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LUZERN: Je ernster die Arbeit, desto tiefer die Freude

Mathias Kissel ist neuer Pfarrer der reformierten Kirche Weinbergli. Dem einstigen Kirchenmusiker ist die Arbeit mit Menschen wichtig.
Natalie Ehrenzweig
Der reformierte Pfarrer Mathias Kissel vor der Weinbergli-Kirche in Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Der reformierte Pfarrer Mathias Kissel vor der Weinbergli-Kirche in Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Seit Anfang Dezember teilt sich Ma­thi­as Kissel die Pfarrstelle in der reformierten Kirche Weinbergli in der Stadt Luzern mit der bisherigen Pfarrerin Silvia Olbrich. Es ist Kissels erste Anstellung als Pfarrer, denn der gebürtige Deutsche hatte zuerst lange als Musiker gearbeitet, bevor er Theologie zu studieren begann. Kissel ist 50-jährig und unverheiratet. «Ich habe Theologie unter anderem aus Liebe zum Denken und Hinterfragen studiert», sagt er, «auch weil es eng mit meinem ersten Beruf, dem des Kirchenmusikers, zusammenhängt und diesen weiterführt.» Theologie schaffe einen Zusammenhang zwischen Glauben und Sprache und bewege sich auf dem Schnittpunkt zwischen Wissenschaft und Kunst: «Erfahrung und Intuition gehören dazu.»

Erst am Ende des Studiums entschied Mathias Kissel sich für die pfarramtliche statt für eine akademische Laufbahn. «Ich habe gelernt, wie wichtig mir die Arbeit mit Menschen ist», betont er. «Ich möchte lernen und geben; das kann ich am besten im Gespräch mit anderen. Der Alltag ist ungemein abwechslungsreich. Im Pfarrberuf bin ich immer gefordert; Routine kommt da kaum auf.»

«Zu Klarheit verhelfen»

Krankheit, Einsamkeit und Tod sind Themen, über die Kissel mit seinen Gemeindegliedern spricht. «Es ist mir wichtig, dass ich Trost spende, manchmal zu Klarheit verhelfe», sagt er. Ebenso wichtig sei es, «an den reichen, vielleicht sogar abgründigen Lebenserfahrungen der Menschen teilzuhaben – ich habe grosse Freude an dieser Arbeit». Kissel: «Viele meiner Begegnungen sind sehr ernst. Dies aber schliesst tiefe Freude und Beschenktwerden ein.»

Er brauche seinen Freundeskreis und auch Einsamkeit, betont der neue Weinbergli-Pfarrer – «Raum, um nach der Intensität solcher Begegnungen auch wieder loslassen zu können». Das Verarbeiten sei aber jedes Mal anders: «Jede Geschichte von Leid und Schmerz ist so individuell wie die Menschen, die sie erzählen.» In den Seniorenheimen, die Mathias Kissel besucht, ist die Tatsache, dass er ein reformierter Pfarrer ist, zweitrangig. «Die ökumenische Zusammenarbeit ist sehr gut und bereichernd», sagt er.

Als Pfarrer im Dezember anzufangen, also in einem der betriebsamsten Monate des Jahres, hat Mathias Kissel sehr gefallen. Viele Veranstaltungen seien schon organisiert gewesen, erzählt er: «Es war schön, dass ich Zeit hatte für viele Begegnungen, ohne bereits von allzu vielen organisatorischen Fragen abgelenkt zu sein.»

Brücke zur Gemeinde geschlagen

Im Dezember war Mathias Kissels erster Gemeindegottesdienst am vierten Advent schon ein besonderer Höhepunkt. «Ich durfte ein Mädchen aus einer deutsch-kanadischen Familie taufen. Dies hat persönliche Bezüge zu meiner eigenen Geschichte geschaffen und gleichzeitig eine Brücke geschlagen zur Gemeinde», sagt er. Der nächste Höhepunkt wird der Silvestergottesdienst sein: «Eberhard Rex wird auf der Orgel ein Werk von Bach vortragen, das unserer Ansicht nach mit musikalischen Mitteln grundlegende menschliche und theologische Fragen diskutiert. Hier möchte ich mit meinen eigenen Worten nur versuchen, einen Raum zu schaffen, in dem die Musik hörbar werden kann.»

Weihnacht mit Freunden verbracht

Die diesjährige Weihnacht hat der Pfarrer zusammen mit engen Freunden verbracht. «Dass ich mich privat auch einmal ganz zurückziehen kann, gibt mir die Kraft, mich umgekehrt in meine Arbeit als ganzer Mensch einzubringen und nicht nur einen Job zu machen», erklärt er.

Natalie Ehrenzweig

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