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LUZERN: In Reiden verschwindet ein Stück Fasnachtskultur

Nach 40 Jahren ist Schluss: Die Fasnachtsgruppe Schlüüch geht ein letztes Mal aktiv an den Reider Umzug. Den aktuellen Sujetnamen haben zwei Gründungsmitglieder sogar im Ausland gefunden.
Ernesto Piazza
Stürzen sich «kopflos» in die Fasnacht: Ursula und Köbi Schär. Bild: Eveline Beerkircher (Reiden, 15. Februar 2017)

Stürzen sich «kopflos» in die Fasnacht: Ursula und Köbi Schär. Bild: Eveline Beerkircher (Reiden, 15. Februar 2017)

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Köbi (73) und Ursula Schär (69)blättern in den Fotoalben. Die beiden einzigen noch aktiven Gründungsmitglieder der Reider Schlüüch stöbern in ihren Fasnachtserinnerungen. Seit 40 Jahren zieht das Ehepaar intensiv am Karren der Gruppierung. Mehrheitlich waren die Schlüüch am Reider Fasnachtsumzug vom Güdiszischtig mit örtlichen Themen präsent.

Bei der Ausgabe 2017 werden die Zuschauer ein letztes Mal für die rund 25 Gruppenmitglieder Spalier stehen. Das Sujet «Kopflos» ist Jubiläumsbeitrag und Abschiedsvorstellung zugleich. Diese Idee wurde übrigens in London geboren, als das Ehepaar einen kopflosen Strassenkünstler auf einer Parkbank beobachtete.

Fasnachtsverrückt und traditionsbewusst

Die Schlüüch seien aus einer völlig logischen Überlegung heraus entstanden, findet Ursula Schär. «Wir Frauen wollten ebenfalls Fasnacht machen. Da bei den Reider Schlömpf nur Männer mitguuggen dürfen, haben wir uns für eine eigene Gruppe entschieden.» Und ihr Ehemann fügt an: «Die Schlüüch bestehen aus Fasnachtsverrückten, aus Typen auch, die eine schöne Tradition aufrechterhalten wollen.» Ein Gruppenzwang habe allerdings nie geherrscht. «Bei uns konnte jeder so lange mit dabei sein, wie er wollte.» Und woher kommt der Name? Dieser wurde in Anlehnung an die Aargauer kreiert, hält Ursula Schär fest. «Schlüüch halt», sagt sie – und schmunzelt.

Anfänglich haben die Fasnächtler neben dem Kostüm immer einen grösseren Wagen gebaut. Später mussten sie diesbezüglich jedoch kleinere Brötchen backen. Es sei ein Platz­problem geworden, weiss Köbi Schär, «Chef-Wagenbauer». «Zudem waren wir handwerklich nicht die Begabtesten.» Aber trotz minimalem Aufwand habe es dank individueller Kreativität jedes Einzelnen immer eine originelle Umzugsnummer gegeben.

Jeweils am ersten Samstag im Januar traf sich die Gruppierung zum Startschuss für die Fasnacht. Bei dieser Sitzung wurde das Sujet bestimmt, um fortan jeden Samstagnachmittag daran zu arbeiten. Als es in Reiden das «Isebähnli» noch gab, «waren wir beim ‹Chnörri› (Wirt des Restaurants, Anm. der Redaktion) daheim», betont der 73-Jährige. Später fanden die Schlüüch in der Theaterwerkstatt und im Luftschutzraum des Hotels Sonne Unterschlupf. Oft haben sie auch im Keller der beiden noch aktiven Gründungsmitglieder an den ­Sujets gewerkt.

In all den Jahren blieb das Mitmachen bei der Gruppe ein finanziell erschwingliches Hobby. «Das Fasnachtskomitee zahlt jeweils einen kleinen Betrag – den Rest berappen wir selber», erklärt Köbi Schär. Die Aktivitäten beschränkten sich neben der Teilnahme am Reider Umzug noch auf die anschliessende Beizentour. Früher gehörte die fetzige Uslumpete im «Sonnen»-Saal ebenfalls dazu. «Schade, dass es die Veranstaltung mangels Interesse nicht mehr gibt», sagt Ursula Schär. Nie fehlte bei den Schlüüch aber das Fasnachtsmenü «Schnipo».

In den vergangenen 40 Jahren gab es diverse Sujets, die Schärs in Erinnerung bleiben. Beispielsweise die Jagd (1982), Bacchus (1983), die Kommende (2006) oder das Postauto «Reide-Wilibärg» (2009). Dieses sollte auf fasnächtlich-schräge Art die Einstellung der öffentlichen Buslinie auf die Schippe nehmen. 2015 machten sich die Schlüüch beispielsweise für einen «Fritig-Omzog» stark. Das Anliegen vertreten sie heute noch und deponieren es quasi als ihr Vermächtnis an die Reider Fasnachtsnachwelt. «Am Freitag würden die Besucher im Dorf bleiben, vielleicht am Abend gar an den Schlompfball gehen», sagt Ursula Schär.

«Es ist schon etwas Wehmut dabei»

So wie die Guuggenmusigen immer mehr überhandnehmen, seien die kreativen Köpfe bei den Wagenbauern stets weniger geworden, blickt Köbi Schär mit einigen Sorgenfalten der weiteren Fasnachtsentwicklung in Reiden entgegen. In dem Zusammenhang stelle er auch eine gewisse Abwanderung in die Stadt fest. «Viele gehen am SchmuDo und am Güdiszischtig nach Luzern.»

Schärs haben stets mit viel Leidenschaft Fasnacht gemacht. «Wir versuchten die Themen immer subtil umzusetzen», so Ursula Schär. Nach 40 Jahren sei es aber an der Zeit aufzuhören. Den fehlenden Nachwuchs sähen sie mit als Grund, einen Schlussstrich zu ziehen, sagt die «Sprücheklopferin» der Gruppe. Die Jungen gingen halt in die Guuggenmusigen. So werden die Schlüüch bald Geschichte sein. «Es ist schon etwas Wehmut dabei», betonen Schärs. Bleiben werden hingegen die schönen Erinnerungen. Die beiden schliessen die Fotoalben.

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