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Der Unterricht daheim gewinnt im Kanton Luzern an Beliebtheit

Die Zahl der Zuhause unterrichteten Schüler steigt an. Der Regierungsrat sieht darin kein Problem, wie er in einer Stellungnahme schreibt. Durch «Homeschooling» spart der Kanton Tausende von Franken.
Ernesto Piazza
Diese Schulkinder werden von den Eltern zu Hause unterrichtet. (Symbolbild: Keystone/Gaetan Bally)

Diese Schulkinder werden von den Eltern zu Hause unterrichtet. (Symbolbild: Keystone/Gaetan Bally)

Im Bildungsbereich ist viel in Bewegung: Zwar ist die Volksschule nach wie vor die Norm und die meisten Kinder besuchen eine öffentliche Institution. Doch Homeschooling – der Privatunterricht zu Hause – erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

Diese Entwicklung lässt auch Parlamentarier aktiv werden. Im Oktober hatte die Grossstadträtin Sandra Felder-Estermann (FDP) eine Interpellation zum Thema Privatschule eingereicht. Jetzt nimmt die Regierung zum Vorstoss «Homeschooling» von Rosy Schmid-Ambauen (FDP) Stellung. Ihn haben 13 freisinnige Kantonsräte mitunterzeichnet.

Schülerzahl innert acht Jahren verfünffacht

Aus der Antwort geht hervor: In den letzten acht Jahren ist die Zahl der Zuhause Unterrichteten von 13 auf 63 gestiegen. Aktuell liegt sie gemäss Angaben des Regierungsrats bei 73. Wobei Martina Amato davon ausgeht, «dass diese Zahl noch weiter ansteigt.» Die Oberkircherin hat zu dieser Thematik ein Buch mit dem Titel «Schule einfach anders» geschrieben. Gemäss einer Umfrage des Tagesanzeigers sind es derzeit schweizweit knapp 2100 Kinder, die zu Hause unterrichtet werden. Am stärksten verbreitet sei Homeschooling in den Kantonen Waadt und Bern.

Schmid will in ihrer Anfrage etwa wissen, welche Gründe zum Antrag und zum Entscheid für Homeschooling führen. Als Hauptkriterium für Privatunterricht werde von den Eltern die Übernahme der Verantwortung für die schulische Bildung ihrer Kinder genannt, schreibt die Regierung. Ein weiterer Aspekt seien die negativen Erfahrungen in der Schule. Mit dem Privatunterricht sollten die Kinder die Freude am Lernen wiederfinden. Das Bildungs- und Kulturdepartement muss hierfür eine Bewilligung erteilen. Die Prüfung des Gesuchs erfolgt durch die Abteilung Schulaufsicht der Dienststelle Volksschulbildung.

Privatunterricht erteilende Personen müssen über Bewilligung verfügen

Beim Privatunterricht sind die Bildungsziele der Volksschule auch verbindlich und der Unterricht muss nach dem geltenden Lehrplan des Kantons Luzern durchgeführt werden. Die Eltern geben laut Regierung als Vorteile vor allem «individuelles, interessengeleitetes Lernen und die flexible Lernzeitgestaltung» an. Aus pädagogischer Sicht wird unter anderem eine «sehr individuelle Förderung» hervorgehoben.

Die Hildisrieder Kantonsrätin interessiert auch, wie sich die Ergebnisse beim Unterricht Zuhause im Vergleich zu den Schülern an den Volksschulen verhalten. Daten über die entsprechenden Bildungslaufbahn mit Privatunterricht würden nicht systematisch erhoben und es bestehe keine Rechenschaftspflicht der Eltern, schreibt die Regierung. Bis jetzt sei bekannt, dass sich das Spektrum nach der obligatorischen Schulzeit von einer Lehre bis zum abgeschlossenen Universitätsstudiums bewegt. Privatunterricht erteilende Personen müssen über eine Bewilligung verfügen. Sie nennen als Vorteile, so der Kanton, dass sie in dieser Ausbildungsform auf die «individuellen Lernvoraussetzungen und persönliche Interessen der Lernenden gezielt eingehen können».

Aus Dienststellensicht kann es «durchaus sein, dass der Privatunterricht für das eine oder andere Kind eine geeignetere Unterrichtsform darstellt als in einer Volksschulklasse». Die «relativ hohe Zunahme beim Privatunterricht» so der Kanton, wird zum Teil darauf zurückgeführt, dass nicht in jedem Fall ein Lehrdiplom beziehungsweise eine pädagogische Ausbildung vorgewiesen werden müsse. Dem Privatunterricht stehe man neutral gegenüber. Die gesetzlichen Grundlagen unterscheiden sich je nach Kanton teilweise erheblich.

Kanton spart, wenn Kinder Zuhause unterrichtet werden

Was den finanziellen Aspekt betrifft, spart der Kanton die Pro-Kopf-Beiträge an die Gemeinden. Diese liegen pro Jahr beim Kindergarten aktuell bei 3035 Franken, in der Primarschule bei 3752 Franken und in der Sekundarschule bei 5116 Franken. Zudem können die Kommunen in der Regel die Lehrmittelkosten einsparen. Für Amato ist hingegen klar: «Überall sind Veränderungen im Gange – sie machen auch im Bildungswesen nicht halt.» Es sei eine Zeiterscheinung und eine Herausforderung, sich andere Bildungsformen leisten zu können.

Bei den Luzerner Privatschulen liegt die Zahl der Schüler bei 500 und damit auf dem Niveau des Schuljahrs 2009/10. Insgesamt besuchen im Kanton Luzern zirka 40 000 Schüler die obligatorische Schule.

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