LUZERN: Kanton will Asylsuchende in Eigenregie unterbringen

Der Kanton Luzern organisiert das Asylwesen neu und vereinfacht die Unterbringung und Betreuung von Asylsuchenden. Ab 2016 will der Kanton die Aufgaben in Eigenregie übernehmen. Bisher waren dafür die Gemeinden und die Caritas zuständig.

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Ein Blick ins Asylzentrum Dagmersellen. (Bild: Philipp Schmidli)

Ein Blick ins Asylzentrum Dagmersellen. (Bild: Philipp Schmidli)

Der Kanton werde damit rascher und flexibler auf Veränderungen im Asylbereich reagieren können, teilte die Staatskanzlei am Mittwoch mit. Eine Folge des Wandels im Asylwesen seien grosse Schwankungen bei der Zahl und Herkunft der Asylsuchenden und bei der Schutzgewährungsquote.

Der Kanton will aus Effizienzgründen mittelfristig auf eine individuelle Unterbringung von Asylsuchenden in den Gemeinden verzichten. Stattdessen sollen diese in kantonalen Zentren betreut werden. Der Kanton will die Kapazität auf 400 bis 500 Plätze ausbauen.

Caritas-Mitarbeiter werden vom Kanton angestellt

Im Durchgangszentrum werden wie bisher alle ankommenden Asylsuchenden in den ersten zwei bis sechs Monaten untergebracht. Asylsuchende ohne definitiven Entscheid werden anschliessend in ein Aufenthaltszentrum verlegt. Asylsuchende mit wenig Betreuungsbedarf kommen in ein sogenanntes Minimalzentrum.

Die operative Führung des Asylwesens wird dem bisherigen Asyl- und Flüchtlingskoordinator Ruedi Fahrni in der kantonalen Dienststelle Soziales und Gesellschaft übertragen. Bisher war für die Betreuung der Asylsuchenden das Hilfswerk Caritas zuständig. Der Kanton will für die neue Asyl-Organisation bisherige Caritas-Mitarbeitende anstellen.

Die Luzerner Regierung rechnet damit, dass sich aufgrund der Neustrukturierung des Asylwesens auf Bundesebene die Zahl der Asylsuchenden in den Kantonen halbieren wird. Zudem verkürze sich die Verfahrensdauer auf maximal sieben Monate.

Reaktionen der Caritas

Dass der Kanton ab 1. Januar 2016 die Aufgaben im Asylwesen selbst übernehmen wird und deshalb der Caritas Luzern den Asylauftrag gekündigt hat, stellt das Hilfswerk vor eine grosse Herausforderung: Die Caritas Luzern werde nun einen bedeutenden Abbau der Organisation und des Personals vornehmen müssen, wie sie am Mittwoch mitteilt. Die Caritas Luzern hoffe, dass der Kanton Luzern seine soziale Verantwortung wahrnimmt und möglichst viele der betroffenen Mitarbeiter übernimmt.

Auch in Zukunft engagiere sich die Caritas Luzern für Menschen in Not und für deren Integration. Geschäftsleiter Thomas Thali: «Wir werden uns weiterhin für eine humane Betreuung der Asylsuchenden einsetzen, auch wenn wir keine direkte Verantwortung mehr haben werden für die Unterbringung und Betreuung der Asylsuchenden im Kanton Luzern.»

sda