LUZERN: Italiener wollen Casa d’Italia retten

Eine Genossenschaft will ein Haus wiederbeleben, das 70 Jahre Immigration in der Schweiz verkörpert. Sie kann 2 Millionen Franken zahlen – der italienische Staat hat aber andere Preisvorstellungen.

Hugo Bischof
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Die Villa Casa d’Italia an der Obergrundstrasse 92, fotografiert von der Taubenhausstrasse her. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 12. April 2017))

Die Villa Casa d’Italia an der Obergrundstrasse 92, fotografiert von der Taubenhausstrasse her. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 12. April 2017))

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

«Die Casa d’Italia muss schliessen.» So lautete die Schlagzeile in unserer Zeitung am 19. Oktober 2016. Jetzt keimt neue Hoffnung auf. Eine Genossenschaft soll gegründet werden. Ihr Ziel: der Erwerb und Betrieb der Liegenschaft «Casa d’Italia» an der Obergrundstrasse 92 in Luzern – «unter Ausschluss jeder spekulativen Absicht», so die Statuten.

Einer der Initianten ist ­Ippazio Calabrese, italienischer Staatsangehöriger mit Wohnsitz in Malters, von Beruf Sozialversicherungsexperte, seit 2015 Mitglied des Komitees für Italiener im Ausland des Konsularbezirks Zürich. Unterstützt wird er von Lucio Carraro, Psychotherapeut, ebenfalls engagiertes Mitglied der Italienergemeinschaft in der Zentralschweiz.

Es fehlen wichtige Dokumente

«Wir dürfen dieses Gebäude nicht verlieren, es verkörpert 70 Jahre italienische Immigration in der Schweiz», sagt Calabrese. Als Eigentümer der Liegenschaft ist der italienische Staat eingetragen. Dieser zahlte 1939 für die Liegenschaft 167 000 Franken. «Weitere 60 000 Franken zum Kauf trug die Italiener-Gemeinschaft in der Zentralschweiz bei», sagt Calabrese. «Wir möchten nur etwas zurückkaufen, was uns teilweise schon gehört.» Dokumente, die das Teileigentum der Italiener-Gemeinschaft belegen, liegen aber nicht vor.

Während vieler Jahre war die Casa d’Italia Sitz eines italienischen Konsulats. Bis zuletzt hier einquartiert war die Colonia Italiana, ein Versammlungsort für Italiener der ersten und zweiten Generation. Auch die Bibliothek und der Kulturverein Dante Alighieri, Teile der Università popolare Unitre Luzern sowie die Kindertagesstätte Asilo Italiano befanden sich hier.

Tempi passati. Per Ende 2016 wurde allen bisherigen Nutzern gekündigt. Der italienische Staat hat die Casa d’Italia zum Verkauf ausgeschrieben.

Anteilscheine à 1000 Franken

Gemäss Lucio Carraro und Ippazio Calabrese beträgt der heutige Marktwert der Liegenschaft zirka 2 Millionen Franken: «Das ist eine realistische Schätzung.» So viel sei ihre Genossenschaft auch bereit zu zahlen. 1,5 Millionen Franken davon sollen über Bankkredite beschafft werden. Die restlichen 500 000 Franken sollen via Verkauf von Genossenschafts-Anteilscheinen à 1000 Franken zusammenkommen. «Wir hoffen, dass möglichst viele Einzelpersonen, Unternehmer und Institutionen solche Anteilscheine kaufen werden.» Nicht nur Italiener, auch Schweizer seien dazu eingeladen.

Ippazio Calabrese und Lucio Carraro wollen die Casa d’Italia zu neuem Leben erwecken: «Viele frühere Nutzungen sollen hier wieder möglich werden.» Denkbar sei auch die Integration eines Büros für Sozialberatung. «Die Casa d’Italia soll zu einem interkulturellen Zentrum werden, das allen offensteht.» Eine vermehrte Zusammenarbeit mit der Stadt Luzern werde angestrebt. Im Untergeschoss soll zudem eine Cafeteria eingerichtet werden.

Bei dem um 1900 errichteten, schützenswerten Gebäude müssen das Dach und die Fassaden erneuert werden. Im Innern soll es leicht bauliche Anpassungen geben. Das soll insgesamt rund 300 000 Franken kosten.

Noch keine Antwort von italienischer Regierung

Ob es zum Kauf kommt, bleibt aber ungewiss. Der italienische Staat hat offenbar andere Preisvorstellungen. Eine vom italienischen Generalkonsul in Zürich veranlasste vorläufige Schätzung der Liegenschaft habe einen Wert von 3 Millionen Franken ergeben, sagt Calabrese: «Das ist übertrieben.» Calabrese und Carraro wollen eine weitere Schätzung veranlassen. Sie betonen: «Wir hoffen, dass die Liegenschaft nicht versteigert wird. Das wäre das Ende unseres Vorhabens.» Sie hätten ihr Anliegen Italiens Regierung unterbreitet, aber noch keine Antwort erhalten.

Diesen Sonntag um 17 Uhr findet im Centro Papa Giovanni in Emmen die Informationsveranstaltung «Projekt Casa d’Italia» statt. «Dabei wollen wir die italienische Gemeinschaft der Zentralschweiz über unser Vorhaben informieren», sagen Ippazio Calabrese und Lucio Carraro.

Hinweis

Infoveranstaltung «Projekt Casa d’Italia»: Sonntag, 11. Juni, 17 Uhr, Centro Papa Giovanni in Emmen.