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LUZERN: Kapellbrücke-Brand: «Keine Zeit zu trauern»

Heute vor genau 20 Jahren ist die Luzerner Kapellbrücke abgebrannt. Der damalige Stadtpräsident Franz Kurzmeyer spricht über seine Bestürzung, über Vorwürfe und Bildkopien.
Interview Guido Felder
Hat den Brand der Brücke verschlafen: Der damalige Stadtpräsident Franz Kurzmeyer. (Bild: Nadia Schärli)

Hat den Brand der Brücke verschlafen: Der damalige Stadtpräsident Franz Kurzmeyer. (Bild: Nadia Schärli)

Franz Kurzmeyer, in der Brandnacht waren nicht Sie als damaliger Polizeidirektor und Stadtpräsident vor Ort, sondern der damalige Baudirektor. Warum?

Franz Kurzmeyer: Wegen der damaligen Drogenpolitik wurde ich oft angegriffen. Weil ich auch anonyme Anrufe erhielt, wurde mir zu Hause ein Nottelefon eingerichtet, auf dem mich nur die Polizei, die Feuerwehr, der Zivilschutz sowie meine Angehörigen erreichen konnten. Ich musste es aber jeweils entsprechend aktivieren – und just in jener Nacht hatte ich es vergessen. Die Polizei versuchte mich zu erreichen, aber ich habe nichts gehört. Ich schlief.

Wie haben Sie denn vom Brand der Brücke erfahren?

Kurzmeyer: Als ich am Morgen aufstand, dachte ich mir noch: Ha, das wird ein schöner Tag. Wir hatten Stadtratssitzung, aber fast keine Traktanden. Beim Rasieren hörte ich dann die Meldung im Radio. Ich traute meinen Ohren nicht, ich war schockiert, meine Frau kreidebleich.

Wie haben Sie die Krise angepackt?

Kurzmeyer: Ich bin sofort auf den Brandplatz geeilt. Dann war ja sowieso eine Stadtratssitzung einberufen. An dieser haben wir bewusst schnelle Entscheidungen getroffen, damit die Leute wussten, woran sie waren und es kein Durcheinander gab. So waren wir uns innert 30 Minuten einig, dass die Brücke wieder aufgebaut werden soll und die Bilder repariert oder rekonstruiert werden sollen. Wir haben auch sofort einen Kredit gesprochen und ein Spendenkonto eingerichtet. Wir hatten gar keine Zeit zu trauern.

Es gab auch Stimmen, welche die alte Brücke nicht wieder aufbauen wollten.

Kurzmeyer: Ja, es gab allerlei Vorschläge: eine Brücke aus Plexiglas, die Ruine als Mahnmal stehen lassen ... Per Zufall hatte ich nach unserer ersten Stadtratssitzung auf dem Rathaussteg einen Baufachmann getroffen. Er fragte uns, warum wir denn so traurig seien, die Brücke sei ja gar nicht so alt. Tatsächlich hatte sein Unternehmen in den Jahren 1968 und 1969 die Brücke praktisch komplett erneuert. Somit lagen die detaillierten Pläne der Brücke bereits vor. Mir fiel ein Stein vom Herzen.

Über die Brandursache gibt es immer noch viele Mutmassungen. Was, glauben Sie, war der Auslöser?

Kurzmeyer: Es gab die Version mit der Zigarette, die auf eine Bootsplane fiel, dann die Version mit der Brandstiftung. Bei der Stadt war rund zwei Jahre vor dem Brand eine entsprechende Drohung eingegangen. Soweit ich mich erinnere, ärgerte sich der anonyme Droher über die vom Regierungsrat beschlossene Temposenkung auf 80 km/h auf der Autobahn bei Emmen. Was wirklich die Ursache war, weiss ich nicht mit Sicherheit. Der damalige Feuerwehrkommandant hat mir aber einmal gesagt, dass die Brücke nicht einfach leicht brennen könne und es Brandbeschleuniger brauche.

Wie ernst hatte der Stadtrat diese Drohung genommen?

Kurzmeyer: Wir haben sie an einer Sitzung besprochen. Ich wollte wissen, wie es um die Bilder steht, ob es Fotografien davon gebe. Es stellte sich heraus, dass wir nur Schwarz-Weiss-Aufnahmen hatten, worauf die Bilder in einer heimlichen Aktion sofort nochmals fotografiert wurden. Der damalige Kulturbeauftragte Ulrich Hab­egger hatte dabei ein grosses Verdienst.

Kritik gab es damals an der Polizei und Feuerwehr, weil sie zu wenig schnell reagiert haben sollen. Was sagen Sie als ehemaliger Polizeidirektor zu diesem Vorwurf?

Kurzmeyer: Ich habe zuerst den Präsidenten der Geschäftsprüfungskommission des Grossen Stadtrats gebeten, diesem Vorwurf nachzugehen. Er kam zum Schluss: Der Vorwurf kann nicht stimmen. Weil die Kritik nicht verstummte, beschloss der Stadtrat, eine zweite Untersuchung einzuleiten, die der frühere Obergerichtspräsident Paul Kopp führte. Auch hier war das Ergebnis gleich.

Ebenfalls gibt es den Vorwurf, dass die Aufzeichnungen bei der Notrufnummer manipuliert worden seien. Stimmt das?

Kurzmeyer: Auf der Aufzeichnung der Polizei fehlte beim ersten Anruf einer Anwohnerin die Zeitangabe, weil das Laufwerk einen Defekt hatte. Der Anruf ihres Ehemannes, der sich kurz darauf ebenfalls meldete, ist aber auf einem andern Laufwerk richtig registriert. Die Untersuchungen ergaben: Es war keine Manipulation, wir hatten auch nie vor, etwas zu manipulieren.

Wie schätzen Sie die Bedeutung des Brandes für Luzern ein?

Kurzmeyer: Die Reaktionen waren unglaublich. Es kamen viele Briefe aus aller Welt, zum Teil mit Geld drin. Wir waren gerührt. Der damalige Tourismusdirektor Kurt H. Illi war ebenfalls tief betroffen. Ihm und dem damaligen Verkehrsverein gelang es, die Brandkatastrophe den Medien in aller Welt gut zu verkaufen. Das war für Luzern eine ausgezeichnete Werbung. Auch die Eröffnung des Neubaus am 14. April 1994 – also nicht einmal ein Jahr später – wollten die Touristiker mit einem grossen Drum und Dran medienwirksam feiern. Der Stadtrat hatte ursprünglich eine Feier nur für die Luzernerinnen und Luzerner vorgesehen.

Der Stadtrat hatte ein Spendenkonto eingerichtet. Wie viel kam da zusammen, und wie hat man das Geld eingesetzt?

Kurzmeyer: Wie viel es war, weiss ich nicht mehr. Fakt ist, dass der grösste Teil der Kosten durch die Versicherungen gedeckt war. Von den Spenden blieb sogar noch etwas übrig, das wir nach Mostar schickten, wo die historische Alte Brücke im Bosnienkrieg zerstört worden war.

Wie stehen Sie zur aktuellen Diskussion über die Bilder? Sollen die von privater Seite her finanzierten Kopien aufgehängt werden?

Kurzmeyer: Nach dem Brand hatte der Stadtrat entschieden, dass wir auf den beiden Holzbrücken Originale zeigen wollen und – wo die Bilder zerstört waren – Kopien hängen sollen. Anfänglich hängten wir Fotokopien der Bilder auf, die sich aber verfärbten. Nun liegen nicht einfach Fotokopien vor, sondern echt gemalte Kopien. Ich finde, dass man diese mal für etwa fünf Jahre montieren sollte – zumal es ja die Stadt praktisch nichts kostet.

Kritiker sagen aber, es handle sich um schlechte Kopien.

Kurzmeyer: Schon die Originale waren künstlerisch nicht von jener Qualität wie die Bilder auf der Spreuerbrücke. Zudem war ein Teil der Bilder schon bei einem Hochwasser 1741 zerstört und anschliessend nachgemalt worden. Auch wurden die Bilder mehrmals übermalt. Ich sehe kein Problem, die neuen Kopien aufzuhängen. Man müsste es allerdings deklarieren, dass es sich nicht um Originale handelt. Später könnte man immer noch weniger gut gelungene Bilder neu kopieren lassen. Ich begrüsse daher den Vorstoss der Jungen FDP. Kopien sind jedenfalls besser als die schwarzen Löcher.

Franz Kurzmeyer (FDP) war von 1984 bis 1996 Stadtpräsident von Luzern. Er leitete die meiste Zeit die Direktionen von Polizei, Vormundschaft, Gesundheit und Kultur. Kurzmeyer ist 78 Jahre alt und amtet als Präsident der Gemeinnützigen Gesellschaft der Stadt Luzern.

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