LUZERN: «Ich bin provokativ im Guten»

Hermann Alexander Beyeler (62) zügelt sein Kulturzentrum von Littau ins Baselbiet. Dort werde man von den Politikern besser behandelt als in Luzern.

Interview Sandra Monika Ziegler
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Der Luzerner Mäzen und Investor Hermann Alexander Beyeler. (Bild Boris Bürgisser)

Der Luzerner Mäzen und Investor Hermann Alexander Beyeler. (Bild Boris Bürgisser)

Hermann Alexander Beyeler, Sie gaben kürzlich bekannt, dass Sie Ihr Kunst- und Kulturzentrum Littau-­Luzern (KKZL) schliessen und die Kunstobjekte nach Pratteln verfrachten. Mangelte es Ihnen hier an Aufmerksamkeit?

Hermann Alexander Beyeler: Das Kunst- und Kulturzentrum in Littau war erfolgreich, was die Kunstvermittlung, die Ausstellungen, die Events und die Besucherzahlen betrifft. In die Littauer Kultur habe ich sehr viel Geld investiert. Mir persönlich fehlte es an gebührender Anerkennung für mein kulturelles Engagement von Seiten der Stadtregierung, das machte den Wechsel nach Pratteln, wo die Stiftung jetzt aktiv ist, bestimmt auch noch einfacher. In Pratteln sind die Politiker den Bürgern näher als in Luzern, schenken einem Aufmerksamkeit und Zeit, wenn man sie braucht.

Besonders gewurmt hat Sie wohl, dass Sie als Russlandaffiner vor einem Jahr nicht mit auf die Moskaureise der Luzerner Politiker konnten?

Beyeler: Man hätte mich wenigstens fragen können, ob ich mitreisen möchte. Aber das ist auch schon wieder Schnee von gestern. Um dies zu verarbeiten, brauchte ich aber keinen Seelendoktor, denn ich bin kein negativ denkender Mensch. Ich bin provokativ im Guten.

Kurz nochmals zu Russland, Sie sagten einmal von sich, dass Sie in direkter Linie vom russischen Zaren Alexander III. abstammen. Was hat es damit auf sich?

Beyeler: Es ist schön, zu wissen, woher man stammt. Mehr dazu will ich nicht mehr sagen. Es ist meine persönliche Geschichte.

Einst boten Sie Hand, um das «Gütsch» als Investor zu retten, daraus wurde jedoch nichts, warum?

Beyeler: Damals zeigte die Stadt Luzern kein Interesse, hoffte wohl auf das Einlenken des russischen Investors und Besitzers Alexander Lebedew. Heute ist es für mich absolut kein Thema mehr. Die Geschichte um den Gütsch und die Bahn geht ohne mich weiter. Nach der positiven Abstimmung von Ende November könnte zumindest das mit der Gütsch-Bahn in näherer Zukunft gut herauskommen.

In Stans hatten Sie mit dem Projekt «Kristall-Hybrid Stans Nord» Investitionspläne für 150 Millionen Franken und sorgten damit für Schlagzeilen. Es ging um ein Hochhaus, ein Einkaufscenter und Wohnungen. Inzwischen ist das Projekt stark geschrumpft. Was ist davon übrig geblieben?

Beyeler: Nicht nur das 70-Meter-Hochhaus, sondern auch das Einkaufszentrum ist nun vom Tisch. Aktuell liegen Studien für attraktive, zahlbare Mietwohnungen vor.

Wenn solche spektakulären Projekte dann doch nicht realisiert werden, werden Sie da als Investor noch ernst genommen?

Beyeler: Nur wer seriös am Markt wirkt, wird auch ernst genommen. Durch meine Visionen und deren Umsetzung zeigt sich auch mein Erfolg. Fakt ist, dass es mir bis jetzt jedenfalls nicht an interessanten Projekten mangelt.

Sie sind in Littau geboren und leben hier seit 62 Jahren. Was hält Sie in Littau?

Beyeler: Ich bin an der Luzernerstrasse 45 im Quartier Rönnimoos auf die Welt gekommen, da aufgewachsen und später nach Reussbühl gezogen. Für mich gibt es bis heute keinen Grund, den Ort zu verlassen. Mich halten auch meine Enkelkinder, die hier zur Schule gehen.

Was hat sich seit der Fusion von

Littau mit Luzern verbessert?

Beyeler: Eigentlich gar nichts, nur verschlechtert. Die 1.-August-Reden oder die Badifeste finden nicht mehr statt. Das aktive Leben hat sich ins Zentrum der Stadt verlagert. Nur gut, dass sich Kriens und Emmen dagegen ausgesprochen haben und so diesem Schicksal entgehen können.

Hinweis

Hermann Alexander Beyeler ist 1952 in Littau geboren. Er ist Verwaltungsratspräsident der Buss Immobilien mit Sitz in Pratteln. Zudem ist er bekannt als Kunstsammler, Galerist, Mäzen und neuerdings auch als Autor (siehe Kasten oben).

Interview Sandra Monika Ziegler