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LUZERN: Kanton anerkennt prähistorische Pfahlbauten als schützenswert – sieben Jahre später als Unesco

Seit 2011 sind drei prähistorische Pfahlbauten in Luzern Bestandteil des Unesco-Weltkulturerbes. Allerdings wurden sie erst vor kurzem auch unter kantonalen Denkmalschutz gestellt. Wieso erst jetzt?
Urs-Ueli Schorno
Kantonsarchäologe Jürg Manser mit dem Horn eines Auerochsen und weiteren Fundstücken, die in der Umgebung der Pfahlbauten bei Hitzkirch Seematt gefunden wurden. (Bild: Nadia Schärli (15. Februar 2018))

Kantonsarchäologe Jürg Manser mit dem Horn eines Auerochsen und weiteren Fundstücken, die in der Umgebung der Pfahlbauten bei Hitzkirch Seematt gefunden wurden. (Bild: Nadia Schärli (15. Februar 2018))

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

«Palafittes» heissen sie auf Französisch, die Pfahlbauten. Es ist auch der Begriff, unter dem die Unesco prähistorische Siedlungen im alpinen Raum auf ihrer Website vorstellt. Darunter fallen drei Fundstellen im Kanton Luzern: die Seematte am Baldeggersee in Hitzkirch, das Zellmoos in Sursee und die als «E3» bezeichnete Fundstelle in Egolzwil. Obwohl schon länger bekannt – Hitzkirch etwa seit 1938 –, sind sie erst Ende letzten Jahres unter kantonalen Denkmalschutz gestellt worden. Das ist umso erstaunlicher, weil ihnen das Label als Unesco-Weltkulturerbe schon 2011 zugesprochen wurde.

«Das hat tatsächlich etwas gedauert», gibt Kantonsarchäologe Jürg Manser unumwunden zu. «Doch diesen kleinen Schönheitsfehler konnten wir nun beheben.» Aber ging es dabei bloss um Kosmetik? Manser präzisiert: «Tatsächlich hat für die Fund­stellen kein Sicherheitsrisiko bestanden, sie sind ja im Fundstelleninventar aufgeführt.» Dieses stellt sicher, dass die Archäologie frühzeitig involviert wird und Massnahmen zum Schutz der betroffenen Fundstellen ergreifen kann (siehe auch Artikel vom 29. Dezember 2017). «Das Label ‹Weltkulturerbe› verpflichtet natürlich zusätzlich, auf das Erbe aufzu­passen», so Manser. Es ist etwa be­kannt, dass gerade am Baldeggersee der Zerfall der Pfahlbauten weit fortgeschritten ist. Damit leiden auch die Fundstücke wie Pflanzen, Textilien und Werk­zeuge, die das Feuchtgebiet immer wieder freigibt. Um das Unesco-Label zu behalten, dürfen die Reste der Siedlung nicht ausgegraben werden, sondern müssen als Zeitzeugen vor Ort erhalten bleiben. «Pfahlbauten sind aus Sicht der Archäologie besonders schützenswert, weil im feuchten Boden auch organisches Material aus vorgeschichtlicher Zeit erhalten bleibt», so Manser.

«Die nun erfolgte Aufnahme in das Denkmalschutz-Verzeichnis soll auch dazu dienen, politisch Einfluss zu nehmen – denn letztlich wird die Erhaltung des Unesco-Weltkulturerbes einiges kosten.» Zuerst will der Kantonsarchäologe etwa die bestehenden Pfahlbauten neu vermessen, um ihren Zerfall durch Erosion sichtbar zu machen – und damit auch den Handlungsbedarf zu klären. In einem zweiten Schritt folgt dann die Umsetzung von Schutzmassnahmen, wie sie in anderen Kantonen schon realisiert worden sind: «Das alles kostet Geld und ist auch eine technische Herausforderung.» (Siehe Kasten.)

Aufwendige Verhandlungen mit Grundeigentümern

Eine weitere Knacknuss, die der Denkmalschutz-Prozess mit sich bringt: die Verhandlungen mit den Grundeigentümern. «Für sie bedeutet es immer auch, dass sie eingeschränkt werden, wenn es darum geht, was auf ihrem Land gebaut und umgestaltet werden kann.» Hier legte der Luzerner Kan­tonsarchäologe Wert auf ge­genseitiges Einvernehmen. Aber es gibt Orte, wo die Verhandlungen aufwendiger sind – zum Beispiel in Sursee. Dort unterhält die Korporation ein Fischerhaus, das sie sanieren und fit für die Zukunft machen möchte, damit der Fischereibetrieb für eine weitere Generation gesichert werden kann.

Korporationspräsidentin Sabine Beck sagt, man habe viel Verständnis für die Anliegen des Denkmalschutzes. «Aber wir haben auch betriebliche Interessen.» Im Zuge der Vernehmlassung sei es darum gegangen, die Möglichkeit einer späteren Erweiterung abzuklären. Dass dies unter strengen Auflagen möglich sei, wäre der Korporation im Moment Antwort genug. «Wenn die Zeit reif ist, werden wir das Gespräch wieder suchen», so Beck. Dann wird es sicher auch darum gehen, wie die zusätzlichen Kosten gedeckt werden können.

Dass sich die Verhandlungen lohnen, davon ist der Kantonsarchäologe überzeugt. Er hofft, dass auch zukünftige Generationen von Zentralschweizern direkt vor ihrer Haustüre einen Spaziergang oder eine Velotour durch die Epochen machen können – «und dafür nicht extra nach Machu ­Picchu reisen müssen».

Hinweis
Fundstücke aus der Umgebung der Pfahlbauersiedlungen in Egolzwil, Sursee und Hitzkirch sind noch bis zum 29. April in der Ausstellung «Gesundheit! 7000 Jahre Heilkunst in Luzern» im Natur­museum Luzern zu sehen.

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