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LUZERN: Jede 20. Schwangere macht den umstrittenen Trisomie-Test

Seit einem Jahr können Schwangere ihr Kind mittels Bluttest auf Trisomie 21 unter­suchen lassen. Obwohl die neue Methode völlig ungefährlich ist, ist man beim Kantonsspital zurückhaltend.
Robert Knobel
Seit der Einführung vor einem Jahr sind in der Schweiz rund 2000 Tests verkauft worden. Im Kantonsspital Luzern wurden bisher über 40 Bluttests durchgeführt - das entspricht rund fünf Prozent der Schwangeren. (Bild: Archiv Edi Wismer / Neue LZ)

Seit der Einführung vor einem Jahr sind in der Schweiz rund 2000 Tests verkauft worden. Im Kantonsspital Luzern wurden bisher über 40 Bluttests durchgeführt - das entspricht rund fünf Prozent der Schwangeren. (Bild: Archiv Edi Wismer / Neue LZ)

Die Aufregung war gross, als im August 2012 in der Schweiz die ersten «Präna-Tests» durchgeführt wurden. Mit diesem neuen Verfahren können schwangere Frauen abklären, ob ihr ungeborenes Kind an einem Down-Syndrom (Trisomie 21) leidet. Der Test ist äusserst zuverlässig, und dafür benötigt wird lediglich eine Blutprobe der Mutter. Das ist ein grosser Vorteil gegenüber herkömmlichen Methoden wie dem Fruchtwasseruntersuch, der nicht ganz ungefährlich ist. Genau die Tatsache, dass der Test so einfach ist, weckte Befürchtungen. Vor allem Behindertenorganisationen warnten, dass künftig noch mehr Frauen abtreiben würden. Bereits heute werden neun von zehn Kindern mit Trisomie 21 abgetrieben.

Bisher 40 Tests im Kantonsspital

Seit der Einführung der neuen Methode sind in der Schweiz rund 2000 Tests verkauft worden – jeder kostet rund 1200 Franken und muss von der Frau selber bezahlt werden. Im Kantonsspital Luzern wurden bisher schon über 40 Bluttests durchgeführt – das entspricht rund 5 Prozent der Schwangeren.

«Nur bei konkretem Verdacht»

Markus Hodel, Co-Chefarzt an der Neuen Frauenklinik des Kantonsspitals, betont, dass der Test nur bei Frauen durchgeführt werde, «bei denen ein konkreter Verdacht besteht». Und bei 5 bis 10 Prozent dieser getesteten Frauen habe sich der Verdacht danach bestätigt. Wie viele von ihnen danach abgetrieben haben, kann Hodel nicht sagen: «Auch wenn der Test bei uns durchgeführt wird, fällt die Entscheidung zu einem Abbruch unter Umständen beim eigenen Gynäkologen in der Praxis.»

Aufhorchen lässt dabei, dass gemäss Hodel die Mehrheit dieser Frauen erst nach der 12-Wochen-Frist abtreiben. Gemäss der Fristenregelung liegt der Entscheid für eine Abtreibung in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen bei der Frau. Nachher ist eine Abtreibung nur noch erlaubt, wenn der Arzt glaubhaft machen kann, dass die seelische oder körperliche Gesundheit der Frau sonst Schaden nehmen würde. Offensichtlich argumentieren die Ärzte jeweils mit der psychischen Integrität der Frau, um eine Abtreibung eines Trisomie-Babys zu rechtfertigen.

«Fundierte Beratung nötig»

Bei der Behindertenorganisation Insieme verfolgt man die Entwicklung kritisch. Sprecherin Beatrice Zenzünen sagt: «Es braucht Stimmen, die auf die Konsequenzen hinweisen, die ein unreflektierter Umgang mit vorgeburtlichen Tests haben können. Die Ärzte stehen dabei besonders in der Pflicht. Gerade weil der Test einfach und ohne gesundheitliche Risiken durchgeführt werden kann, seien eine fundierte, frei zugängliche Information und eine Beratung, welche auf die individuelle Situation der Frau eingeht, nötig. Letztlich sei aber auch die Vorstellung trügerisch, mit immer besseren Tests könnten gesunde Kinder garantiert werden. Eine sorgfältige Aufklärung wünscht sich auch Nikola Biller-Andorno, Leiterin des Ethik-Zentrums an der Universität Zürich. Sie sagt aber auch: «Sich für Behinderte einzusetzen, bedeutet vor allem, ihren Bedürfnissen gerecht zu werden, und nicht Tests zu verbieten.»

Markus Hodel sagt, dass das Kantonsspital alle Schwangeren in einem Beratungsgespräch unter anderem über die Möglichkeit des neuen Bluttests informiere. «Wir erklären ihnen dabei, dass dieser Test bei einer Hochrisikogruppe erprobt und sinnvoll ist.» Bei allen anderen Schwangeren sehe man hingegen von einer Empfehlung ab.

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