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LUZERN: Kanton spart bei der Lese-Förderung

Der Kanton bezahlt künftig keine Klassenlektüren mehr. Manche Gemeinden dürften jetzt wohl weniger Bücher ausleihen.
Yasmin Kunz
Eine Klasse, ein Buch: Oberstufenschüler in Rothenburg lesen zusammen «Der Junge im gestreiften Pyjama» von John Boyne. (Bild Manuela Jans-Koch)

Eine Klasse, ein Buch: Oberstufenschüler in Rothenburg lesen zusammen «Der Junge im gestreiften Pyjama» von John Boyne. (Bild Manuela Jans-Koch)

Yasmin Kunz

In der Kantonskasse klafft ein grosses Loch. Darum hat der Kanton im Rahmen des letztjährigen Sparpakets «Leistungen und Strukturen 2» auf Ende Jahr die Vereinbarung mit der Stiftung Biblio­media gekündigt. Diese leiht Bücher in Klassensätzen an die Volksschule aus. Beziehen Luzerner Lehrer weiter bei Bibliomedia Lesebücher für die ganze Klasse, müssen ab dem 1. Januar 2016 die betreffenden Gemeinden die Kosten tragen.

Lehrer nutzen Bibliomedia insbesondere für den Deutschunterricht. Wie beliebt die Ausleihe der in Solothurn beheimateten Stiftung Bibliomedia ist, zeigt ein Blick in die letztjährige Statistik: 1652 Mal bestellten Luzerner Lehrer eine Klassenlektüre – also dasselbe Buch für alle Schüler. Bibliomedia schickte 38 723 Bücher an Luzerner Schulen. Interessant: Die Idee zur Gründung einer «Zentrale für Klassenlektüre der deutschsprachigen Schweiz» hatte ursprünglich der Kanton Luzern (siehe Kasten).

Kanton spart 65 000 Franken

Bis dato hat der Kanton die Kosten für die Ausleihe vollumfänglich getragen. Will heissen: Der Kanton hat den Basisbetrag von 7 Rappen pro Einwohner bezahlt und die leistungsbezogenen Gebühren wie Auftragspauschale und Leihgebühr übernommen. Ein Beispiel: Bestellt ein Lehrer eine Klassenlektüre, kostet das für die Lieferung 15 Franken und für die Ausleihe pro Buch 1 Franken. Bei einer Klassengrösse von 20 Schülern beläuft sich der Betrag also auf 35 Franken. Jährlich kostet das den Kanton rund 92 000 Franken. Neu wird der Kanton nur noch den Basisbetrag von zirka 27 600 Franken zahlen. So spart er rund 65 000 Franken.

Die anderen Zentralschweizer Kantone, Schwyz, Ob-und Nidwalden, Uri und Zug, übernehmen weiterhin die gesamten Kosten. Im Kanton Zug betrugen die Kosten im Vorjahr für Bibliomedia beispielsweise 26 162 Franken. Der Kanton Schwyz zahlte im gleichen Zeitraum 36 570 Franken.

Peter Wille, Direktor der Stiftung Bibliomedia, zeigt einerseits Verständnis für die finanzielle Lage von Luzern, andererseits «bedaure ich, dass bei der Leseförderung der Schüler gespart wird. Die Volksschule ist eine wichtige Phase, um lesen zu lernen. Es ist falsch, wenn man da Abstriche macht, und für die engagierten Lehrer tut es mir leid, weil für sie der Aufwand grösser wird.» Auch Bibliomedia hat ab dem neuen Jahr mehr zu tun. Wille: «Schickten wir vorher eine Rechnung an den Kanton, müssen wir nun etwa 450 verschiedene Adressaten berücksichtigen.» Weiter befürchtet er, dass die Nutzung des Angebots zurückgehen wird. «Der Kanton Aargau hat von einigen Jahren die Finanzierung ebenfalls den Schulen übertragen, was zu einem Rückgang von 10 bis 20 Prozent geführt hat.»

Bei den Luzerner Schulen kommt die Sparmassnahme – die im Gegensatz zu anderen Sparposten des Kantons eher klein ist – nicht gut an. Annamarie Bürkli, Präsidentin des kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (LLV), sagt: «Gemeinden, die finanziell schwächer sind, werden eher zurückhaltend sein. Das führt wiederum zu Ungleichheit und diese trifft letztlich die Schüler.»

Auch in Rothenburg ist man nicht erfreut. «Schade, denn unsere Lehrer nutzen das Angebot von Bibliomedia viel und regelmässig», sagt Peter Kunz, Rektor in Rothenburg. So hat die Gemeinde im Vorjahr 45 Klassenlektüren, 1298 Bücher, bestellt. Kosten: Knapp 2000 Franken. Weiter betont er: «Das gemeinsame Lesen einer Klassenlektüre ist eine wichtige Stütze bei der Förderung der Lesekompetenz.» Die Gemeinde wir den Betrag im 2016 übernehmen. «Wir wollen, dass die Lehrer auch künftig mit ihren Schülern Klassenlektüren lesen», sagt Kunz.

Gemeinde Nottwil zurückhaltender

Die Schulen in Nottwil haben im vergangenen Jahr 49 Klassenlektüren für etwas mehr als 1700 Franken ausgeliehen. Für Erwin Peter, Schulleiter in Nottwil, ist klar: «Wir werden auch weiterhin Klassenlektüren bestellen, denn das Lesen ist für die Schüler immens wichtig, und sie machen das auch gerne.» Die Kosten für dieses freiwillige Angebot werden ab dem kommenden Jahr auf die Gemeinde fallen. Edith Schwander (CVP) ist als Nottwiler Gemeinderätin für die Ressorts Bildung und Kultur verantwortlich und sagt: «Wir erachten Lesen als Grundkompetenz für jegliches weitere Lernen. Das Angebot von Bibliomedia ist eine gute Ergänzung zur Schulbibliothek.» So wolle man auch künftig Bibliomedia für die Lehrer zur Verfügung stellen, «jedoch etwas zurückhaltender einsetzen». Der Betrag von 1700 Franken ist im Vergleich zu den Gesamtausgaben für den Bereich Bildung in der Gemeinde eher klein, «doch viele kleine Beiträge geben letztlich auch eine grosse Summe».

Auch der Kanton bedauerts

Gemäss Charles Vincent, Dienststellenleiter der Volksschulbildung, müssen künftig pro Klasse rund 30 Franken mehr budgetiert werden. Klar hätte man es begrüsst, wenn der Kanton die gesamten Kosten auch weiter getragen hätte, doch angesichts der finanziellen Lage sei das halt nicht möglich, so Vincent. «Es wurden in mehreren Bereichen Reduktionen des Leistungsbezugs beschlossen.» Auch für ihn ist Lesen eine wichtige Kulturtechnik, «und das Bücherlesen kann dabei eine gute Unterstützung sein». Doch Lesen könne auch mit anderen Angeboten gefördert werden, findet er. Bürkli vom LLV entgegnet dem: «Das Lesen von Klassenlektüren ist ein Erlebnis. Wenn alle Kinder das gleiche Buch lesen, entstehen angeregte Diskussionen, die auch für die Entwicklung der Kinder förderlich sein können.»

Kanton Luzern hatte die Idee

kuy. Auf Anregung des Kantons Luzern wurde 1982 die «Zentrale für Klassenlektüre der deutschsprachigen Schweiz» in Form einer Vereinbarung zwischen 10 Kantonen (LU, NW, OW, SZ, UR, ZG, SO, VS, AI, BL) gegründet. Die Idee dabei war, dass ein gemeinsames Angebot deutlich effizienter und kostengünstiger gestaltet werden kann. Später schlossen sich die Kantone Bern, Aargau, Basel-Stadt, Zürich und Thurgau an. Die beteiligten Kantone finanzieren die Einrichtung anteilsmässig, berechnet anhand der Schülerzahlen. Betreiberin wurde die Schweizerische Volksbibliothek (seit 2002 Bibliomedia Schweiz).

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