LUZERN: Hotelraub: Opfer bleibt blind

Zwei Männer überfielen 2012 in einem Hotel chinesische Touristen. Sie hatten der Gruppe gezielt aufgelauert. Gestern stand ein Täter vor Gericht.

Lena Berger
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Zwei Chinesische Touristen wurden in einem Luzerner Hotel brutal zusammengeschlagen. (Symbolbild / Neue LZ)

Zwei Chinesische Touristen wurden in einem Luzerner Hotel brutal zusammengeschlagen. (Symbolbild / Neue LZ)

So einen Fall hat es in Luzern noch nie gegeben. In einem Hotel mitten in der Stadt wurden im November 2012 zwei chinesische Touristen überfallen. Die Täter hatten die Reisegruppe tagsüber beobachtet und wussten deshalb von den teuren Uhren, die sie gekauft hatten. Sie klopften kurz vor 22 Uhr an die Zimmertüre. Einer der Chinesen öffnete.

Netzhaut wurde zerstört

Was dann passierte, ist umstritten und gab an der gestrigen Verhandlung vor dem Luzerner Kriminalgericht viel zu reden. Gemäss der Staatsanwaltschaft begann der heute 45-jährige Beschuldigte zusammen mit seinem Komplizen ohne Vorwarnung, auf die Chinesen einzuschlagen. Dabei sei einer der Männer am Auge schwer verletzt worden.

Die Polizei konnte den Beschuldigten vor Ort festnehmen. Seinem Komplizen gelang die Flucht. Anlässlich der Untersuchung in der Augenklinik des Luzerner Kantonsspitals wurde festgestellt, dass die Strukturen im Innern des Auges des Opfers dermassen verletzt wurden, dass keine Sehfunktion mehr möglich sein wird.

Ist der Komplize der Schuldige?

Der Beschuldigte ist teilweise geständig. Die Verteidigung behauptet allerdings, dass nur der Komplize auf die Opfer einschlug. Geplant sei nur ein Diebstahl gewesen, die Tat sei jedoch eskaliert. Der Verteidiger verwies auf ein forensisches Gutachten, welches beweise, dass sein Klient seit einem Unfall nicht mehr in der Lage sei, mit der linken Hand einen Gegenstand fest zu packen. Er sei demnach physisch gar nicht in der Lage, jemanden zu schlagen und zu würgen.

Die Staatsanwaltschaft bezeichnete die Ausführungen des Beschuldigten als unglaubwürdig. Es sei denkbar, dass der Linkshänder in den Jahren nach dem Unfall gelernt habe, seine rechte Hand zu nutzen. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren wegen versuchten Raubs, einfacher sowie schwerer Körperverletzung. Die Verteidigung verlangte eine Verurteilung wegen Diebstahls zu drei Jahren Freiheitsstrafe, wobei nur 18 Monate unbedingt zu vollziehen seien. Das Urteil steht noch aus.