LUZERN: Jobhürden so hoch wie nie

Das Interesse am Polizeiberuf ist ungebrochen hoch. Das Auswahlverfahren ist aber zunehmend härter geworden. Häufiger Knackpunkt: Deutschkenntnisse.

Alexander von Däniken
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Sie haben alle Hürden gemeistert: neue Luzerner Polizisten an der Vereidigung in Beromünster im September 2015. (Bild Pius Amrein)

Sie haben alle Hürden gemeistert: neue Luzerner Polizisten an der Vereidigung in Beromünster im September 2015. (Bild Pius Amrein)

Die Anmeldefrist der Bewerbungen für eine Ausbildung bei der Luzerner Polizei lief am Samstag ab. Weil der Poststempel ausschlaggebend ist, können die letzten Bewerbungen auch noch morgen oder übermorgen eintreffen. Doch schon jetzt ist klar: Das Korps wird auch dieses Mal 22 bis 30 geeignete Anwärter in die Interkantonale Polizeischule Hitzkirch schicken können. Über 500 Interessierte haben am 12. Januar die Infoveranstaltung im Verkehrshaus besucht, darunter auch deren Partner und Kolleginnen, wie Franz Baumeler, Rekrutierungsverantwortlicher der Luzerner Polizei, auf Anfrage erzählt. Erfahrungsgemäss werden auch dieses Mal etwa 160 junge Frauen und Männer eine Bewerbung einreichen. Das entspricht dem Durchschnitt der letzten Jahre, ebenso der Frauenanteil von 25 bis 35 Prozent.

Autoritätsschwund und Finanznot

Das ungebrochene Interesse erstaunt, aus unterschiedlichen Gründen. Zwei Wochen vor besagtem Infoanlass hat die Polizei in Köln an Silvester einen überforderten Eindruck hinterlassen, als es zu Hunderten sexuellen Übergriffen kam, mehrheitlich begangen von Migranten. Diese bereiten der Polizei hierzulande indes andere Probleme. Kripochef Daniel Bussmann sagte vor den Medien im März 2012 über nordafrikanische Delinquenten: «Einige spucken, andere drohen oder setzen Gewalt ein.» Es sei eine sehr renitente Klientel. «Das geht auf keine Kuhhaut. Ich habe manchmal Mitleid mit unseren Polizisten.»

Nebst der Autorität schwinden auch die finanziellen Ressourcen. Der dringend benötigte Ausbau des Korps mit seinen derzeit rund 840 Mitgliedern (inklusive ziviler Mitarbeiter) findet wegen der angespannten Kantonsfinanzen nicht im vollen Umfang und nur tranchenweise statt.

Nicht gerade attraktivitätsfördernd war auch die mittlerweile bewältigte Polizeikrise im Sommer 2013. Tatsächlich stellte Franz Baumeler in der darauffolgenden Bewerbungsphase einen Dossierrückgang um rund einen Viertel fest. «Ob es mit der Polizeikrise einen Zusammenhang gab, können wir aber nicht bestätigen», sagt Baumeler. Schliesslich können jene, die sich nicht beworben haben, nicht befragt werden, und die letzte Bevölkerungsumfrage fiel für die Luzerner Polizei sehr positiv aus.

Wichtig: Reife der Kandidaten

Klar ist laut Baumeler, dass die Luzerner Polizei im Auswahlverfahren «einen besonderen Fokus auf die psychische Stabilität der Kandidaten» legt. So komme es vor, dass man einzelnen Kandidaten eine erneute Bewerbung in ein paar Jahren vorschlage, wenn Zweifel an der Reife bestehen. Das sei nicht am Alter festzumachen: Es gebe 23-jährige, gefestigte Bewerber, aber auch eher unreife 30-Jährige. Ebenso unterschiedlich sind die Gründe für den Nachholbedarf an mentaler Stärke: Laut Baumeler können familiäre Verhältnisse genauso eine Rolle spielen wie schlimme Ereignisse oder auch Schwierigkeiten im bisherigen Berufsleben. Die mentale Stärke werde im Polizeiberuf immer wieder gefordert, sagt Baumeler. «Wir können zum Beispiel keine Leute brauchen, die mit Demonstranten und extremistischen Gruppen sympathisieren.»

Falsch parken geht, rasen nicht

Einzelne schwache Momente können schon einmal zu Gesetzeskonflikten führen – und damit den «einwandfreien Leumund» beeinträchtigen, den die Polizei bei ihrem potenziellen Nachwuchs voraussetzt (siehe Box). Doch wie weiss muss die Weste tatsächlich sein? Ordnungsbussen wegen Falschparkierens oder geringe Geschwindigkeitsübertretungen sind kein Problem, verrät Baumeler. Schwieriger wird es, wenn ein Kandidat einmal beim Konsumieren von Drogen erwischt wurde. Dann entscheide die Polizei im Einzelfall, ob die Bewerbung weiter eine Chance hat.

Kein Pardon gibt es, wenn ein Kandidat den Führerausweis für mehr als drei Monate abgeben musste und nach Gesetz als Raser gilt. «Solche Leute sind bei uns am falschen Ort.»

Deutschkurs auf eigene Kosten

Zu den psychischen Hürden kommen auch schulische. Besonders Deutsch wird im Polizeiberuf immer wichtiger, wie Franz Baumeler erklärt. Ein Grund: Seit der 2012 revidierten Strafprozessordnung müssen die Polizisten ihre Berichte so verfassen, dass sie auch vor Gericht standhalten. «Da wird schon sehr viel verlangt», hält Baumeler fest. Auf der anderen Seite bekundet die Polizei seit rund zehn Jahren Mühe, überhaupt Anwärter mit genügenden Deutschkenntnissen zu finden.

Bewährt habe sich deshalb ein Deutschkurs, in den man jene Kandidaten auf eigene Kosten schicke, die in anderen Bereichen reüssierten. Baumeler: «In den letzten neun Schuljahrgängen haben alle Luzerner Polizeianwärter die Ausbildung an der Polizeischule Hitzkirch erfolgreich abgeschlossen.» Seit sechs Jahren muss der potenzielle Nachwuchs zu Beginn des Bewerbungsverfahrens einen Online-Test absolvieren, mit dem in 45 Minuten auch die Grammatikkenntnisse geprüft werden. «Beim späteren Haupttest wird dieses Wissen nochmals abgefragt. In einzelnen Fällen kam aus, dass die betreffende Person im Online-Test zu Hause Hilfe in Anspruch nahm.» Kurse werden auch von jenen Bewerbern verlangt, deren Computerkenntnisse inklusive Zehnfingersystem ungenügend sind.

Viele Interessen – grosses Angebot

Dass der Polizeiberuf trotz der hohen Anforderungen noch immer attraktiv ist, hat zumindest bei der Luzerner Polizei mit den vielen Möglichkeiten zu tun, die sich laut Baumeler nach der Grundausbildung eröffnen: «Einige Bewerber wollen zur Sicherheitspolizei, andere zu einer Sondereinheit, wieder andere zur Kriminalpolizei. Hier bieten wir ein breites Spektrum.» Oft werden als Motivationsgrund auch der regelmässige Kontakt mit Menschen und die Abwechslung im Beruf genannt.

Alexander von Däniken

Hinweis

Die Frist für Bewerbungen zur Polizeischule 2017 kann um einige Tage verlängert werden. Dies nach Rücksprache mit dem Verantwortlichen der Luzerner Polizei (Tel. 041 248 81 74).

Das müssen Polizisten können

Rekrutierung avd. Die Aufnahmekriterien bei der Luzerner Polizei sind hoch – das beginnt schon vor der Bewerbung. Verlangt werden: abgeschlossene Berufslehre oder gleichwertige Ausbildung, einwandfreier Leumund, Schweizer Bürgerrecht, Informatik-Anwenderkenntnisse und Führerausweis Kategorie B. Die Bewerber müssen mindestens 1,60 Meter gross, zwischen 22- und 35-jährig sowie physisch und psychisch belastbar sein.

Monatelanger Auswahlprozess
Parallel zum Bewerbungsdossier müssen Interessenten auch einen Online-Test absolvieren. Danach beginnt der eigentliche Auswahlprozess, der fünf bis sechs Monate dauert.
In einer ersten Phase werden die Bewerber zu einem ganztägigen Test eingeladen. Hier prüft die Polizei zum Beispiel die soziale Kompetenz, überprüft vertieft die Deutsch- und EDV-Kenntnisse. Beim Sporttest muss unter anderem ein 3000-Meter-Lauf absolviert werden (Limite Männer bei 15:30 Minuten, bei Frauen 16:30 Minuten).
Bis zur zweiten Phase müssen die Bewerber auch den einwandfreien Strafregisterauszug eingereicht haben. Nun durchlaufen Bewerber ein Interview und eine Gruppenübung, wo nochmals die psychische Belastbarkeit im Vordergrund steht. Im zweiten Teil des halben Tages steht ein medizinischer Check auf dem Programm.

Ziel: Polizeischule Hitzkirch
Wird auch diese Hürde genommen, beginnt die kürzeste, aber auch wichtigste Phase: der Entscheid. Während einer Stunde führen die Kandidaten mit dem Kommandanten, dem Chef Personaldienst und drei weiteren Bewerbern ein Abschlussgespräch. Gibt es von allen Seiten grünes Licht, erfolgt die Anmeldung an der Interkantonalen Polizeischule Hitzkirch. Dies verbunden mit einer Ausbildungsvereinbarung mit der Luzerner Polizei, wobei sich die Anwärter zu drei Jahren verpflichten. Gleichzeitig wird ein Praktikumsvertrag abgeschlossen.