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LUZERN: Im Lernschwimmbecken lauert die tödliche Gefahr

Am 12. Oktober stirbt ein vierjähriger Junge, nachdem er Tage zuvor im Lernschwimmbecken des Luzerner Hallenbades verunfallte. Wurde die Gefahr unterschätzt?
Blick ins Hallenbad auf der Allmend in Luzern (Symbolbild). (Bild: Nadia Schärli)

Blick ins Hallenbad auf der Allmend in Luzern (Symbolbild). (Bild: Nadia Schärli)

Der 32-jährige Familienvater erinnert sich noch gut an jenen Vorfall, der sich im vergangenen April zutrug. Zusammen mit seinem Sohn stand er am Rande des Lernschwimmbeckens im Hallenbad Luzern, als ein etwa dreijähriger Bub ins Wasser sprang. Aber anstatt sofort wieder aufzutauchen, strampelte der Kleine unter Wasser herum. Seine Mutter erkannte die Situation und rettete ihren Sprössling.

Der Familienvater sagt: «Ich realisierte zuerst gar nicht, dass der Knabe in grossen Schwierigkeiten steckte. Er kam plötzlich angerannt und sprang seinen Geschwistern hinten nach ins Wasser.» Für den Mann ist klar: Das Lernschwimmbecken ist nicht ungefährlich. Das rührt daher, dass sich die Wassertiefe in dieser Anlage variieren lässt – von theoretisch 0 Zentimeter bis auf 1,35 Meter. Am Tag des Unfalles, am 9. Oktober, in den ein vierjähriger Junge involviert war, deckte die Wassertiefe eine Bandbreite von 65 Zentimetern bis 1,25 Meter ab.

Wer ist für den Unfall verantwortlich?

Der verstellbare Boden hat Vorteile. Während Wassergewöhnungskursen beträgt die Tiefe zwischen 57 und 65 Zentimeter. Nur: Kommt ein Kind möglicherweise nach ein oder zwei Wochen ins Hallenbad zurück und begibt sich ins Lernschwimmbecken, kann es zur Überraschung kommen. Denn dannzumal beträgt die tiefste Stelle im Bassin 1,25 Meter. Der kleine Gast wird dann zum unfreiwilligen Taucher und kämpft ums Überleben. Selbstverständlich werden die Besucherinnen und Besucher über die Wassertiefe deutlich aufmerksam gemacht. Ein Kleinkind ist aber nicht in der Lage, diese Botschaft zu entschlüsseln. Es ist auch Pflicht und Aufgabe der Begleitperson, den Unmündigen auf diese Gefahr aufmerksam zu machen und unter Umständen rettend einzugreifen. Am 9. Oktober, am Tag des tragischen Unfalles, war das nicht der Fall. Kommt dazu: Stammt die Begleitperson aus einem Land, wo Badeanlagen kaum oder überhaupt nicht vorhanden sind, muss davon ausgegangen werden, dass dieser Mann oder diese Frau in einer Anlage wie dem Hallenbad Luzern schnell einmal überfordert ist. Sei es rein sprachlich oder auch im Verständnis mit der vorhandenen Technik. Philipp Binaghi, Sprecher der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG), stützt sich auf die Statistik, wenn er sagt: «Im laufenden Jahr gabs in der Schweiz bisher 49 tödliche Badeunfälle. Bei 26 dieser Opfer handelt es sich um ausländische Staatsangehörige.» Mit anderen Worten: Ausländer sind in dieser Unfallstatistik mit 53 Prozent überproportional vertreten.

In der Lebensretter-Branche ist man sich dieser Problematik durchaus bewusst. So hat zum Beispiel das Hallenbad in Altstetten bereits mehrere Personen aus dem Asylbereich eingestellt. Diese Hilfskräfte werden engagiert, um Gäste zu begleiten, die in der Benutzung eines Hallenbades Neuland betreten. Zurück zum Unfall in Luzern: Stefan Schlatter, Geschäftsführer der Hallenbad Luzern AG, sagt: «Wir werden Stellung nehmen müssen.» Dabei geht es auch um die Haftungsfrage. Denn mit dem Bezahlen des Eintrittsgeldes entsteht zwischen Badegast und dem Betreiber ein vertragliches Verhältnis. Der Gast bezahlt, damit er die Anlage benutzen kann, und bestätigt damit, dass er die Badeordnung einhält sowie damit rechnen darf, dass im Notfall für die Sicherheit gesorgt ist. Schlatter sagt jedoch: «Diese Zusicherung machen wir nicht.» Der Fall wird derzeit von der Staatsanwaltschaft untersucht.

Thomas Heer

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