LUZERN: Kaum Chancen für einen ZHB-Neubau

Der Stadtrat befürwortet eine Initiative der Grünen zur Rettung Zentral- und Hochschulbibliothek (ZHB) in Luzern. Die Idee des Kantons für einen Abriss und Neubau hat laut Stadtregierung kaum Aussicht auf Erfolg.

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Der Stadtrat empfiehlt die Annahme der Initiative zur Rettung der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Der Stadtrat empfiehlt die Annahme der Initiative zur Rettung der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Wie erwartet empfiehlt die Luzerner Stadtregierung dem Parlament die «Initiative zur Rettung der ZHB Luzern» zur Annahme. Das Volksbegehren verlangt, dass ein Abbruch der Bibliothek planungsrechtlich im städtischen Bau- und Zonenreglement verunmöglicht wird.

Die ZHB sei Teil eines einmaligen städtebaulichen Ensembles und von hohem denkmalpflegerischen und architektonischen Wert, schreibt der Stadtrat in seiner am Donnerstag veröffentlichten Bericht ans Parlament. Er lehnt den vom Kanton geplanten Abriss und Zusammenzug von Bibliothek und Kantonsgericht in einem Neubau ab. Er spricht sich stattdessen für eine Sanierung der Bibliothek aus.

Bei Annahme der Initiative soll die Ortsplanung geändert werden. Für das betroffene Gebiet Vögeligärtli im Zentrum Luzerns soll eine strengere Ortsbildschutzzone gelten. Änderungen an Gebäuden wären nur noch aus statischen Gründen möglich, oder wenn die Umbaute für die historische Struktur des Quartiers keine Bedeutung hat.

Eine verschärfte Schutzzone biete planungsrechtlich den weitestgehenden Schutz, schreibt der Stadtrat. Seiner Meinung nach würde ein absolutes Abbruchverbot gegen die Eigentumsfreiheit verstossen.

Stadt schränkt Mitarbeit ein

Insgesamt schätzt der Stadtrat die Realisierungschancen für einen vom Kanton geplanten Neubau im Vögeligärtli als sehr gering ein, wie er in der Botschaft schreibt. Grund sind Widerstände aus der Stadt sowie aus der denkmalpflegerischer Warte.

Der Bund Schweizer Architekten (BSA) rief im November 2013 zum Boykott einer möglichen Projektausschreibung durch den Kanton auf. Dem Verband gehören schweizweit über 900 Mitglieder an.

Zudem will der Stadtarchitekt nicht als Fachexperte in einem möglichen Beurteilungsgremium Einsitz nehmen. Der Stadtrat lehnte einen Wunsch des Kantons ab, wie es in der Botschaft heisst. Die Stadt reduzierte seine Mitarbeit am Projekt auf ein Minimum.

Seit Jahren renovationsbedürftig

Die ZHB von 1951 ist seit Jahren renovationsbedürftig. Der Kantonsrat hatte 2012 ein 2010 von ihm selbst beschlossenes Sanierungsprojekt gestoppt. Er möchte das ZHB-Gebäude abreissen und durch einen gemeinsamen Neubau für das Kantonsgericht und die Bibliothek ersetzen.

Vor allem in der Stadt formierte sich Widerstand gegen die Neubaupläne. Ein Neubau mit Bibliothek und Gericht wäre bedeutend grösser als die heutige ZHB, sodass der Zonenplan angepasst werden müsste.

Für viele, auch für den Stadtrat, wäre ein solch grosser Bau beim Vögeligärtli aber eine städtebauliche Sünde. Fraglich ist zudem, ob die ZHB als bedeutender öffentlicher Profanbau der Spätmoderne überhaupt abgerissen werden darf. Das Verfahren zur Unterschutzstellung des Gebäudes wurde durch den Kanton sistiert.

Im Juni 2013 wies der Kantonsrat ein Sonderkredit von 4 Millionen Franken für die Planung eines Neubaus an die Regierung zurück. Die Mehrheit hofft auf ein günstigeres Projekt und auf eine Lösung mit der Stadt. Auch die Prüfung von Alternativstandorten wurde verlangt.

(sda)