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LUZERN: Infobrief führt zu falschem Pädophilenverdacht

Die Freistellung eines Religionslehrers hat zu fatalen Gerüchten geführt. Die Kirche verteidigt ihr Vorgehen vehement.
Charly Keiser
Wegen einer Äusserung im Religionsunterricht hängt in der Katholischen Kirche der Stadt Luzern der Haussegen schief (Symbolbild). (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Wegen einer Äusserung im Religionsunterricht hängt in der Katholischen Kirche der Stadt Luzern der Haussegen schief (Symbolbild). (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Jürgen Rotner, Rektor Religionsunterricht und Gemeindekatechese bei der katholischen Kirche der Stadt Luzern, hat ein folgenschweres Informationsschreiben losgeschickt – an rund 500 Schüler von Religionslehrer Thomas Bannwart. In diesem Brief «informierte» Rotner über die Kündigung Bannwarts und dessen sofortige Freistellung. Zur Erinnerung: Bannwart wurde am 19. März dieses Jahres gekündigt, weil er gemäss eines Schülers im Unterricht den Islam in ein schiefes Licht gerückt haben soll. Die in der Kündigung mangelnde Begründung der sofortigen Freistellung des Religionslehrers war verheerend. Dies, weil nur zwei Wochen zuvor in der «Neuen Luzerner Zeitung» stand, dass einem pädophilen Lehrer in Luzern gekündigt worden sei. «Bannwart ist der Pädophile, der die Stelle verliert.» Dies habe er von verschiedenen Seiten gehört und selber sofort angenommen, sagt ein befreundeter Lehrer von Bannwart.

Urban Schwegler, Kommunikationsverantwortlicher der katholischen Kirche Stadt Luzern, bedauert auf Anfrage: «Wenn der Informationsbrief an die Eltern zu Missverständnissen geführt hat, tut uns das leid.» Er fügt an: «Wir haben stets betont, dass sich Thomas Bannwart keines strafrechtlich relevanten Verhaltens schuldig gemacht hat.» Solches sei ihm von Seiten der Kirchgemeinde auch nie vorgeworfen worden. Anderslautende Spekulationen seien umgehend richtiggestellt worden. «Es gilt aber festzuhalten, dass das Vertrauensverhältnis zu Bannwart massiv gestört und somit ein Unterricht nicht mehr zu verantworten war», verteidigt Schwegler das Vorgehen der Kirchgemeinde.

Wir haken nach und fragen: Warum hat Peter Bischof, Sekretär des Kirchenrats, Öl ins Feuer gegossen – indem er besorgten Eltern telefonisch erklärte, er könne zum Schutz aller Involvierten keine Auskunft über Bannwarts Freistellungsgrund geben? «Es war stets auch ein Anliegen des Kirchenrats, den Persönlichkeitsschutz von Thomas Bannwart zu gewährleisten», sagt Schwegler. «Thomas Bannwart wurde ordentlich gekündigt, und zwar aufgrund des zerstörten Vertrauensverhältnisses.»

Doch warum haben Bannwarts Vorgesetzte nichts unternommen, um dem Gerücht entgegenzuwirken? «Die Kirchgemeinde hat zu keinem Zeitpunkt Gerüchte über Thomas Bannwart verbreitet oder falsche Auskünfte erteilt», verteidigt sich Schwegler. Es sei nur der Inhalt des Informationsschreibens wiedergegeben worden.

Bundesgericht am Zug

Bannwart wehrte sich beim Kantonsgericht gegen die Kündigung. Und dieses gab ihm Recht. Es gebe keine Anzeichen, dass Bannwart in unvertretbarer Weise seine Haltung in den Unterricht habe einfliessen lassen. Dessen Unterricht sei von Schülern wie Klassenlehrern als lehrreich und von hoher Qualität eingestuft worden. Ausserdem sei Bannwart 18 Jahre lang im Dienst der Kirche gestanden und zum Zeitpunkt der Kündigung 62 Jahre alt gewesen. «Die Kündigung ist darum unverhältnismässig.»

Am Montag hat der Kirchenrat entschieden, das besagte Urteil vom Bundesgericht überprüfen zu lassen.

Sind die Kirchenräte bereit, bei einer Niederlage beim Bundesgericht ihre Konsequenzen zu ziehen? «Der Kirchenrat ist eine Kollegialbehörde», antwortet Schwegler, «sämtliche Entscheidungen werden von allen Mitgliedern in gleicher Weise verantwortet.»

Charly Keiser

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