LUZERN: Hochhaus: Jetzt gehts vorwärts am Pilatusplatz

Jahrelang war das Projekt blockiert. Nun kommt das 35-Meter-Bürohaus am Pilatusplatz erneut ins Stadtparlament. Für einmal sind sich alle Parteien absolut einig: Der Bau soll rasch realisiert werden.

Robert Knobel
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Blick vom Hotel Anker auf den Pilatusplatz. Dort, wo sich heute ein kleiner provisorischer Park mit Birken befindet (Bild Mitte), soll ein Hochhaus gebaut werden. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 24. September 2015))

Blick vom Hotel Anker auf den Pilatusplatz. Dort, wo sich heute ein kleiner provisorischer Park mit Birken befindet (Bild Mitte), soll ein Hochhaus gebaut werden. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 24. September 2015))

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Sie sind den meisten Luzernern wohlvertraut: die Birken, die behelfsmässig in Erdsäcke auf den Pilatusplatz gestellt wurden. Die Bäume stehen dort seit dem Abbruch des Wirtshauses zur Schmiede, besser bekannt als «Schmitte». Was 2011 als provisorische Verschönerung des brachliegenden Areals gedacht war, ist zum Dauerzustand geworden. Doch jetzt zeichnet sich ab, dass die Tage des seltsamen Parks am Pilatusplatz bald gezählt sein werden. Das Stadtparlament wird am 16. Februar das Traktandum «Arealentwicklung Pilatusplatz» behandeln. Es handelt sich um einen Bericht und Antrag des Stadtrates, der schon seit 2015 fix und fertig vorliegt. Denn am 24. September 2015 wollte ihn der Stadtrat vom Parlament absegnen lassen – und scheiterte: Die Mehrheit der Parlamentarier entschied, dass die Planung am Pilatusplatz so lange sistiert wird, bis rechtliche Klarheit darüber herrscht, was dort überhaupt gebaut werden darf. Grund für die Unsicherheit war die Stadtbild-Initiative, die gegen das am Pilatusplatz geplante 35 Meter hohe ­Gebäude zielte. Zwar hatte die Luzerner Regierung die Initiative für ungültig erklärt, doch die Initianten zogen den Entscheid weiter ans Bundesgericht. Im Dezember 2016 kam Entwarnung aus Lausanne: Die Klage der Initianten wurde abgewiesen, die Initiative bleibt ungültig.

Nun steht dem Projekt am Pilatusplatz also nichts mehr im Wege. Deshalb soll das Stadtparlament an seiner nächsten Sitzung die Sistierung des Projekts wieder aufheben. Dies wird bloss eine Formsache sein – alle Parteien sind sich einig, dass die Entwicklung des Pilatusplatzes unverzüglich in Angriff genommen werden muss. Bei der Frage nach dem «Wie» ist die Ausgangslage weniger klar. Denn das Projekt war 2015 nicht nur wegen der rechtlichen Unsicherheit umstritten. Zu reden gab auch die Idee des Stadtrats, bei der Entwicklung des Areals bis zum Schluss dabei zu sein. Erst wenn ein fertiges Projekt vorliegt, sollte dieses inklusive des Grundstücks an einen Investor verkauft werden.

Alle sind für den Kompromiss von 2015

Die Bürgerlichen störten sich an dieser Einmischung der Stadt und wollten das Areal schon in einem früheren Stadium verkaufen. Die Linken wollten das Land gar nicht verkaufen und plädierten für eine Abgabe im Baurecht. 2015 hatte deshalb die Baukommission einen Kompromiss vorgeschlagen: Die Stadt veranstaltet einen Investorenwettbewerb und zieht sich dann aus der Planung zurück. Im Gegenzug wird das Areal nicht verkauft, sondern nur im Baurecht abgegeben. Dieser Kompromissvorschlag bleibt weiterhin gültig. Das Parlament muss also am 16. Februar auch darüber entscheiden. Allerdings wurde dieser Kompromiss zwischen Linken und Bürgerlichen noch im alten Parlament gemacht. Inzwischen haben sich die Machtverhältnisse bekanntlich verändert. Für SP-Fraktionschef Nico van der Heiden hat der damalige Kompromiss aber nach wie vor Gültigkeit. Auch Grünen-Fraktionschefin Korintha Bärtsch gibt grünes Licht. Die Bürgerlichen sind ebenfalls für den damaligen Kompromiss. Damit kommt am Pilatusplatz wohl ein Verfahren zum Zuge, das der Stadtrat zwar geprüft, aber dann verworfen hatte. Werde die ganze Arealentwicklung dem Investor überlassen, habe die Stadt zu wenig Einfluss, so das Argument des Stadtrats. Das könne dann etwa dazu führen, dass der Investor mehr lukrative Wohnungen plant anstelle der dringend benötigten Büroflächen. Dabei sind sich auch hier die Parteien einig, dass das Pilatusplatz-Hochhaus in erster Linie für Büros gebaut wird. Da die Stadt in der Wettbewerbsjury vertreten sein wird, kann sie natürlich entsprechende Kriterien definieren.

Das Parlament wird am 16. Februar auch über einen Projektierungskredit von 645 000 Franken für die weitere Planung entscheiden. Ob der Stadtrat an seiner Version des Projekts festhält, ist noch offen. Er will nächste Woche über das weitere Vorgehen informieren. Auch die Frage, wann der Pilatusplatz neu überbaut wird, ist noch offen. Zurzeit liegt man rund drei Jahre hinter dem Zeitplan, der eine Fertigstellung in den Jahren 2020/21 vorsah.