LUZERN: Hier wird die Stadt der Zukunft geplant

In der ehemaligen EWL-Zentrale an der Sternmattstrasse hat die Genossenschaft Laboratorium ihre Zelte aufgeschlagen. Deren Initianten haben grosse Ziele.

Stefan Dähler
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Die Initianten Mark Imhof (links) und Ralph Eichenberger im «Laboratorium» an der Sternmattstrasse. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 29. März 2018))

Die Initianten Mark Imhof (links) und Ralph Eichenberger im «Laboratorium» an der Sternmattstrasse. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 29. März 2018))

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Bauprojekte, Verkehr, attraktive öffentliche Räume – diese Themen geben in der Region Luzern zu reden. Künftig will die Genossenschaft Laboratorium dabei eine wichtige Rolle spielen. Sie wird in diesen Tagen gegründet, eingemietet hat sie sich vorerst bis Sommer 2021 in der ehemaligen EWL-Leitstelle an der Sternmattstrasse 3 in Luzern. Dort sollen im Obergeschoss ab Sommer Personen aus diversen Berufsfeldern arbeiten. «Wir denken an IT-Spezialisten sowie Fachleute aus Mobilität, Energie, Städtebau und Soziologie aus den unterschiedlichsten Unternehmen oder Start-ups», sagt Mark Imhof, Mitinitiant und Verwaltungsratsmitglied des Laboratoriums. Diese arbeiten dann gemeinsam an Projekten im Bereich Stadtentwicklung.

Wie soll das funktionieren? Imhof nennt folgendes, fiktives Beispiel: «Eine Firma hat konkrete Lösungsansätze zur Optimierung des Verkehrs in der Stadtregion entwickelt, ihr fehlen aber ergänzende Daten zu den Verkehrsflüssen. Diese hat die Stadt.» Das Laboratorium bringe die Akteure zusammen, um die konkreten Auswirkungen des neuen Lösungsansatzes zu untersuchen und zu testen. «Damit technologische Verbesserungen aber überhaupt angewendet werden, benötigen sie die Akzeptanz der Bevölkerung.» Diese soll mit Workshops einbezogen werden, denn der Fokus liege auf der «gesamtheitlichen Betrachtung des Lebensraums im betroffenen Gebiet». Das Laboratorium diene so als Mittler und unabhängige Plattform zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft.

15 von 40 Mietern stehen fest

Die Ziele sind ambitioniert: «Wir starten in Luzern, doch künftig wollen wir einen nationalen Hub für Raum- und Gesellschaftsentwicklung aufbauen und andere Städte miteinbeziehen», sagt Ralph Eichenberger, Mitglied des Genossenschafts-Verwaltungsrats. Wie weit ist man heute? «15 von 40 möglichen Mietern stehen fest», sagt Imhof. Diese kaufen sich in die Genossenschaft ein, verfolgen eigene Projekte, verpflichten sich aber, einen Teil ihrer Arbeitszeit für sogenannte Co-Creation-Projekte einzusetzen. «Das Modell ist schweizweit einzigartig», sagt Eichenberger. Die Mieten würden mit 350 bis 550 Franken monatlich pro Arbeitsplatz tief sein. Personen, Firmen und Institutionen könnten sich ab sofort bewerben. Kommt es nicht zu einem Chaos, wenn Vertreter verschiedener Branchen ein Projekt bearbeiten? «Dieser Eindruck kann am Anfang der Bearbeitung einer komplexen Aufgabe durchaus entstehen», sagt Imhof. Die Entwicklungsprozesse sollen jedoch effizient ablaufen, das Ziel sind «ganzheitliche Lösungen». Für die Entwicklung entsprechender Methoden seien professionelle Moderatoren verantwortlich, die von der Genossenschaft angestellt werden.

Entstanden ist das Laboratorium aus der Stiftung Stadtmodell des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA). Ziel ist, ein 3D-Modell der Stadtregion Luzern zu erstellen. Das Projekt hatte im Estrich des Zeughauses begonnen, nun wurden jene Teile des Modells, die bereits existieren, in das Erdgeschoss der Sternmattstrasse gezügelt (wir berichteten).

Das Modell habe einen direkten Zusammenhang mit der Vision des Laboratoriums. «Damit kann man Projekte oder Fakten wie Hochwasser, Smart Grids oder Bewegungsmuster visualisieren», sagt Imhof. Virtuell bestehe das Modell bereits, das Ziel sei, dass man künftig mit Hologrammen arbeiten kann. Die ­Initianten sprechen von einer «Demokratisierung der Raumentwicklung». So soll das Erdgeschoss zu einem öffentlich zugänglichen Raum werden, in dem Vorträge, Foren, Workshops oder Ausstellungen stattfinden.

Imhof rechnet damit, dass die Genossenschaft für die Verwirklichung ihrer Pläne noch 500 000 Franken benötigt. Ein Teil davon soll durch ein Crowd­funding generiert werden, das voraussichtlich im Herbst beginnt. Weiter rechnen die Genossenschafter mit Beiträgen von Partnern, die das Modell und die Angebote des Laboratoriums künftig nutzen wollen. «Mit dem Laboratorium und den darin angebotenen Technologien und Austauschmöglichkeiten wird ein einzigartiges Angebot aufgebaut, das sich eine Stadt, Gemeinde oder eine Firma allein nicht leisten kann», sagt Imhof. Nur durch Kooperation werde dies möglich.

Die Initianten schätzen ihre Erfolgschancen als sehr hoch ein. «Wir haben bereits heute zahlreiche Anfragen von verschiedenen Städten, welche an unserem Ansatz grosses Interesse zeigen», sagt Imhof. Momentan müsse man die Interessenten bremsen.

Stadt und Luzern Plus sind interessiert

Tatsächlich stehen die Stadt Luzern und der Verband Luzern Plus dem Projekt positiv gegenüber. «Wir arbeiten bereits seit der Lancierung des Stadtmodells zusammen», sagt Thomas Glatthard, Gebietsmanager Luzern Süd. «Das Modell hilft dabei, sich vorzustellen, wie die neuen Quartiere aussehen werden. So können wir der Bevölkerung, interessierten Projektentwicklern und Investoren das Gebiet näherbringen.» Ähnlich sieht es der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli (SP). Zwar führt die Stadt selber Bevölkerungs-Workshops durch. «Das Laboratorium kann aber ergänzend eine Plattform für die themenübergreifende Diskussion von Stadtentwicklungsthemen sein, welche unter Fachleuten stattfindet oder der sehr wichtigen Vermittlung von Fachthemen zur Bevölkerung dient», so Züsli.