LUZERN: Im Büro: Viele Klicks für Privates

Facebook, TV und Pornos: Beamte der kantonalen Verwaltung nutzen das Internet zu rund 60 Prozent für private Zwecke. Jetzt nimmt die Aufsichtskommission das Problem ins Visier.

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Das Internet wird nicht nur geschäftlich genutzt: Luzerner Beamte haben sogar Pornoseiten angeklickt. (Symbolbild Getty)

Das Internet wird nicht nur geschäftlich genutzt: Luzerner Beamte haben sogar Pornoseiten angeklickt. (Symbolbild Getty)

Flurina Valsecchi

«Falls diese Informationen tatsächlich stimmen, ist es für die Glaubwürdigkeit und das Image der Mitarbeitenden verheerend», sagt Raphael Kottmann. Der CVP-Kantonsrat präsidiert den Luzerner Staatspersonalverband, er ärgert sich über die Erkenntnisse eines vertraulichen Berichts, der gestern vom «Sonntagsblick» publik gemacht wurde. Demnach hat der Kanton Luzern (Dienststelle Informatik) eine Firma beauftragt, die Internetnutzung der kantonalen Verwaltung im Jahr 2010 zu analysieren.

Der Bericht, der auch unserer Redaktion vorliegt, zeigt, dass die Beamten das Internet oft nicht nur für ihre Arbeit, sondern auch privat nutzen und zwar in grossem Stil. Im Dokument ist zu lesen: «Die Analyse der Kategorisierung zeigt einen sehr hohen Anteil an unproduktivem (nicht geschäftsrelevantem, privatem) Verkehr. Vom Volumen her müssen durchschnittlich zirka 54 Prozent dieser Kategorie zugeordnet werden. Zudem ist der Anteil an kritischem (rechtlich fragwürdigem, unerwünschtem) Verkehr mit durchschnittlich zirka 6 Prozent des Gesamtvolumens hoch.»

Facebook wird «intensiv» genutzt

So wird Facebook laut dem vertraulichen Bericht «regelmässig und intensiv» genutzt. Offenbar gab es bereits 2009 eine Analyse, seither habe sich der Facebook-Verkehr volumen- und hitmässig verdoppelt. Die Experten empfehlen: «Im Bereich Facebook sollte überprüft werden, ob der dort generierte Verkehr wirklich geschäftlicher Natur ist.» Bis heute ist Facebook in der Verwaltung im Gegensatz zu vielen privaten Firmen – nicht gesperrt.

Die Beamten surften zur Zeit der Erhebung aber auch auf Dating-Seiten und handelten mit Ware auf Online-Börsen, um nur zwei Beispiele einer langen Liste zu erwähnen. Besonders hoch ist die private Nutzung auch, weil das Internet-TV und -Radio grosse Datenmengen benötigt. Doch damit nicht genug: Es wurden auch (teils harte) Porno- und Gewaltseiten sowie Hackerforen angeklickt, beliebt war die Gratis-Pornoseite Youporn. Diese Seiten sind heute nicht mehr zugänglich.

Alarmiert ist auch SVP-Kantonsrätin Nadia Furrer. Die Präsidentin der kantonalen Aufsichtskommission will die Internet-Analyse für die nächste Sitzung Ende März traktandieren. Auf Anfrage sagt sie: «Wir werden dieses Thema ganz genau verfolgen. Ich will wissen, wann und wie der Regierungsrat gehandelt hat.»

Derweil bedauert Raphael Kottmann vom Luzerner Staatspersonalverband: «Die Ergebnisse sind für all jene Mitarbeitenden demotivierend, die sich an die Regeln halten.» Ganz grundsätzlich stellt er fest, dass die Trennung zwischen Beruf und Privatem in den letzten Jahren immer schwieriger geworden ist wegen flexibler Arbeitsmodelle und der Zunahme an Teilzeitstellen. Das rechtfertige aber keineswegs, dass im Büro Pornofilme geschaut würden. Er möchte das Thema im Vorstand besprechen.

«Das Problem ist bereinigt»

Alles halb schlimm, heisst es beim Kanton. Zur erwähnten Nutzungsanalyse nimmt Andreas Töns, Informationschef der kantonalen Verwaltung, auf Anfrage zwar keine Stellung, da dieser Bericht streng vertraulich sei. Er stellt aber klar: «Das Problem ist bereinigt. Der Zugriff auf Internetseiten in den Bereichen Sex, Pornografie, Rassismus, Gewalt usw. ist mit einem neuen Proxy-Server seit einiger Zeit gesperrt.»

Der allgemeine Zugriff auf das Internet müsse für die Mitarbeitenden jedoch möglich sein. Wissenschaftliche Recherchen beispielsweise, aber auch verwaltungsspezifische Aufgaben wie Prävention oder polizeiliche Sicherheit würden zu Nutzungsbildern führen, die in der Auswertung als «privat» registriert wurden, obwohl sie das keineswegs seien. Töns betont: «Aktuelle Auswertungen des Nutzungsverhaltens zeigen, dass ein grosser Teil des privaten Internetzugriffs auf Pausen- und Randzeiten entfällt. Dies ist zulässig, sofern es den Dienstbetrieb nicht erschwert.»