LUZERN: Kapellbrücke: Lichtspiel wirft Fragen auf

Die Inszenierung der Kapellbrücke löst viele Reaktionen aus – positive und negative. Am meisten bewegt die noch unklare Finanzierung.

Yasmin Kunz
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Grundidee des Siegerprojekts «Partikel Plan»: Nachts über die Kapellbrücke gehende Passanten lösen in ihrem Umfeld Lichtspiele aus. (Bild: Visualisierung PD)

Grundidee des Siegerprojekts «Partikel Plan»: Nachts über die Kapellbrücke gehende Passanten lösen in ihrem Umfeld Lichtspiele aus. (Bild: Visualisierung PD)

Das vor wenigen Tagen präsentierte Projekt einer künstlerischen Beleuchtung der Luzerner Kapellbrücke hat unter unseren Leserinnen und Lesern zahlreiche Reaktionen ausgelöst (siehe Kasten). Die meisten stehen dem Projekt kritisch gegenüber – vorwiegend aufgrund der hohen Kosten des siegreichen «Partikel Plan»-Projekts. Die Grundkosten für die Illumination kosten rund 1,4 Millionen Franken. Hinzu kommen 99 000 Franken jährliche Betriebskosten.

Der Vorsitzende der IG Kapellbrücke/Wasserturm, alt Stadtrat Ruedi Meier, sagte zur Finanzierung: «Es handelt sich um ein PPP-Projekt, wobei Private den grösseren Anteil zahlen als die öffentliche Hand.» (Ausgabe vom Samstag). Welche privaten Partner sich an den Kosten beteiligen und in welchem Ausmass, ist derzeit noch offen. Auch was schliesslich an öffentlichen Geldern fliessen wird, ist momentan noch unklar.

Schwierige Geldsuche

Marcel Perren, Luzerner Tourismusdirektor, sagt auf Anfrage unserer Zeitung zur Finanzierung: «Es wird schwierig, für einen Investitionsaufwand von rund 1,5 Millionen Franken aufzukommen.» Seitens Projektleitung bestehen gemäss Perren allerdings bereits Ideen für die Finanzierung: «Fundraising und Beiträge von Stiftungen könnten einen Teil dazu beitragen.» Die IG Kapellbrücke/Wasserturm werde sich demnächst mit der detaillierten Finanzierung beschäftigen, sagt dazu Patrick Hauser, Hotelier vom Hotel Schweizerhof Luzern und IG-Mitglied. Er kann sich vorstellen, selbst einen Teil der Kosten zu übernehmen: «In welcher Form, ist aber noch völlig offen.»

1993 hat es funktioniert

Dass eine Finanzierung durch mehrheitlich private Geldgeber funktionieren kann, zeigte sich 1993. Marcel Perren erklärt: «Die weltweite Anteilnahme damals nach dem Brand der Kapelbrücke war beeindruckend.» Viele private Geldgeber hätten sich an der Finanzierung der Restauration beteiligt, so Perren. Die Kapellbrücke sei eben ein emotionales Wahrzeichen und bedeute Einheimischen und auch ausländischen Gästen viel. Und weil die Kapellbrücke so beliebt sei, wünsche man sich, dass sie künftig auch abends und nachts besser zur Geltung komme.

Laut «Schweizerhof»-Hotelier Patrick Hauser haben schon mehrmals Touristen bemängelt, dass die Brücke abends schlecht sichtbar sei. Auch Tourismusdirektor Perren findet, dass das Luzerner Wahrzeichen mit dem Projekt «Partikel Plan» passend inszeniert wird. Zudem sagt er: «Die Wahrzeichen anderer Städte, wie beispielsweise der Eiffelturm in Paris, sind in der Nacht ebenfalls professionell beleuchtet.»

Spielerisch, aber zurückhaltend

Das holländische Team «Partikel Plan» setzte sich gegen acht Konkurrenten durch. Es überzeugte die Jury, «weil es eine spielerisch-frohe und zugleich zurückhaltende Inszenierung ist», sagte Jurymitglied Gabriela Christen, Direktorin der Hochschule Luzern Kunst/Design. Das Projekt sieht vor, dass über die Kapellbrücke gehende Passanten von Sensoren erfasst werden und ihre Bewegungen danach verschiedenste Lichtspiele auf dem Dach und dem Geländer der Brücke auslösen. Das Lichtspiel soll den Passanten über die Brücke folgen. Für die Umsetzung braucht es keine zusätzlichen grösseren Installationen auf der Brücke. Im besten Fall soll die Illumination im November 2015 starten.

Hinweis

Sämtliche Wettbewerbsprojekte des Ideenwettbewerbs für eine künstlerische Illumination der Kapellbrücke sind ab heute Dienstag bis 14. Oktober im Lichthof des kantonalen Regierungsgebäudes an der Bahnhofstrasse 15 in Luzern ausgestellt. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 7 bis 18 Uhr. An den Samstagen vom 27. September und 11. Oktober sind die Türen von 9 bis 12 Uhr geöffnet.

Was Leser zum Projekt sagen

Einige Leser haben sich zum geplanten Projekt von «Partikel Plan» in unserem Forum (www.luzernerzeitung.ch/forum) geäussert. Von allen eingegangenen Beiträgen sprechen sich rund drei Viertel gegen die Beleuchtung der Kapellbrücke aus. Anderen hingegen gefällt die geplante Beleuchtung der Kapellbrücke besonders gut. Nachfolgend einige kurze Auszüge.

Lichtspektakel unnötig

«Haben wir keine bessere Verwendung der dafür benötigten Gelder?» Robert Furrer, Sempach
«Luzern sollte dieses Geld besser in die Bildung und Jugend investieren.» Henriette Allenspach, Stans
«80 000 Franken für Parkbänke und öffentliche Toiletten wurden nicht gutgeheissen und nun will man für rund 1,4 Millionen Franken die Kapellbrücke beleuchten?»
D. Felber, Emmenbrücke
«Die Illumination der Kapellbrücke lockt nicht mehr Touristen an.»
Othmar Knüsel, Sursee
Auch Bernhard Jurt, Luzerner Strasseninspektor, äusserte sich in dem Forum. Dies ist seine persönliche Meinung: «Die Kapellbrücke könnte besser beleuchtet werden, aber dieses Lichtspektakel brauchen wir nicht.»

Projekt erhält auch Lob

«Schön und poetisch – ein grossartiger Vorschlag für die Aufwertung der Innenstadt.»
Peter Bucher, Sarnen
«Endlich wurde erkannt, dass im internationalen Vergleich der schönsten Städte in Luzern noch Nachholbedarf besteht. Die Leuchtenstadt wird damit ihrem Namen gerecht.»
Franz X. Lustenberger, Luzern

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