LUZERN: Himmelrich ohne Pflegeplätze

Das Vorhaben, im Himmelrich Pflegewohnungen zu realisieren, ist vom Tisch. Wird damit das Betreuungs-angebot geschmälert? Das ruft Politiker auf den Plan.

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So soll die neue Himmelrich-Siedlung aus­sehen. Blick vom Bleichergärtli in Richtung Claridenstrasse. Pflegewohnungen wird es in der neuen Siedlung keine geben. (Bild: Visualisierung PD)

So soll die neue Himmelrich-Siedlung aus­sehen. Blick vom Bleichergärtli in Richtung Claridenstrasse. Pflegewohnungen wird es in der neuen Siedlung keine geben. (Bild: Visualisierung PD)

Im Neubauprojekt Himmelrich der Allgemeinen Baugenossenschaft Luzern (ABL) sowie an der Keller- und Brünigstrasse waren Pflegewohnungen mit 44 Pflegeplätzen geplant. Doch das Projekt wurde von der Viva Luzern AG gestoppt.

Daraufhin haben Theres Vinatzer und Judith Dörflinger Muff namens der SP/Juso-Fraktion im Grossen Stadtrat ein Dringliches Postulat eingereicht. Darin fordern sie die Stadt Luzern auf, sich für den Fortbestand und die Realisierung neuer Pflegeplätze einzusetzen. Die beiden Politikerinnen führen ins Feld, dass sich die Sozialdirektion der Stadt trotz ungenügendem Kostendeckungsgrad immer zu den Pflegewohnungen bekannt habe. Der Kostendeckungsgrad könne mit einer grösseren Anzahl an Pflegewohnungen angehoben werden. Vinatzer betont: «In einer Stadt braucht es eine breite Palette an Angeboten und dazu gehören genügend Pflegewohnungen.» Die Dringlichkeit des Postulates wurde vom Grossen Stadtrat abgelehnt. Somit hat der Stadtrat nun sechs Monate Zeit für dessen Beantwortung.

Zukunftsträchtige Modelle

Seit Jahresbeginn sind die fünf Luzerner Betagtenzentren und die Pflegewohnungen unter dem Dach der gemeinnützigen Aktiengesellschaft Viva Luzern AG. Die Gesellschaft gehört zu 100 Prozent der Stadt Luzern.

Aktuell hat die Stadt an den Standorten Tribschen, Wartegg und Hirtenhof vier Pflegewohnungen, die jeweils von Wohngruppen à neun bis dreizehn Personen bewohnt werden. Das sind stationäre Plätze. Die Bewohner haben ihr eigenes Zimmer, die Nasszellen benutzen sie gemeinsam, und die Küchen sind offen. Es gibt eine 24-Stunden-Betreuung. Laut Viva Luzern AG profitieren zurzeit 43 Personen von diesem Angebot.

Das Defizit für das Jahr 2014 belief sich auf rund eine halbe Million Franken. Defizite gab es auch in den Vorjahren. Waren diese der Grund für die Sistierung des Pflegewohnungsprojekts im Himmelrich? Nicht nur die Finanzen trugen zur Sistierung bei – die Viva Luzern will laut Beat Däppeler, Verwaltungsratspräsident Viva Luzern AG, zukunftsträchtige Modelle im stationären Bereich realisieren.

Anzahl Pflegeplätze bleibt erhalten

Trotz der Sistierung sei das bestehende Angebot an stationären Pflegeplätzen gesichert, es werde aber nicht ausgeweitet, so Däppeler und fügt an: «Viva Luzern verfügt über ein Angebot von 930 bewilligten Pflegeplätzen, und diese bleiben erhalten. Das Angebot umfasst alle Plätze, so auch diejenigen für Demenzkranke, für die Palliativ- und die Übergangspflege.»

Ersetzt Wohnen mit Dienstleistungen künftig das Modell Pflegewohnungen? «Nein, da in den Pflegewohnungen stark pflegebedürftige Menschen leben und das Wohnen mit Dienstleistungen auf noch selbstständige Menschen ausgerichtet ist», erklärt Däppeler und gibt zu bedenken, dass Menschen in Pflegewohnungen sehr nahe beisammen­leben. Heute seien Wohnformen mit grösserer Bewegungsfreiheit wie etwa Besuchen in einer Cafeteria oder einem Aufenthaltsraum eher ein Bedürfnis. Er betont: «Pflegewohnungen haben seit 20 Jahren einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des stationären Pflegeangebotes geleistet. Sie wurden für Menschen geschaffen, die nicht ins früher noch eher anonyme Altersheim wollten.» Doch, so Däppeler, heute haben sich die Pflegeheime von spitalähnlichen Strukturen zu überschaubaren Pflegewohngruppen entwickelt und durchaus auch einen familiär-persönlichen Charakter. Dieser Entwicklung wolle die Viva Luzern Rechnung tragen.

Wohnform Bedürfnissen anpassen

«Der Verwaltungsrat will die Bedürfnisse nächster Generationen ernst nehmen und hat deshalb den Fokus auf neue Formen des Wohnens im Alter gerichtet.» So zum Beispiel auf das Wohnen mit Dienstleistungen oder Entlastungsangebote für pflegende Angehörige sowie Angebote in der Übergangspflege nach einem Spitalaufenthalt. Viva Luzern kann sich etwa im Haus Diamant, das zum Betagtenzentrum Eichhof gehört, Wohnen mit Dienstleistungen durchaus vorstellen. Aber spruchreif sei noch nichts. «Klar ist jedoch, dass das Haus Diamant in drei bis vier Jahren saniert werden muss. Als nächstes wird mit einer Machbarkeitsstudie vorgängig geprüft, welche zukunftsträchtigen Modelle dann realisiert werden können», sagt Beat Däppeler.

Sandra Monika Ziegler