Luzern
Kantonaler Führungsstab appelliert an die Bevölkerung, auf fasnächtliche Aktivitäten zu verzichten

Der Führungsstab des Kantons Luzern ruft das schweizweit geltende Versammlungs- und Veranstaltungsverbot in Erinnerung. Verstösse dagegen können zur Anzeige gebracht werden. Auch die obersten Fasnächtler fordern zum Verzicht auf.

Hugo Bischof und Roman Hodel
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Solche Szenen gibt es dieses Jahr nicht: die Rasselbandi Horw mit dem Sujet Drachenjäger am letztjährigen Fritschiumzug am Schmutzigen Donnerstag in der Stadt Luzern.

Solche Szenen gibt es dieses Jahr nicht: die Rasselbandi Horw mit dem Sujet Drachenjäger am letztjährigen Fritschiumzug am Schmutzigen Donnerstag in der Stadt Luzern.

Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 20. Februar 2020)

Die Zahl der Ansteckungen mit dem Covid-19-Virus sei im Kanton Luzern nach wie vor hoch und die Situation im Gesundheitswesen angespannt. Das teilte der Führungsstab des Kantons Luzern am Freitagmittag mit: «In der vergangenen Woche wurden zudem erstmals Ansteckungen mit der britischen Virusmutation nachgewiesen.» Deshalb sei es wichtig, sich an die geltenden Massnahmen zu halten: «Um die Ausbreitung des Virus und seiner Mutationen einzudämmen, hat der Bundesrat Veranstaltungen grundsätzlich verboten und private Treffen auf maximal fünf Personen beschränkt.» Diese Massnahmen gelten seit dem 18. Januar 2021.

«Deshalb ist im Februar 2021 keine eigentliche Fasnacht möglich», schreibt der Kantonale Führungsstab in seiner Medienmitteilung. «Die Bevölkerung ist aufgerufen, Ansteckungsrisiken weiterhin möglichst zu vermeiden. Die Bestimmungen zur Eindämmung der Pandemie sind einzuhalten.» Vinzenz Graf, Stabschef des Kantonalen Führungsstab, verdeutlicht auf Anfrage:

«Strassenfasnacht, Beizenfasnacht, Fasnachtsbälle, Konzerte und so weiter sind aufgrund dieser Einschränkungen nicht möglich.»

Die Luzerner Polizei werde während den Fasnachtstagen wiederum vermehrt im öffentlichen Raum präsent sein und das vom Bundesrat angeordnete Veranstaltungsverbot im Rahmen der Verhältnismässigkeit kontrollieren. «Personen, die gegen Covid-19-Massnahmen verstossen, können zur Anzeige gebracht werden.»

Tele 1 sorgt für Irritationen

Für einige Irritationen sorgte am Donnerstag eine Mitteilung von Tele 1. Demnach wird das Zentralschweizer Fernsehen im Rahmen eines Spezialprogramms unter dem Motto «Hauptsach Fasnacht!» am Schmutzigen Donnerstag ab 04.45 Uhr live aus Luzern und Stans berichten. «Wir wollen damit keinesfalls unnötig Leute anlocken», sagt Tele 1-Chefredaktor Matthias Oetterli auf Anfrage. Wie lange live gesendet werde, sei noch offen: «Je nachdem, werden es nur wenige Minuten sein. Es geht uns um die Symbolik. Wir wollen die Fasnacht würdigen.»

Danach wird Tele 1 Videobeiträge von Highlights vergangener Fasnachtsjahre ausstrahlen. «Wir wollen trotz Absage der diesjährigen Fasnacht unseren Zuschauerinnen und Zuschauern etwas fasnächtliche Stimmung bieten», sagt Oetterli. Ab 14 Uhr gibt es die Höhepunkte von den Liveübertragungen des Fritschi-Umzugs der letzten zehn Jahre.

Der Kantonale Führungsstab bittet in diesem Zusammenhang Gemeinden, die Kenntnis von geplanten Fasnachtsaktivitäten haben, direkt auf die Veranstalter und Vermieter zuzugehen und sie auf die Bestimmungen des Bundes hinzuweisen.

Schutzmaskenpflicht im öffentlichen Raum

An Sonn-, Feier- und Ferientagen könne es in belebten Fussgängerbereichen von Zentren und Dorfkernen, etwa auf Promenaden und Spazierwegen, eng werden, schreibt der Führungsstab weiter. In diesem Fall sei die Maskenpflicht auch im öffentlichen Raum (Strassen, Trottoirs, Parks und Spielplätze) unbedingt zu beachten:

«Überall, wo es so viele Personen hat, dass ein Abstand von 1,5 Metern zu anderen Personen nicht eingehalten werden kann, muss eine Schutzmaske getragen werden. Dies gilt auch für zufällige Treffen von Freunden und Bekannten im öffentlichen Raum.»

«Eine dritte Welle ist unbedingt zu verhindern, das hat aus gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Sicht Priorität», betont Vinzenz Graf. Detaillierte Ausführungen zur Lage in den Luzerner Spitälern hat der Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf in der Januarsession des Kantonsrates gemacht. Die wichtigsten Informationen aus seiner Rede sind jetzt als Kurzvideo verfügbar:

Video: Kanton Luzern

Zünfte haben alle Anlässe abgesagt

Die Zünfte und Gesellschaften in der Stadt Luzern haben alle Umzüge, Tagwachen und so weiter bereits vor einiger Zeit abgesagt. Dennoch stellt sich die Frage, ob nicht auch sie offensiver kommunizieren müssten, dass die Fasnacht dieses Jahr definitiv nicht stattfindet. Daniel Medici, Zunftmeister und Fritschivater der Safran-Zunft, sagt dazu auf Anfrage:

«Es ist nicht unsere Aufgabe, der Bevölkerung Anweisungen zu geben. Aber für uns ist klar: 2021 wird es von unserer Seite keine fasnächtlichen Anlässe geben.»

Till Rigert, Sprecher der Luzerner Wey-Zunft, betont:

«Die klaren Signale, was erlaubt ist und was nicht, müssen von Stadt und Kanton Luzern sowie vom Bund kommen. Wir werden nichts tun, was den Corona-Schutzmassnahmen widerspricht.»

Alle Anlässe der Wey-Zunft sind abgesagt. Die Fasnachtszeitung Knallfrosch wird zwar produziert und wie gewohnt an die Haushalte in der Stadt und Agglomeration Luzern verteilt. Der übliche öffentliche Anlass zur Knallfrosch-Niederkunft findet dieses Jahr aber nicht statt. Rigert: «Wir werden ein kleines Video machen, das online einsehbar sein wird.»

Eine kleine fasnächtliche Hintertür lassen aber sowohl Safran-Zunftmeister Medici und Weyzunft-Sprecher Rigert offen. Rigert sagt:

«Wir schliessen nicht aus, dass es kleine Mini-Aktivitäten geben wird, aber streng coronakonform.»

Auch Medici spricht von möglichen «kleinen Überraschungen, Sympathiekundgebungen». Er selber wird sich an der Fasnacht kaum blicken lassen: «Ich werde wohl Skifahren gehen oder mich sonst irgendwie ablenken.»

Keine Fasnachtsanlässe in Hotels und Restaurants

Zurzeit werden diverse Hotels und Restaurants von Fasnachtsgruppierungen und Guuggenmusigen kontaktiert. «Diese planen offenbar, allen Umständen zum Trotz, eine Art Fasnacht zu feiern. Dafür suchen sie Gastronomiebetriebe, die ihre Hotelzimmer zur Verfügung stellen und Take-away im grösseren Stil anbieten.» Das teilten die beiden Verbände Luzern Hotels und GastroRegion Luzern am Freitagnachmittag mit. Sie fordern ihre Mitglieder auf, alle diese Angebote abzulehnen.

«Menschenansammlungen von mehr als 5 Personen im und vor dem Lokal können nämlich schnell zu rechtlichen Problemen führen», so die beiden Verbände, «zudem hat die Polizei klar kommuniziert, dass rigorose Kontrollen durchgeführt und Sanktionen verhängt werden». Die ganze Gesellschaft müsse jetzt zusammenstehen und die Coronamassnahmen umsetzen: «Das betrifft auch die Hotellerie und Gastronomie. Wir riskieren nämlich als Branche den Goodwill – den wir uns in den letzten Wochen mit viel Mühe erarbeitet haben.»

Fasnachtskomitee: Leute sollen nicht unnötig in die Luzerner Altstadt gehen

Auch das Lozärner Fasnachtskomitee (LFK) hat alle seine Anlässe abgesagt. «Wir organisieren gar nichts», sagt LFK-Sprecher Peti Federer. «Und wir raten allen Leuten, sich an die Corona-Schutzmassnahmen zu halten und nicht unnötig in die Luzerner Altstadt zu gehen.» Gleichzeitig betont Federer:

«Es besteht eine gewisse Angst, dass trotzdem etwas passiert, was unter unserem Radar ist und von dem wir nichts wissen.»

Das LFK hat den üblichen Countdown auf seiner Website subtil abgeändert: «Noch 390 Tage bis zum Urknall», heisst es dort jetzt – also Fasnacht erst 2022. Einzig den Absatz der Fasnachtsplakette 2021, deren Erlös einem guten Zweck zugutekommt, fördert das LFK weiterhin.

Auch Vereinigte verzichten auf fasnächtliches Treiben

Bei den Vereinigten, dem grössten Zusammenschluss von Guuggenmusigen und Fasnachtsgruppen der Zentralschweiz, hat sich nichts geändert seit dem «Commitment» im letzten November, wie Präsident Robert Marty sagt: «Unsere Mitglieder werden dieses Jahr auf fasnächtliches Treiben verzichten, und wir führen auch kein Monstercorso oder andere Aktivitäten durch.» Dass einzelne Fasnächtler etwa am Schmudo dennoch in die Stadt gehen könnten, sei letztlich nicht Sache der Vereinigten. Marty sagt dazu nur:

«Die BAG-Regeln sind bekannt, kompromisslos und zum heutigen Zeitpunkt nicht verhandelbar.»

Auch die Bahnhofstrasse wird an der Fasnacht leer sein

Ebenfalls leer sein wird am Schmutzigen Donnerstag die Bahnhofstrasse in Luzern: keine Wagen, kein Sound, nichts. Davon überzeugt ist jedenfalls Markus Walther, Vizepräsident der IG Bahnhofstrasse. Er sagt: «Keines unserer 50 Mitglieder – darunter sieben Guuggenmusigen – wird hier auftauchen und sich einrichten.» Das habe man bereits an der GV im vergangenen Herbst gemeinsam und einstimmig beschlossen. Abgesehen davon werde die Stadt auch keine Infrastruktur bereitstellen. «Trotzdem werden wir am Schmudo nachsehen», sagt Walther.

«Wer sich nicht daranhalten wird, fliegt aus der IG.»

Sie seien diesbezüglich nie zimperlich. «Erst letztes Jahr haben wir eine Gruppe ausgeschlossen, weil sie gegen die Regeln verstossen hat, wonach die Musik leiser zu drehen ist, wenn eine Guuggenmusig vorbeimarschiert.»

Und wenn nun die Bahnhofstrasse einfach von Einzelmasken und -fasnächtlern bevölkert wird? «Wir können rechtlich gar niemanden wegschicken», sagt Walther. Als IG können sie im Vorfeld den Leuten höchstens ins Gewissen reden: «Es wird nichts los sein von unserer Seite, also lohnt es sich auch nicht vorbeizukommen.»