LUZERN: Industrieller mit Musikgehör für Luzern

Der Luzerner Industrielle Walter von Moos ist tot. Nicht zuletzt ihm ist es zu verdanken, dass Luzern ein neues Wahrzeichen hat.

Sandra Monika Ziegler
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Ein grosser Moment: Walter von Moos (Mitte) mit Stadtpräsident Urs W. Studer (rechts) und dessen Vorgänger Franz Kurzmeyer (links) bei der Eröffnung des KKL 1998.

Ein grosser Moment: Walter von Moos (Mitte) mit Stadtpräsident Urs W. Studer (rechts) und dessen Vorgänger Franz Kurzmeyer (links) bei der Eröffnung des KKL 1998.

Am 5. Januar ist Walter von Moos 97-jährig gestorben. Der Name von Moos ist untrennbar mit Eisen und Stahl verbunden. Das Familienunternehmen, dem Walter von Moos als Patron einst vorstand, wurde 1842 als «von Moos’sche Eisenwerke» gegründet. Es wurde später zum grössten privatwirtschaftlichen Unternehmen mit Firmensitz in Luzern. Die von Moos Stahl bestimmte die Emmer Industriegeschichte und lieferte Stadt und Kanton Luzern über Generationen beachtliche Steuereinnahmen ab. 1996 markierte das Ende des Familienunternehmens von Moos, das darauf in die Swiss Steel AG überging.

Er wollte Arzt werden

Walter von Moos wurde am 21. Oktober 1918 in Luzern geboren und ging im Schulhaus Maihof in die Primarschule. Das Gymnasium begann er in der Klosterschule Engelberg und beendete es an der Luzerner Mittelschule. Der Sonderausgabe der «von-Moos-Nachrichten» vom 21. Oktober 1993 ist zu entnehmen, dass Walter von Moos eher an den Beruf des Arztes als an den des Technikers dachte. Er fühlte sich zu den humanistischen Wissenschaften hingezogen. Sein Vater konnte ihn dann überzeugen, in die Familienfirma einzusteigen. Erste «Stahlkunde» hatte er 1940 in der Giesserei Bell in Kriens, bevor er 1948 bei von Moos in Emmenbrücke als Praktikant einstieg. 1951 übernimmt Walter von Moos die Leitung der Qualitätsabteilung. Und nach dem Tod seines Vaters im April 1956 wird er zum Prokuristen und Betriebsleiter befördert. Schritt für Schritt erklimmt von Moos die Karriereleiter. Zuerst als Assistent des Direktors Albert Ernst, dann 1965 als Verkaufsdirektor und ein Jahr später als kommerzieller Direktor.

Eine neue Bleibe für die Festwochen

Er machte sich aber nicht nur als Patron einen Namen. Von Moos engagierte sich auch kulturell und sozial. Er gründete eine Wohlfahrtsstiftung, engagierte sich im sozialen Wohnungsbau und setzte sich insbesondere stark für das Luzerner Kulturleben ein. Allem voran für das Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL). Dazu wurde im März 1988 eine Stiftung gegründet, die sich dafür einsetzte, dass die Internationalen Musikfestwochen und das Kunstmuseum, beide im damaligen Kunst- und Kongresshaus Luzern beheimatet, eine neue, moderne Bleibe erhalten sollten. Walter von Moos war der erste Präsident dieser neuen Stiftung Konzerthaus Luzern und blieb es bis zur Eröffnung des neuen, weltweit für Aufsehen sorgenden KKL 1998. Walter von Moos war allerdings nicht die einzige treibende Kraft hinter dem neuen Luzerner Wahrzeichen. Federführend war auch der damalige Luzerner Stadtrat und CVP-Politiker Armand Wyrsch. Er leitete von 1970 bis 1991 die Finanzdirektion und verstarb 2007. Grossen Verdienst beim Projekt KKL hatte auch die Mäzenin Alice Bucher. 1988 schenkte sie der Stadt Luzern 960 000 Franken zur Finanzierung des geplanten Architekturwettbewerbs für ein neues «Kulturzentrum am See». Und später unterstützte sie mit 1 Million Franken auch die Realisierung des KKL Luzern. Das ist dem damaligen Quästor der Stiftung Konzerthaus Luzern, Karl Reichmuth, noch in bester Erinnerung: «Sie war die Initiantin, die wesentlichste Person. Mit ihrer Spende machte sie den wichtigen ersten Schritt.» Alice Bucher verkehrte in etablierten Musikerkreisen, ihr sei zu Ohren gekommen, dass sich Vladimir Ashkenazy und auch Herbert von Karajan weigern würden, weiterhin im alten Saal im Meilibau zu dirigieren.

Private spenden 63 Millionen

Karl Reichmuth hatte den Vorsitz im Zentralschweizer Sammelkomitee. Reichmuth betont: «Die Musikstadt Luzern hatte viele wohlgesinnte vermögende Gastbürger, die investierten.» Karl Reichmuth sammelte Geld bei gut betuchten Privaten und Zentralschweizer Unternehmen. Mit Erfolg: Über 1400 Spender sagten Beiträge von rund 63 Millionen Franken zu. Eine wichtige Rolle spielte auch alt Stadtpräsident Franz Kurzmeyer. In seiner Präsidialzeit von 1984 bis 1996 wurden die entscheidenden Weichen fürs KKL gestellt. Dabei hatte er natürlich regelmässig mit dem Stiftungspräsidenten Walter von Moos zu tun. Er erinnert sich gut an den Industriellen und auch Privatmann von Moos. «Ich und meine Frau waren öfters zu Gast an seinem Tisch. Walter und seine Frau Marcelle waren liebenswürdige Gastgeber. Ihr guter Kontakt untereinander war sehr beeindruckend», erzählt Franz Kurzmeyer. In bester Erinnerung ist dem alt Stadtpräsidenten die Liebe, die Walter von Moos zu Luzern hatte: «Wenn er über Luzern sprach, dann war ihm die Begeisterung für die Stadt geradezu ins Gesicht geschrieben.»

«Grosser Wirtschaftsführer»

Laut Kurzmeyer pflegte er auch einen guten Kontakt zu seinen Mitarbeitern, habe sich nicht nur um die grossen Dinge, sondern auch um die kleinen gekümmert: «Walter war ein grosser Wirtschaftsführer, ein Humanist mit einem offenen Geist, der sich ethisch vorbildlich verhielt.» Tatsächlich: Der Industrielle, der eigentlich Arzt werden wollte und dann zum grossen Kulturförderer wurde, hatte eine starke geistige Ader. Seine Gedanken, Aphorismen und Erinnerungen gab er mehrmals auch in Buchform heraus.

Mahnmal gegen geistige Verarmung

Zurück zum KKL: Als das Wunder von Luzern zu Stande kam, hielt Walter von Moos am Festakt zur Eröffnung des Kultur- und Kongresszentrums 1998 eine Rede. Sein Schlusswort lautete: «Möge der Geist, der den Bau dieses Hauses geschaffen hat, jene beflügeln, die es in Zukunft mit Leben erfüllen. Mögen die spiegelnden Flächen des verbindenden Daches als Mahnmal und Sinnbild stehen gegen geistige Verarmung, ein Zeichen auch gegen den Kleinmut in einer verunsicherten Welt.»

Sandra Monika Ziegler

MEHR ZUM THEMA

Lesen Sie mehr über die spannende Firmengeschichte der von Moos AG im Wirtschaftsteil der morgigen «Zentralschweiz am Sonntag.»