LUZERN: Immobilienfirma warnt vor Betrügern

Betrüger fordern Mieter auf, den Mietzins auf ein neues Konto einzuzahlen. Experten zeigen, wie man sich vor dieser Masche schützt.

Sarah Weissmann
Drucken
Teilen
Schöne Aussicht, aber auch Aussichten auf Betrügereien: In den beiden Allmend-Hochhäusern warnt die Immobilienfirma vor kriminellen «Anwälten». (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Schöne Aussicht, aber auch Aussichten auf Betrügereien: In den beiden Allmend-Hochhäusern warnt die Immobilienfirma vor kriminellen «Anwälten». (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Sarah Weissmann

Die Mieter der Wohnhochhäuser auf der Allmend Luzern sind alarmiert: Auf den Monitoren im Erdgeschoss warnt die Immobilienverwaltung Wincasa vor Betrügern, die sich als Anwälte oder Notare ausgeben und die Mieter per Post oder E-Mail kontaktieren würden. Die Masche ist relativ simpel: Die Betrüger teilen den Mietern – angeblich im Auftrag der Immobilienfirma – mit, dass sie die Wohnungsmiete auf ein neues Konto überweisen sollten. Wer den Anweisungen folgt, überweist die Miete somit direkt den Betrügern.

Auf die Warnung angesprochen, sagt eine Sprecherin von Wincasa: «Wir haben unsere Mieter aus reiner Vorsichtsmassnahme informiert.» Zu einem Betrugsfall sei es bisher nicht gekommen.

Mieterverband rät: Stets nachfragen

Wenn man wie im aktuellen Beispiel einen Brief von einem Anwalt zugeschickt bekommt, empfiehlt der Geschäftsführer des Mieterverbands Luzern, Beat Wicki, in jedem Fall mit der Verwaltung Kontakt aufzunehmen. «Mietvertragsänderungen müssen durch ein kantonales Formular erfolgen, das vom Eigentümer oder von dessen Vertreter, also der Verwaltung, persönlich unterschrieben wurde.» Ein Anwalt oder sonstige Drittpersonen dürften solche Verträge gar nicht unterschreiben.

Die Tatsache, dass Mieter von angeblichen Anwälten reingelegt werden, ist auch bei der Immobilienfirma Livit AG bekannt. «Unsere Mieter sind davon zwar bisher nicht direkt betroffen. Doch beobachten wir diese Entwicklung genau, und unsere Immobilienbewirtschafter sind sensibilisiert», sagt Marietta Hersche, Marketingverantwortliche Livit AG.

Da keine Branche vor Betrügern sicher sei, müsse man wachsam sein. «Wir wollen unsere Mieter vor solchen Machenschaften schützen und informieren und instruieren deshalb unsere Mitarbeitenden regelmässig, und falls nötig werden entsprechende Massnahmen eingeleitet», so Hersche. Bei Livit stehe man mit allen Mietern in engem Kontakt und gehe deshalb davon aus, dass sich die Mieter bei einem solchen Schreiben sofort beim zuständigen Immobilienbewirtschafter melden und nachfragen. «Unsere Mieter wissen, dass ein solcher Brief nur vom Bewirtschafter verschickt würde. Trotzdem heisst das nicht, dass wir davon nicht betroffen sein könnten», sagt Hersche.

Methode ist neu

Eine Umfrage bei einigen regionalen Immobilienverwaltungen ergibt, dass diese noch nicht von einem solchen Betrugsfall betroffen waren. Auch die Luzerner Polizei hat keine Kenntnis davon. Laut Michael Töngi, Generalsekretär des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbands, handelt es sich um eine neue Masche, von der er selbst im Januar dieses Jahres zum ersten Mal aus den Medien erfahren habe.

Eine andere Art von Mietbetrügerei ist indes auf dem Radar: Der Mieterverband Luzern warnt vor fiktiven Wohnungsvermietungen. «Es kommt immer wieder vor, dass Wohnungen ausgeschrieben werden und es im Inserat heisst, dass der Eigentümer beispielsweise in London sei», erklärt Beat Wicki. Die Mieter würden aufgefordert, eine Kaution einzuzahlen, und der fiktive Eigentümer würde ihnen den Schlüssel zuschicken, ohne dass die Mieter je die Wohnung anschauen konnten. Das Geld ist laut Wicki dann allerdings weg, und die Wohnung existiere in vielen Fällen nicht einmal oder sei bereits bewohnt. «Grundsätzlich empfehlen wir den Mietern, eine Wohnung immer zu besichtigen. Zudem ist es wichtig, dass man persönlichen Kontakt zur Verwaltung hat. Und erst wenn man einen Vertrag unterschrieben hat und den Schlüssel in der Hand hält, wird das Depot für die Wohnung fällig.»