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LUZERN: Kantonsspital baut Sozialdienst um: Schlechtere Leistungen befürchtet

Das Luzerner Kantonsspital plant einen tiefgreifenden Umbau des Sozialdienstes. Sozialarbeiter befürchten schlechtere Leistungen für die Patienten.
Das Luzerner Kantonspital. Fotografiert am 22. Juli 2016, vom Maihof Kirchturm aus. (Neue LZ/Boris Bürgisser) Spital LUKS (Bild: Boris Bürgisser)

Das Luzerner Kantonspital. Fotografiert am 22. Juli 2016, vom Maihof Kirchturm aus. (Neue LZ/Boris Bürgisser) Spital LUKS (Bild: Boris Bürgisser)

Eine schlechte Nachricht für die Sozialarbeiter des Luzerner Kantonsspitals (Luks): Der seit zwanzig Jahren bestehende Sozialdienst wird grundlegend umgebaut. Sogenannte Case-Manager – eine neue Berufsgruppe mit pflegerischem Hintergrund (siehe Kasten) – übernehmen ab Mitte 2018 die Patientenbetreuung beim Spitalaustritt. Ein Teil der zwanzig Mitarbeiter erhält deshalb voraussichtlich ab Mitte des nächsten Jahres einen neuen Arbeitsvertrag, in dem ihre Aufgaben neu definiert sind. «Wie die konkrete Arbeitsteilung künftig aussehen wird, kann man aber erst nach der Pilotphase sagen», erklärt die Medienbeauftragte des Luks, Bettina Wildi. Dass es zu einem befürchteten Stellenabbau kommt, verneint sie. Allen Mitarbeitern werde eine Weiterbeschäftigung angeboten.

Mit dieser Umstrukturierung reagiert man laut Wildi auf ein verändertes Umfeld: auf die kürzere Spitalaufenthaltsdauer, die Verbesserung der integrierten Versorgung, höhere Patientenzahlen sowie gesellschaftliche Entwicklungen. «Bewegt sich das Umfeld, muss sich das Spital mitbewegen», sagt sie. So steige der Bedarf nach einer frühzeitigen und durchgehenden Beratung der Patienten im Hinblick auf den Spitalaustritt. Heute würden von der Austrittsberatung pro Jahr über 6500 Patienten betreut, künftig seien das mehr. Es zeige sich auch, dass in den meisten Fällen medizinische und pflegerische Aspekte im Vordergrund stünden. Case-Manager würden sich deshalb mit ihrem pflegerischen Hintergrund für diese Fälle besser eignen. So kümmerten sie sich etwa um Anschlusslösungen für die Patienten – sei es das Aufgebot der Spitex oder den Aufenthalt in einem Heim. Der Case-Manager halte also quasi die Fäden zusammen. Für komplexe soziale Situationen und auch für die Bereiche Kinder- und Erwachsenenschutz blieben indes weiterhin die Sozialarbeitenden zuständig.

Ob Sozialarbeiter die notwendigen Kompetenzen für einen möglichen Rollenwechsel mitbringen und wie man sie dazu befähigen kann, wird laut Bettina Wildi individuell geprüft. Der Rollenwechsel bedeutet für die Sozialarbeiter gemäss kantonalem Besoldungssystem auch eine Lohneinbusse. Allerdings hat das Luks eine Besitzstandswahrung des Lohnes für alle Beteiligten bis Ende 2019 garantiert.

«Gefahr eines Drehtüren-Effektes»

Wenig begeistert über diese Entwicklung, die auch an anderen Spitälern stattfindet, sind aus fachlichen Gründen der Berufsverband der Sozialen Arbeit, Avenir Social, der Schweizerische Fachverband Soziale Arbeit im Gesundheitswesen, Sages, und die Gewerkschaft VPOD. «Aus unserer Sicht ist die Verlagerung der sozialarbeiterischen Aufgaben zu pflegerischen Tätigkeiten ökonomisch gesteuert», sagt Stéphane Beuchat von Avenir Social. Die Spitäler stehen wirtschaftlich unter Druck, nicht nur durch die vor ein paar Jahren diagnose­bezogenen Fallpauschalen, sondern auch durch die Tarifsenkungen für medizinische Leistungen seit vergangenem Jahr und den steigenden Personalkosten. 2016 hat sich der Gewinn des Luks halbiert.

Die Verbände haben deshalb bei der Geschäftsleitung des ­Spitals interveniert. «Auf dem Papier wurden unsere Anliegen aufgenommen. Ob sie umgesetzt werden, wissen wir jetzt natürlich noch nicht», sagt Stéphane Beuchat.

Die Verbände forderten ein nachhaltiges Austrittsmanagement. Laut Thomas Friedli von Sages sind Sozialarbeiter als «Spezialisten für Case-Management» ideal, Patienten in komplexen Lebenslagen optimal auf den Austritt und die folgenden Schritte vorzubereiten. «Verzichtet ein Spital darauf, der Sozialen Arbeit im Austritts- und Case-Management eine zentrale Rolle zukommen zu lassen, besteht die Gefahr eines Drehtüren-Effektes», ist Stéphane Beuchat überzeugt. Das heisst, dass Patienten kurz nach Spitalaustritt wieder ­einen Rückfall haben und erneut hospitalisiert werden müssen. Wichtig sei den Verbänden, so Beuchat, dass klare Eintrittskriterien definiert würden, nach denen die Patienten entweder einem Sozialarbeiter oder einer Fachperson aus dem Pflegebereich für den gesamten Austrittsprozess zugewiesen werde.

Dem kantonalen Gesundheitsdepartement als Aufsichtsinstanz sind die Pläne des Kantonsspitals bekannt. Diese sind laut Hanspeter Vogler vom Gesundheitsdepartement nicht bewilligungspflichtig. «Für die Patientinnen und Patienten sehen wir darin einen Vorteil, weil noch spezifischer auf deren medizinische und soziale Bedürfnisse eingegangen werden kann.»

Stefan Müller

kanton@luzernerzeitung.ch

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