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LUZERN: «Ich freue mich darauf, jetzt richtig loszulegen»

Flüchtlinge, die ar­beiten wollen, aber keinen Job finden, belasten das Budget des Kantons. Über ein Jahr wurden 13 von ihnen intensiv geschult – mit Erfolg.
Jean Paul Oumolou (Mitte): Der anerkannte Flüchtling aus Togo lernt im Mathematikunterricht die Grundkenntnisse für seine anstehende Lehre als Maurer. (Bild Pius Amrein)

Jean Paul Oumolou (Mitte): Der anerkannte Flüchtling aus Togo lernt im Mathematikunterricht die Grundkenntnisse für seine anstehende Lehre als Maurer. (Bild Pius Amrein)

Die Stimmung im Schulzimmer ist trotz der Hitze ruhig und konzentriert. Zwischengespräche gibt es keine. Die Männer brüten über der Aufgabe, wie die Fläche eines Trapezes zu berechnen ist, um danach zu entscheiden, wie viele quadratische Betonverbundsteine verlegt werden müssten, um sie abzudecken. «Die Theorie wird anhand praktischer Beispiele vertieft», erklärt der Lehrer. Jean Paul Oumolou hebt die Hand und sagt die Lösung. Er ist im Mathematikunterricht immer der Schnellste.

Geschichte und Recht studiert

Nächste Woche wird die Klasse eine Abschlussprüfung ablegen. Das Telc-Zertifikat in Deutsch Niveau B1 ist das Ziel. Jean Paul Oumolou wird damit keine Probleme haben – er kann sich bereits spontan und fliessend ausdrücken. Der 38-Jährige stammt aus Togo. Vor seiner Flucht hat er Geschichte und Recht studiert. Jetzt ist er seit einem Jahr beim Pilotprojekt «Perspektive Bau» und macht einen Ausbildungslehrgang im Bauhauptgewerbe. Ziel war, dass die 13 Teilnehmer nahtlos eine Lehre beginnen können und so den Steuerzahlern nicht länger als nötig zur Last fallen. Jean Paul Oumolou ist das gelungen. Im August beginnt er in Nebikon eine Ausbildung zum Maurer. «Ich möchte einige Jahre auf diesem Beruf arbeiten und mich dann zum Bauführer weiterbilden lassen. Früher wollte ich Ingenieur werden, aber jetzt will ich aktiv arbeiten – nicht in einem Büro.»

Keine zimperliche Sprache

Im letzten Jahr haben die anerkannten Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Eritrea und Togo intensiv Deutsch gelernt. Aber nicht nur. Durchschnittlich vier Tage die Woche wurden sie in der Maurerlehrhalle in Sursee praktisch geschult. «Vormachen und erklären, nachmachen lassen, alleine arbeiten lassen, überprüfen und anerkennen. So sind wir vorgegangen», erklärt Geschäftsleiter Patrik Birrer. «Die Teilnehmer machten in dem Jahr riesige Fortschritte und verfügen nun über sehr solide Grundkenntnisse. Sie haben unsere Erwartungen übertroffen.»

Was sie unter Schulbedingungen gelernt haben, mussten die Teilnehmer später in einem fünfwöchigen Praktikum unter Beweis stellen. «Dort haben sie das erste Mal Baustellenluft geschnuppert und standen auch tempomässig unter Druck», erzählt Birrer. An den Umgangston musste sich der eine oder andere erst etwas gewöhnen. «Wir haben sie darauf vorbereitet, dass sie nicht nur mit der sanften Sprache rechnen dürfen. Auf dem Bau geht es nun mal hart, aber herzlich zu. Da gibt es klare Ansagen – aber das ist nur bei der Arbeit, in der Pause ist wieder alles okay.»

Reaktion der Mitarbeiter war positiv

Rebecca Narducci vom Berufsbildungszentrum Enaip, zuständig für die schulische Ausbildung, hat jedenfalls gestaunt, als die Teilnehmer nach dem Praktikum zurückkamen. «Einer sagte lachend zu mir, für die Baustelle könne er bereits gut genug Deutsch – weil er dort vor allem Portugiesen und Spanier angetroffen hat», schmunzelt sie. Auch Jean Paul Oumolou zieht aus dieser Zeit ein positives Fazit. «Mir hat die Arbeit gefallen, und die Mitarbeiter haben im Allgemeinen positiv auf mich reagiert. Ich freue mich darauf, jetzt richtig loszulegen.»

Projekt wird weitergeführt

Nach dem Sommer beginnen sechs der Flüchtlinge mit einer Lehre, fünf machen eine Attestausbildung. Zwei haben den Lehrgang aus gesundheitlichen Gründen abbrechen müssen.

Der Kanton zieht aus dem Pilotprojekt ein positives Fazit – und will es weiter- führen. Diesmal mit 15 Teilnehmern. «Die Finanzierung erfolgt für ein weiteres Jahr über den Kanton», so Silvia Bolliger, Kommunikationsverantwortliche beim Gesundheits- und Sozialdepartement. Die Kosten von rund 360 000 Franken werden über das Integrationsbudget finanziert. «Das Projekt ist aber auf nationales Interesse beim Staatssekretariat für Migration und auch beim Schweizerischen Baumeisterverband gestossen. Darum werden eine überkantonale Lösung und auch Finanzierung angestrebt», erklärt Bolliger.

Weiter startet auf Ende August ein ähnliches Projekt im Pflegebereich. In Zusammenarbeit mit der Zentralschweizer Interessengemeinschaft Gesundheitsberufe (Zigg) und dem Berufsbildungszentrum Enaip werden weitere 15 Flüchtlinge auf einen Berufseinstieg vorbereitet. Dieses Projekt wird über Lotteriegelder finanziert.

Lena Berger

Die Liste der Firmen, die Flüchtlinge ausbilden, finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bonus

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