LUZERN: Hochschule: «Wir sind unterfinanziert»

Für Bildungsdirektor Reto Wyss ist klar: Die Hochschule hat ein strukturelles Defizit. Das stimmt schlicht nicht, kontert die Schulleitung. Die Zahlen geben ihr Recht.

Lukas Nussbaumer
Drucken
Teilen
Forschen unter Platz- und Geldnot: Blick in die ­Technikwerkstatt «FabLab» der Hochschule Luzern. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Forschen unter Platz- und Geldnot: Blick in die ­Technikwerkstatt «FabLab» der Hochschule Luzern. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Lukas Nussbaumer

Was führt zu einem strukturellen Defizit? Ist es begründet in zu hohen Kosten für das Personal? Oder sind dafür zu teure Liegenschaften verantwortlich? Bei der Hochschule Luzern mit ihren 1555 Mitarbeitern und knapp 10 000 Studenten gibt es bei Gesamtausgaben von rund 243 Millionen Franken exakt diese beiden Möglichkeiten. Etwas mehr als 180 Millionen gibt die Schule für Löhne aus, den Rest für Mieten und andere Sachaufwände.

Das ist in der Summe zu viel, findet der aus Vertretern der sechs Zentralschweizer Kantone bestehende Konkordatsrat. Deshalb muss die Hochschule 2017 mindestens 3 Millionen Franken sparen, 2018 etwa 5 Millionen, befiehlt der vom Luzerner Bildungsdirektor Reto Wyss präsidierte Konkordatsrat (Ausgabe vom Samstag).

Wenig Platz für Luzerner Studenten

Nur: Sowohl bei den Personalkosten als auch beim Sach- und Betriebsaufwand weichen die Zahlen der Hochschule Luzern nicht von denen bei anderen Hochschulen ab. So beträgt der Sachaufwand der Berner Fachhochschule und derjenige der Fachhochschule Nordwestschweiz wie in Luzern rund 25 Prozent. Bei der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften sind die Ausgaben für Liegenschaften sogar höher als in Luzern. Die Personalkosten betragen bei den meisten Hochschulen etwa drei Viertel der Gesamtausgaben.

Auch die zwischen 2006 und 2015 von 12 auf 18 Millionen Franken gestiegenen Mietkosten der Hochschule Luzern sind kein Indiz dafür, dass das Bildungsinstitut mit einem strukturellen Defizit zu kämpfen hat. Die Zahl der Studenten hat sich während dieser Zeit nämlich mehr als verdoppelt. Das heisst: Pro Student bleibt immer weniger Platz, wie Sigrid Cariola, Leiterin der Hochschulkommunikation, vorrechnet. Im Fachbereich Technik verfügt ein Luzerner Student über eine Fläche von 13 Quadratmetern, im schweizweiten Durchschnitt sind es 24 Quadratmeter.

Wyss spielt Ball der Hochschule zu

Konkordatsratspräsident Reto Wyss will das «strukturelle Defizit» auf Anfrage nicht konkretisieren. «Es ist zur Zeit nicht Aufgabe des Konkordatsrats, mit der Hochschule über Details zu reden. Der Budgetentwurf wird durch die Hochschule erarbeitet.»

Walter Schmid, der stellvertretende Rektor der Hochschule, kommentiert die Sparvorgabe des Konkordatsrats so: «Das ‹strukturelle Defizit› ist eine Umschreibung für die Tatsache, dass die Hochschule Luzern unterfinanziert ist.» Das Konkordat stelle die nötigen Mittel «nicht in vollem Umfang zur Verfügung». Deshalb habe die Schule in den letzten Jahren ihr Eigenkapital abbauen müssen.

In die gleiche Kerbe wie Schmid haut Anton Lauber, Präsident des Fachhochschulrats, der für die strategische Leitung der Hochschule verantwortlich ist. Er sagt: «Wir reden nicht von einem strukturellen Defizit. Die Leistungen der Hochschule sind nicht ausfinanziert.»

Walter Schmid sagt, dass Hochschule und Fachhochschulrat schon vor Monaten die Weichen gestellt hätten, um die Sparvorgaben der Politik erfüllen zu können. Schmid meint – erstens – eine neue Hochschulstrategie bis 2019 und die Gründung einer Stiftung, mit der zusätzliche Fremdmittel akquiriert werden sollen. Dafür wurde im Rektorat eine Stelle geschaffen, die Xaver Büeler einnehmen wird (siehe Kasten).

Zahl der Standorte wird reduziert

Als zweite Weichenstellung bezeichnet der im August als Leiter des Departements für Soziale Arbeit abtretende Schmid Infrastrukturprojekte, mit denen sich die Hochschule «für die Zukunft wappnen und durch eine Konzentration langfristig Aufwendungen reduzieren will». Aktuell verfügt die Hochschule über 24 Standorte. So ist allein das De­partement Design & Kunst auf sieben Standorte verteilt. Bald sollen es durch den Umzug in die Viscosistadt in Emmen nur noch deren drei sein. Auf gar nur noch einen Standort zusammengeführt wird das heute auf vier Standorte aufgesplitterte Departement Musik: Ab 2019 werden die Studenten im Südpol an der Grenze zwischen Luzern und Kriens ausgebildet.

Neue Stelle trotz Lohnkürzungen

Eine Anfang dieses Monats an alle 1555 Mitarbeiter der Hochschule Luzern verschickte Mitteilung sorgt für Unmut. In dem unserer Zeitung vorliegenden Mail heisst es, dass das Rektorat ab April um eine 60-Prozent-Stelle ausgebaut wird. Ein paar Tage zuvor erhielten die Mitarbeiter die Hiobsbotschaft, dass ihre Löhne um 1 bis 2 Prozent gekürzt werden sollen (Ausgabe vom Samstag). Die Aufstockung wirke «schon fast zynisch», sagt ein Angestellter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Der Neue soll Geld beschaffen

Eingenommen wird der neue Job von einem an der Hochschule bestens bekannten Mann: Xaver Büeler. Dieser teilte im Juni 2015 mit, dass er die Leitung des Departements Wirtschaft auf Ende März 2016 abgeben werde. Nun soll Büeler den Aufbau einer Stiftung vorantreiben, durch die der Hochschule mehr fremde Mittel zufliessen sollen. Gleichzeitig wird sich Büeler um die Umsetzung von strategischen Projekten kümmern, mit denen sich die Hochschule von anderen Bildungsinstitutionen abheben will.

Die neue Stelle war nicht ausgeschrieben, wie Walter Schmid, Stellvertreter des sich von einer Knieoperation erholenden Rektors Markus Hodel, auf Anfrage sagt. Aus dem Profil und den Anforderungen habe sich abgeleitet, dass eine interne Besetzung sinnvoll sei, so Schmid, der die Hochschule Ende August verlässt. Schmids Funktion als Stellvertreter des Rektors wird dann ebenfalls Xaver Büeler einnehmen. Hodel bezieht zwischen August und November 2016 eine Auszeit.