LUZERN: Hirslanden-Klinik: Fast täglich liegt ein Hund in der Röhre

Dass die Klinik St. Anna Kleintiere mit denselben Geräten wie Menschen untersucht, kritisiert die Patientenschützerin scharf – vor allem aus Hygienegründen. Diesen Vorwurf weist die Hirslanden-Gruppe aber zurück und kontert.

Roger Rüegger
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Ein Golden Retriever wird mittels Magnetresonanztomografie untersucht. (Bild: Reuters/Bernadett Szabo)

Ein Golden Retriever wird mittels Magnetresonanztomografie untersucht. (Bild: Reuters/Bernadett Szabo)

Wenn in der Hirslanden-Klinik St. Anna nach Betriebsschluss die Lichter ausgehen, ist noch nicht Feierabend. Nun werden Patienten behandelt, für die tagsüber ein Verbot besteht. Denn die Klinik in Luzern untersucht auch Tiere (wir berichteten). Laut Mediensprecher Patric Bürge werden in Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Tierarzt seit Jahren Kleintiere wie Katzen oder Hunde radiologisch untersucht.

«Durchschnittlich fanden über die letzten Jahre pro Woche vier bis fünf Untersuchungen statt», so Bürge. Hauptsächlich bei Hunden werden dabei mittels Magnetresonanztomografie (MRI) – auch Kernspintomografie genannt – wirbelsäulenchirurgische sowie ab und zu orthopädische Fragestellungen abgeklärt. Laut der Klinik St. Anna braucht es diese Untersuchungen, weil ein vergleichbares Angebot in der Region Luzern fehlt.

Untersuchungen stossen nicht auf ungeteilte Freude

Dies bestätigt die Tierklinik Animal Oncology and Imaging Center in Hünenberg: «Wir bieten keine Magnetresonanztomografie für Kleintiere an. Dafür ist ­weder im Kanton Zug noch im Kanton Luzern eine Tierklinik eingerichtet», sagt Barbara Kaser-Hotz, Leiterin des Centers. Ihre Klinik hatte Kenntnis von den Untersuchungen in Luzern. Eine Konkurrenz sieht man darin aber nicht. Man habe sich über eine Anschaffung entsprechender Einrichtungen zwar schon Gedanken gemacht, die Investitionskosten seien jedoch so hoch, dass über 150 Patienten im Jahr untersucht werden müssten. Dass das Angebot der Klinik St. Anna nicht nur auf ungeteilte Freude stosse, könne sie verstehen, Bedenken aus hygienischer Sicht seien jedoch unbegründet.

Bei der Stiftung Patientenschutz (SPO) ist man anderer Meinung. «Ich finde diese Art von Praxis etwas sehr kreativ. Wenn ich mich in eine Maschine lege, will ich darüber informiert sein, wenn vor mir ein Tier darin untersucht wurde. Die Risikoabwägung in einem solch wichtigen Moment sollte den Patienten überlassen werden», sagt SPO-Geschäftsführerin Barbara Züst. Es mute zudem seltsam an, dass man die Tiere nach Betriebsschluss heimlich untersuche. Da frage sie sich, ob nicht gemauschelt werde. Für sie stelle sich sehr wohl die Frage nach der Hygiene und wie diese geregelt sei. Sie kenne als gelernte Anästhesie-Pflegefachfrau die Anforderungen wie auch die Umsetzung im Bereich Hygiene in den Spitälern, weshalb sie nicht überzeugt von der Situation sei.

Es befremde sie zudem, dass Tiere in diesem Fall zugelassen seien, sonst aber ein striktes Verbot gelte. Sie habe erlebt, dass sterbende Menschen sich nicht einmal von ihrem Haustier verabschieden durften, weil dies in einer Klinik aus hygienischen Gründen nicht möglich sei. «Aber wenn es um den Profit geht, ist es plötzlich erlaubt.»

Von Heimlichtuerei will man bei der Hirslanden-Klinik nichts wissen. «Die Untersuchungen finden nach Betriebsschluss statt, um die strikte Trennung zu den tagsüber stattfindenden Patientenströmen in der Klinik einzuhalten», so Bürge. Diese Art der Untersuchungen sei in jeder Klinik möglich, die über die entsprechenden Einrichtungen verfüge, das Fachwissen habe, die Hygienestandards einhalte und einen separaten, von den anderen Patientenbereichen getrennten Zugang gewährleisten könne.

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch