LUZERN: IV Luzern zeichnet Kantonsspital und Gravura aus

Viele Firmen scheuen sich, handicapierte Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Jene, die es tun, haben Chancen auf den IV-Award. Am Mittwochabend wird er erstmals doppelt verliehen.

Merken
Drucken
Teilen
Bild: PD

Bild: PD

Zum vierten Mal übergibt die IV Luzern am Mittwochabend am Arbeitgeber-Apéro im Hotel Schweizerhof den kantonalen IV-Award. Damit würdigt die Eidgenös­sische Invalidenversicherung Unternehmen, die sich besonders erfolgreich für die berufliche Eingliederung von Menschen mit Behinderung einsetzen. Erstmals werden dabei zwei Auszeichnungen vergeben – die eine an einen Grossbetrieb, die andere an ein KMU. Damit soll aufgezeigt werden, dass jede Firma, unabhängig von ihrer Grösse, die 10 000 Franken Preisgeld gewinnen kann.

Der «grosse» Sieger ist das Luzerner Kantonsspital (Luks). Von seinen 7000 Angestellten waren es bis vor kurzem fast 160, die im Schnitt pro Tag krankheitsbedingt zu Hause bleiben mussten. Im letzten Sommer hat man deshalb ein Absenzen- und Case-Management eingeführt. Wenn jemand in einem halben Jahr dreimal oder 21 Tage in Folge gefehlt hat, findet ein erstes Gespräch mit dem Vorgesetzten statt. «Nicht weil er ein säumiger Mitarbeiter ist, sondern weil wir uns um ihn kümmern und den Ursachen seiner Absenzen auf den Grund gehen wollen», erklärt Personalchefin Barbara Flubacher. Gemeinsam werde analysiert, wie man das Arbeitsumfeld anpassen könne, um die Gesundheit des Angestellten zu fördern. «Wenn jemand nach vielen Jahren in der Pflege über Rückenprobleme klagt, streben wir nach einer Reduktion der Belastung – beispielsweise mit einem Wechsel auf ein Arztsekretariat. Bei psychischen Problemen versuchen wir Stressfaktoren zu lokalisieren und wenn möglich zu mindern.»

44 Langzeitausfälle wieder eingegliedert

Ferner setzt das Luks auf Prävention. Der personalärztliche Dienst und die Ergonomieabteilung seien mit Beratungen dafür besorgt, dass Angestellte den Arbeitsplatz richtig einstellen oder dass sie körperliche Arbeit mit der korrekten Haltung ausführen. Massnahmen, die laut Flubacher Erfolg zeitigen: «44 Langzeitausfälle konnten reintegriert werden. Auch bei den Kurzabsenzen ist die Tendenz zu einer Reduktion ersichtlich.» Zudem haben fünf IV-Bezüger im Luks eine neue Beschäftigung gefunden.

Der zweite «kleine» Award-Gewinner kommt aus Rothenburg und heisst mit vollem Namen Gravura Kunstpräge GmbH. 17 Mitarbeiter produzieren hier Artikel wie Münzen, Medaillen und Fasnachtsplaketten. Darunter auch zwei Personen, die von der Invalidenversicherung vermittelt worden sind. «Für uns und für die IV-Bezüger, die arbeiten wollen, ist das eine positive Sache», sagt Geschäftsleitungsmitglied Peter Krummenacher.Weshalb betreibt das KMU dieses soziale Engagement? «Weil wir der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft nachkommen wollen und weil wir gute Erfahrungen gemacht haben.» Die erste Person mit einer körperlichen Beeinträchtigung habe bis zu ihrer Pensionierung über 20 Jahre bei Gravura gearbeitet. Nun sind es sogar deren zwei, eine in einer 50-, die andere in einer 100-Prozent-Anstellung. Einfach jemanden holen, weil er blaue Augen habe, könne man freilich nicht: «Wir brauchten gerade jemanden, und Sie müssen arbeiten wollen. Das ist hier der Fall.» Handicapiert seien die beiden Neueintretenden nach Unfällen in körperlicher Hinsicht, «schwere Dinge dürfen sie nicht herumtragen, und sie können nicht die ganze Zeit stehen. Doch das ist bei uns kein Problem.» Die Einführung werde von der IV finanziert. «Das ist gut gelöst», findet Krummenacher, «so verlieren wir kein Geld.» Dass sie branchenfremd seien, tue nichts zur Sache. «Für unser Handwerk gibt es keine eigentliche Ausbildung. So gesehen sind alle bei uns branchenfremd. Voraussetzung sind eine handwerkliche Begabung und genaues Arbeiten.»

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch