Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUZERN: Kaum noch Anzeigen gegen Güselsünder

Immer seltener wird Haushaltsabfall entdeckt, der illegal in öffentlichen Abfallkörben entsorgt wurde. Das hat aber nicht zwingend mit einem verbesserten ökologischen Bewusstsein zu tun.
Lena Berger
Ein Mitarbeiter des Werkhof der Stadt Luzern durchsucht den Güsel, der illegal entsorgt wurde. Er sucht nach Spuren des Güselsünders. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 31. Januar 2013))

Ein Mitarbeiter des Werkhof der Stadt Luzern durchsucht den Güsel, der illegal entsorgt wurde. Er sucht nach Spuren des Güselsünders. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 31. Januar 2013))

Die Stadt Luzern hat im letzten Jahr auf öffentlichem Grund 1700 Tonnen Abfall eingesammelt. Das sind rund 4,6 Tonnen pro Tag. Das klingt nach sehr viel. Allerdings ist es so, dass sich diese Mengen – nachdem sie jahrelang massiv angestiegen sind – seit 2014 langsam einpendeln. So weit die gute Nachricht.

Wie aber steht es um den illegal entsorgten Abfall? Auch in diesem Bereich klingt im ersten Moment sehr positiv, was der städtische Abfallberater Othmar Fries zu vermelden hat. «Die Anzahl beanstandeter Gebinde hat in den letzten Jahren abgenommen. Es gibt Tage, an denen die Mitarbeiter keine einzige Beanstandung zu melden haben. Das war vor einiger Zeit noch undenkbar.» Damals waren regelmässig spezialisierte Mitarbeiter unterwegs, welche die Inhalte von öffentlichen Abfallkörben untersuchten. Alles, was nach Haushaltsabfall aussah, wurde be­schriftet, mitgenommen und im Werkhof untersucht. «An einem Morgen kamen gut und gerne 100 Plastiksäcklein zusammen», erzählt Fries.

Heute ist die Situation eine andere. Die Zahl der Strafanzeigen wegen illegaler Abfallentsorgung hat massiv abgenommen. Im Jahr 2008 wurden noch 107 Güselsünder angezeigt. Seit zwei Jahren war es kein Einziger mehr.

Wird einer erwischt, wird es richtig teuer

Man könnte also meinen, da habe in der Tat ein Umdenken stattgefunden. Dabei gilt es jedoch, zu bedenken, dass auch das Tiefbauamt in den letzten Jahren nicht von Sparmassnahmen verschont wurde. Unsere Zeitung weiss, dass die Durchführung von umfangreichen Kontrollen dadurch massiv abgenommen hat. Bereits Anfang 2013 wurde bekannt, dass zunehmend die Ressourcen für das Durchsuchen von illegal entsorgtem Abfall fehlen. Verbessert hat sich die Situation bei der Stadt seither nicht. Die sinkende Zahl der Strafanzeigen ist eine Folge davon.

Untätig bleibt man beim Strasseninspektorat allerdings nicht. «Wir setzen nach wie vor alles daran, im Rahmen unserer personellen Möglichkeiten gegen unzulässige Anfallentsorgung vorzugehen», versichert Othmar Fries. Dabei kommt den Mitarbeitern zugute, dass seit Anfang 2013 das Abfallreglement Real in Kraft ist. «Während wir früher für unsere Aufwendungen maximal 90 Franken in Rechnung stellen konnten, sieht das Reglement nun deutlich mehr Möglichkeiten vor», so Fries. Das heisst konkret: Wenn heute ein Abfallsünder erwischt wird, kann es richtig teuer werden. In jedem Fall wird ein Pauschalbetrag von 150 Franken fällig – zur Deckung des allgemeinen Kontrollaufwands. Das gilt beispielsweise, wenn Gebührensäcke ausserhalb der Abfuhrtage auf die Strasse gestellt werden. Wird Haushalts­abfall hingegen vorsätzlich in öffentlichen Abfallkörben entsorgt oder gar wild deponiert, wird ein zusätzlicher Betrag in der Höhe des entstandenen Mehraufwands fällig. Da läppert sich rasch ein kleines Vermögen zusammen, denn der Stundenansatz beträgt 100 Franken. Diese werden zusätzlich zur nicht entrichteten Kehrichtgebühr verlangt.

Im Vergleich dazu erscheinen die bis zu 300 Franken Busse, die im Falle einer Verurteilung zusätzlich fällig würden, fast vernachlässigbar. Dass das Strasseninspektorat heute fehlbare Entsorger direkt anschreiben und Gebühren verlangen kann, hat den administrativen Aufwand sicherlich reduziert. Trotzdem ist es bedauerlich, dass, Stand heute, weniger Kontrollen durchgeführt werden. Denn manchmal gelingt den Kontrolleuren bei ihren Ermittlungen ein regelrechter Coup. Zum Beispiel haben die Mitarbeiter des Strasseninspektorats im Jahr 2015 entscheidend dazu beigetragen, dass einem dreisten Dieb das Handwerk gelegt werden konnte. Damals wurde eine grössere Menge Briefe in einem unzulässigen Kehrichtsack gefunden und der Kriminalpolizei übergeben. Diese forschte nach und fand heraus, dass ein Pöstler etliche Briefe einfach verschwinden liess, die Bargeld, Spiellose oder Wertgutscheine enthalten hatten. Insgesamt lag der Deliktbetrag bei über 1000 Franken.

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

Druck

Druck

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.