LUZERN: Kantonsrat setzt auf Tiefengeothermie

Im Kanton Luzern soll die tief unter der Oberfläche vorhandene Wärme zur Energiegewinnung genutzt werden. Der Kantonsrat hat am Montag die rechtlichen Grundlagen dazu geschaffen.

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Blick ins Luzerner Kantonsparlament. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Blick ins Luzerner Kantonsparlament. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Bereits rege genutzt wird im Kanton Luzern die oberflächennahe Erdwärme. Rund 5000 Wärmepumpen erzeugen in Häusern die Heizwärme mit Erdwärme. Tiefengeothermische Nutzungen hingegen sind in der Schweiz noch wenig erprobt.

Bei dieser Nutzung von Erdwärme wird 40 bis 150 Grad warmes Wasser aus 400 bis 5000 Metern Tiefe an die Erdoberfläche gepumpt und zu Heizzwecken und zur Stromerzeugung genutzt. Die Kosten sind hoch: Eine Bohrung kostet zwischen 25 und 30 Millionen Franken.

Das Gesetz über die Gewinnung von Bodenschätzen und die Nutzung des Untergrundes ersetzt das Bergregalgesetz von 1918. Es wurde nach erster Lesung ohne Gegenstimme gutgeheissen, wobei sich die SVP der Stimme enthielt.

Keine Euphorie

Das neue Gesetz definiert die Rahmenbedingungen und koordiniert das Verfahren bei der Nutzung des Untergrunds. Für Probebohrungen braucht es eine Bewilligung, für die Nutzung des Untergrunds eine Konzession.

Im Grundsatz herrschte im Parlament Einigkeit darüber, dass die Tiefengeothermie eine saubere und sichere Energiegewinnung unabhängig von der Witterung rund um die Uhr ermögliche. Es gab aber auch Stimmen, die vor übertriebenen Erwartungen warnten.

Alain Greter (Grüne) sagte, das theoretische Potential der Tiefengeothermie sei zwar gross, doch die Erfahrung in diesem Bereich sei noch klein. Leo Brücker (GLP) sagte, es dürfte nicht einseitig auf die Geothermie gesetzt werden.

Bei einigen Details - etwa der Rolle des Kantons - gingen die Meinungen im Rat auseinander. Am Montag setzte sich bei den Beratungen aber durchgehend der Regierungsrat durch.

Kanton hat freie Hand

Zur Rolle des Kantons sagte Toni Graber (SVP), dieser solle sich bei Beteiligungen zurückhalten. Der Kanton dürfe sich nicht aus der Verantwortung stehlen, hielt Silvana Beeler (SP) dagegen. Sie erinnerte an die Debatten um die hohen Strompreise im Kanton und dessen Abhängigkeit von auswärtigen Energieunternehmen.

Die SP beantragte deshalb, dass der Kanton sich mit mindestens 51 Prozent an Tiefengeothermieprojekte beteiligt. Joseph Langenegger (FDP) lehnte dies ab. Es sei eine Illusion zu glauben, dass mit ein paar wenigen Geothermieanlagen im Kanton Luzern der Strompreis gesenkt werden könne, sagte er.

Das Parlament teilte Langeneggers Meinung. Es sprach sich damit für die Formulierung der Regierung aus, die eine Beteiligung des Kantons zwar nicht ausschliesst, aber auch nicht vorschreibt.

Ein weiterer Streitpunkt war die Konzessionsdauer. Die Vorschläge reichten von 30 bis 60 Jahre. Das Parlament konnte sich aber nicht zu einer Lösung durchringen und gab die Frist zur Behandlung an die vorberatende Kommission zurück.

sda