei Personen hospitalisiert. Eine Frau stirbt im März 2016 an den Folgen des Brandes. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
18. August:  Im «Airport-Imbiss» in Waldibrücke bricht Feuer aus. Ursache ist ein technischer Defekt an einem Küchengerät. (Bild: pd)
15. September: In Urswil gerät eine eine Sägerei in Brand. Die Feuerwehr ist mit einem Grossaufgebot vor Ort. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
9. Oktober:Totalschaden beim Brand eines Wohnhauses mit angebauter Scheune in Doppelschwand. Der Besitzer gesteht, den Brand selber gelegt zu haben. (Bild: pd)
14. Dezember:  In einem Wohn- und Geschäftshaus an der Haldenstrasse in Luzern brennt es am Sonntagabend. Zur Zeit des Feuers befinden sich keine Personen im Gebäude. (Bild: pd)
6. März: Im Industriegebiet Staldenhof in Littau Luzern brennt es. Eine Lagerhalle wird zerstört. (Bild: Neue LZ/Eveline Beerkircher)

2. Januar: In Grosswangen brennt ein Bauernhaus. Der 69-jährige Hausbesitzer wird tot in der Brandruine gefunden. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Heute hat er ein Büro mit Aussicht, mitten im Industriegebiet. Er trägt den modernen Casual Business Look, der sich bei Schweizer Geschäftsmännern durchgesetzt hat. Ihn sich in einer Feuerwehrkluft vorzustellen, fällt etwas schwer, wenn er gerade Besucher durch die mit hellem Teppichboden ausgelegten Sitzungsräume führt.

Sohn verlangt einen «Rapport»

Roland Felder wiederum, weitherum nur «Fauchi» genannt, sieht da eher so aus, wie man sich einen Feuerwehrmann gemeinhin vorstellt. Er ist ein Schaffer, einer, der schwere Stiefel trägt und mit anpackt. Der 47-Jährige arbeitet nicht nur als Koch an der Landwirtschaftsschule in Schüpfheim, er führt daheim auch noch einen kleinen Hof mit sechs Mutterkühen. «Hobbymässig», wie er sagt. Eine Freizeitbeschäftigung freilich, die jeden Tag sehr frühes Aufstehen erfordert. Auch wenn ein Brand ihn die ganze Nacht wachgehalten haben sollte.

Der eine lebt in der Industriezone Wiggertal, der andere im Bauerndorf Marbach. Gemeinsam ist ihnen, dass sie seit 25 Jahren in der Feuerwehr sind. Deshalb wurden sie gestern zusammen mit 109 weiteren Veteranen an der Delegiertenversammlung des Kantonalen Feuerwehrverbandes von Feuerwehrinspektor Vinzenz Graf ausgezeichnet. Nie sei es ein Thema gewesen, den Bettel hinzuwerfen, sagen beide. «Im Herz ist man entweder Feuerwehrmann – oder nicht», ist Joe Kneubühler überzeugt.

Beiden wurde die Brandbekämpfung praktisch in die Wiege gelegt – schon ihre Väter waren in der Feuerwehr. Und bereits zeichnet sich ab, dass auch ihr Nachwuchs dereinst in ihre Fussstapfen treten könnte. «Nach einem Einsatz verlangt mein Sohnemann immer einen ‹Rapport›. Er will ganz genau wissen, was geschehen ist», sagt Roland Felder.

Eine verheerende Nacht im August

Manches allerdings wird «Fauchi» seinem 7-jährigen Buben aber wohl nicht erzählen. Besonders «eingefahren» ist ihm zum Beispiel jene Nacht im August 2005, als zwei Kameraden der benachbarten Feuerwehr bei Bergungsarbeiten nach einem Gewitter verschüttet wurden. «Über Funk haben wir mitbekommen, dass alle zurück ins Depot beordert wurden. Da die Pumparbeiten zu dem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen sein konnten, war uns klar, dass etwas Schlimmes passiert sein musste», erinnert sich Felder. Tatsächlich konnten die Feuerwehrmänner nur noch tot geborgen werden. «Auch wenn es nicht in unserer Feuerwehr passiert ist: Seither überlegen wir immer zwei Mal, bevor wir jemanden in eine Gefahrensituation schicken.»

«Etwas zu bewirken, motiviert»

Zum Glück gibt es aber auch viele schöne Momente. «Wenn es gelingt, das Schlimmste zu verhindern, dann fällt man nach einem stundenlangen Einsatz mit einem guten Gefühl ins Bett», sagt Felder. Etwas bewirken zu können, der Öffentlichkeit einen Dienst erweisen zu können – das motiviert «Fauchi», weiter in der Feuerwehr zu bleiben.

Geht es bei der Feuerwehr darum, sich als Held zu fühlen? «Am Anfang spielte diese Vorstellung sicher mit», räumt Joe Kneubühler ein. Zumal gerade die Atemschutzgeräte eingeführt wurden, als er in die Feuerwehr eintrat. «Man stellt aber sehr schnell fest: Die Feuerwehr ist kein Ort, an dem Helden geboren werden. Ohne die Kameraden um einem herum, kann man gar nichts erreichen.»

Feuerwehr als Karrierekick

Kneubühler legt sein Amt als Feuerwehrmann jetzt nach 25 Jahren nieder. Schweren Herzens, wie er sagt. Denn unter seinen Kameraden hat er Freunde fürs Leben gefunden. «Man muss manchmal das eigene Leben in die Hand eines anderen legen. Wenn man gemeinsam solche Extremsituationen erlebt, schweisst das eine Gemeinschaft unglaublich zusammen», sagt er. Die Kameradschaft gehe deshalb auch über die Feuerwehr hinaus. «Ein Direktor und ein Arbeiter tragen die gleiche Uniform, in kaum einer anderen Organisation findet man einen solchen Mix von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten», ist Kneubühler überzeugt. Diese Kontakte seien Gold wert, man helfe sich gegenseitig mit seinen jeweiligen Stärken aus.

Am meisten profitiert hat Kneubühler von der Führungserfahrung. Vier Jahre lang war er stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Wiggertal. «Ich hatte dort eine leitende Funktion, bevor ich eine solche im Beruf hatte.» Im Gegensatz zum Militär sei die Feuerwehr demokratischer organisiert. «Man kann nicht einfach befehlen, sondern muss Überzeugungsarbeit leisten. Das habe ich in der Feuerwehr gelernt.»

Welche Brände letztes Jahr Schlagzeilen machten, sehen Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bilder