LUZERN: Hotel Anker: Moderne Zimmer hinter einer alten Fassade

Nach knapp zwei Jahren Umbauzeit ist das Luzerner Traditionshaus «Anker» am Pilatusplatz wieder offen. An das einstige Arbeiterlokal erinnert optisch fast nur noch die Fassade. Und doch soll das Lokal ein Volkshaus bleiben.

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Blick in den «Anker» am Pilatusplatz mit Restaurant mit Lounge und Kamin. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 14. Dezember 2016))

Blick in den «Anker» am Pilatusplatz mit Restaurant mit Lounge und Kamin. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 14. Dezember 2016))

«Grüezi, herzlich willkommen im Anker. Ich bin der Bastian, was hättest du gerne», so wird der Gast im gestern neu eröffneten Restaurant Anker bereits beim Eingang in Mundart begrüsst. Danach geht es genauso unkompliziert mit dem Du weiter – immer vorausgesetzt, der Gast will das auch. Ein neues Konzept? Geschäftsleiter Bastian Eltschinger sagt dazu: «Damit sind wir näher beim Gast. Unser Ziel ist es, beim Du zu bleiben.»

Fragt man die ersten Gäste, dann kommt die Begrüssung bei den meisten gut an. Sie sind primär von der Freundlichkeit des Personals begeistert. Im «Anker» setzt die Betreiberfirma Remimag Gastronomie AG das Du-Konzept zum ersten Mal in ihren Betrieben um. Eltschinger: «Gut möglich, dass wir auch in anderen Lokalen damit beginnen. Das Du hat für uns Zukunft.»

Das Familienunternehmen Remimag betreibt 15 Hotel-Gastrobetriebe und führt seit Januar 2015 auch die Gamag Management AG mit 14 weiteren Betrieben. Das Unternehmen kreiert für jedes Lokal ein eigenes Konzept. «Damit erhält jede einzelne Lokalität ihren eigenen Charakter», sagt Eltschinger. Beim «Anker» war dies nicht nur eine konzeptionelle Herausforderung, sondern auch eine architektonische.

Belle-Epoque-Bau mit zeitgenössischem Charme

Für den Zürcher Innenarchitekten Martin Polzer war der Umbau eine «Herausforderung punkto Fantasie und Design», wie er bei der gestrigen Eröffnung erklärte. Erbaut wurde das Volkshaus mit markantem Rundturm vom Architekten Carl Griot-Schnell in den Jahren 1912/13. Der Bau gilt heute noch als Griots bekanntestes Werk. «Der Turm ist gleich hoch wie der Wasserturm der Kapellbrücke», erklärte unlängst Ueli Habegger, Kunsthistoriker und ehemaliger Denkmalpfleger der Stadt Luzern, gegenüber unserer Zeitung. Damals sei das ein klares politisches Zeichen gewesen. Denn hinter dem Gemäuer stecke die Geschichte der Zentralschweizer Arbeiterbewegung.

Das Volkshaus war Versammlungsort der SP und der Gewerkschaften. Die Volkshausgenossenschaft betrieb es zudem als Kultur- und Bildungszentrum. So erstaunt wenig, dass es auch als Kino diente und im Saal Volkstheater gespielt wurde. Ein durch und durch geschichtsträchtiges Haus, das den Kunsthistoriker fasziniert. Ueli Habegger will nächstes Jahr im Aura-Verlag eine Monografie zur Geschichte des Hotels veröffentlichen.

Jedes Zimmer hat einen individuellen Grundriss

Da die Grundstruktur des Baus beibehalten wurde, verfügt jedes der 40 Zimmer über einen individuellen Grundriss. Besonders ins Auge sticht die Umgestaltung des ehemaligen Theatersaales. Darin wurde eine Box mit Hotelzimmern erstellt. Aus den modern konzipierten Räumen geniesst der Gast freie Sicht auf die historischen Mauern mit der ursprünglichen Farbe und durch die im sogenannten Münchner Rundbogenstil gefertigten Saalfenster.

Restauriert wurde auch das Treppenhaus im Hoteltrakt, das über neun Stockwerke führt. Zwischen den einzelnen Stockwerken hat es immer wieder Raum für Begegnungen. Mit Sitzmöglichkeiten, aufgestellten Laptops, mit Lese- und Spielecken soll die Kommunikation unter den Gästen gefördert werden. «Das Haus soll mit seinen Gästen leben und motivieren. Was gibt es da Besseres als solche attraktive Begegnungszonen ausserhalb der Zimmer», sagt Eltschinger.

Restaurant mit Kamin und «Josper-Grill»

Das Restaurant und die Lounge verfügen über 80 Plätze. Besonders stolz ist Eltschinger auf den «Josper-Grill», eine Kombination aus Grill und Ofen. «Wir sind kein Steakhouse, sondern ein Grillhouse. Denn auf dem ‹Jos­per› werden auch Fische, Krustentiere und Gemüse zubereitet.» Geboten werden fünf Mittagsmenüs, davon bis zwei vegetarisch, drei aus dem Ofen und mindestens eines unter 20 Franken, alle inklusive Suppe und Salat. «Es ist uns ein Anliegen, den Charakter des Volkshauses aufrechtzuerhalten, es soll eine Beiz für alle sein, zum Essen oder Trinken oder auch für beides.»

Der «Anker» machte bereits vor der Eröffnung auf sich aufmerksam. Denn das Restaurant hat die ersten Unisex-Toiletten im Kanton Luzern in Betrieb, und diese sind nicht gesetzeskonform. Trotzdem wurde eröffnet (Ausgabe von gestern). Gestern Nachmittag bekam der «Anker» eine provisorische Bewilligung für die nächsten 3,5 Monate.

Sandra Monika Ziegler
sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch