LUZERN: In der Stadt wählt nicht mal jeder Dritte

Für Sonntag zeichnet sich im Kanton die tiefste Wahlbeteiligung aller Zeiten ab. Darauf deutet der Rücklauf der Wahlcouverts.

Alexander von Däniken
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Ein Mann wirft einen Stimmzettel in die Urne (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Ein Mann wirft einen Stimmzettel in die Urne (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Alexander von Däniken

Immer weniger Luzerner machen von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Schon bei den letzten Wahlen 2011 war die Beteiligung mit 43,5 Prozent so tief wie noch nie. Dieser Wert dürfte am Sonntag sogar noch unterschritten werden. Darauf deutet eine Umfrage unserer Zeitung bei ausgewählten Gemeinden zum Rücklauf der Wahlcouverts hin (siehe Tabelle). In diesen Gemeinden gingen vor vier Jahren durchschnittlich 48 Prozent wählen, gemäss Prognosen werden es nun im Durchschnitt 46,5 Prozent sein.

Stadt rechnet mit etwa 30 Prozent

Ein besonders starker Rückgang wird in der Stadt Luzern erwartet. Thomas Zumbühl, Leiter Wahlen und Abstimmungen bei der Stadt, schätzt: «Es wird wohl eine Wahlbeteiligung von gegen 30 Prozent geben.» Der Rücklauf sei bis jetzt nämlich geringer als vor vier Jahren. Damals betrug die Wahlbeteiligung in der Stadt 38,4 Prozent. Die Stadt Luzern, gleichzeitig Wahlkreis, zählt rund 52 000 Stimmberechtigte. Das entspricht etwa einem Fünftel des gesamten Kantons.

Von einer ähnlichen Beteiligung wie 2011 geht Meggen aus. Damals gingen 47,9 Prozent der Bürger wählen. «Bis jetzt haben wir einen Rücklauf von knapp 25 Prozent», erklärt Gemeindeschreiber-Substitut Urs Fluder. Erfahrungsgemäss steige die Beteiligung kurz vor dem Termin noch an. Die Regierungsratswahlen versprechen zwar Spannung. Ob diese die Wahlbeteiligung bei den Kantonsratswahlen heben, sei aber fraglich: «Man hört ab und zu Aussagen, dass man von der grossen Anzahl Kandidaten niemanden oder nur wenige kenne.»

Rückgang in Sursee

Godi Marbach, Stadtschreiber von Sursee, schätzt, dass die Wahlbeteiligung dieses Mal 45 Prozent nicht überschreiten wird. Vor vier Jahren waren es ebenfalls knapp 45 Prozent. «Zurzeit haben wir einen Rücklauf von 18 Prozent. Vor vier Jahren waren es knapp 22 Prozent. Aber in dieser Woche kann noch viel passieren», so Marbach. Auch im Städtchen Willisau sieht es danach aus, dass die Quote von 2011 am Sonntag nicht erreicht wird. «Damals erreichten wir 58 Prozent. Jetzt werden es wohl etwas über 50 Prozent sein», erklärt Stadtschreiber Peter Kneubühler. Immerhin: Mit 30 Prozent ist die bisherige Rücklaufquote schon jetzt so hoch wie die geschätzte Wahlbeteiligung in der Stadt Luzern.

Von einer höheren Wahlbeteiligung geht die Entlebucher Gemeinde Schüpfheim aus. Bis jetzt sind rund 27 Prozent aller Wahlcouverts zurückgekommen; vor vier Jahren waren es knapp 20 Prozent, wie es bei der Gemeinde heisst. Die Wahlbeteiligung betrug vor vier Jahren 60 Prozent, dieses Jahr dürfte sie auf über 65 Prozent steigen. Grund für die erhöhte Mobilisierung: Am Sonntag findet auch die Ersatzwahl des Gemeindepräsidiums statt.

Ebenfalls von einer höheren Wahlbeteiligung als vor vier Jahren geht die Gemeinde Hochdorf aus. «Wir rechnen mit etwa 41 Prozent», erklärt Gemeindeschreiber Thomas Bühlmann. 2011 lag die Beteiligung unter 40 Prozent. Anders als in Schüpfheim findet in Hochdorf keine Gemeinderatswahl statt. Bühlmann mutmasst deshalb, dass die hohe Kandidatenzahl zu einer höheren Beteiligung führen wird.