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LUZERN: Kein Plan B zum Tiefbahnhof

Die Debatte um den Tiefbahnhof stösst Baudirektor Robert Küng sauer auf. Er spricht von einer heissen Phase für das Projekt – und sieht keine gangbaren Alternativen.
Interview Ismail Osman
«Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.» Robert Küng, Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektor. (Bild: Eveline Beerkicher / Neue LZ)

«Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.» Robert Küng, Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektor. (Bild: Eveline Beerkicher / Neue LZ)

Interview Ismail Osman

Der Bundesrat besteht darauf, dass der aktuelle Luzerner Richtplan nebst dem Tiefbahnhof eine weitere Variante beinhaltet (Ausgabe vom Mittwoch). Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektor Robert Küng, weshalb für ihn weiterhin nur ein Tiefbahnhof in Frage kommt – trotz neu aufkeimender Fragen.

Robert Küng, wie realistisch ist es, dass der Luzerner Tiefbahnhof ab 2030 gebaut wird?

Robert Küng: Ein Bau ab 2030 ist realistisch, eine Inbetriebnahme unrealistisch. Der Bund entscheidet voraussichtlich 2018. Erteilt er grünes Licht, so gehen wir von einer Planungsphase von rund 10 Jahren aus. Die Bauphase würde voraussichtlich weitere 15 Jahre beanspruchen.

Dann wären wir bereits im Jahr 2043. Das scheint heute noch in unvorstellbar weiter Ferne. Wohl auch deshalb betrachten manche Gegner den Tiefbahnhof als Traumprojekt, das eh nie kommt. Weshalb kommt er trotzdem?

Küng: Er kommt, weil er die beste Lösung ist. Unsere gesamte Verkehrsinfrastruktur ist davon abhängig. In Bevölkerungsumfragen ist der Verkehr regelmässig die grösste Sorge, und letztlich ist ein funktionierender Verkehr der wichtigste Standortfaktor unserer Region.

Die jüngsten Diskussionen haben diversen Gegnern des Projekts wieder Aufwind gegeben. Eine Gefahr?

Küng: Die aktuellen Diskussionen sind unnötig – das stört mich.

Inwiefern?

Küng: Wir befinden uns in einer heissen Phase im ganzen Prozess. Noch bis Ende Jahr bewertet der Bund die verschiedenen Module, darunter auch jenes, das unsere Pläne zum Durchgangsbahnhof beinhaltet.

Da kommen Grundsatzdiskussionen ungelegen?

Küng: Die aktuellen Diskussionen drehen sich um eine Formalie. Sie hindern uns daran, ein geeintes Bild der Zentralschweiz zu vermitteln.

Die Nichtigkeit, die Sie ansprechen, betrifft die Forderung des Bundesrates, dass eine zweite, oberirdische Ausbau­variante in den Richtplan miteinbezogen wird, damit dieser genehmigt wird.

Küng: Unser Richtplan ist genehmigt. Die Bemerkung des Bundesrats ist ein rein formaler Vorbehalt und keine «Strafaufgabe». Zudem ist nicht der Richtplan oder der Sachplan matchentscheidend, sondern der Fabi-Ausbauschritt 2030–2035. Und hier haben wir unsere Hausaufgaben absolut gemacht.

Von dieser oberirdischen Ausbauvariante, die ein zusätzliches Gleis entlang des Rotsees vorsieht, halten Sie also nicht viel?

Küng: Es handelt sich um eine strategische Option zur Freihaltung des Korridors. Das Nadelöhr Gütschtunnel würde bestehen bleiben, und die Kapazitäten im Bahnhof würden weiterhin fehlen.

Es bestehen noch zahlreiche weitere Varianten. Beispielsweise mit einem Bahnhof Nord bei Emmenbrücke.

Küng: Im Rahmen des Vorprojekts wurden rund 30 Varianten geprüft – unter anderem wurden bahntechnische Nutzen, die Realisierbarkeit, das wirtschaftliche Potenzial und das Kosten-Nutzen-Verhältnis bewertet. Was bei oberirdischen Varianten ausgeblendet wird, ist die Tatsache, dass man dafür Land braucht, dabei in die Landschaft eingreift und privates Eigentum tangiert. Das bedeutet Einsprachen, Verhandlungen oder sogar Enteignungen – wodurch zeitliche Verzögerungen und ein grosser Aufwand entstehen. Das alles ist beim Durchgangsbahnhof bei grösserem Nutzen weniger der Fall.

Angenommen – aus welchen Gründen auch immer –, der Tiefbahnhof kommt doch nicht: Welchen Plan B haben Sie? Gibt es überhaupt einen?

Küng: Seit zig Jahren sind unsere Verkehrspolitik und das Agglomerationsprogramm ganz auf den Durchgangsbahnhof ausgerichtet. Zur Über­brückung des langen Zeithorizonts sind diverse Zwischenausbauschritte geplant.

Einen Plan B gibt es also nicht.

Küng: Nein. Für mich stellt sich nicht die Frage, ob der Durchgangsbahnhof kommt, sondern wann.

Der Regierungsrat fasste den Auftrag, das Projekt vorzufinanzieren. Was ist der Stand der Dinge?

Küng: Derzeit werden beim Bund die juristischen Details und die Anforderungen an eine Vorfinanzierung geprüft. Die Chancen dafür stehen gut.

Steht man bezüglich der Vorfinanzierung mit anderen Zentralschweizer Kantonen in Verhandlungen?

Küng: Ja. Wir diskutieren dies in der Zentralschweizer Konferenz des öffentlichen Verkehrs. Zug zum Beispiel hat bereits einen Grundsatzentscheid für die Vorfinanzierung gefällt. Die anderen Kantone warten erst den Bescheid aus Bern ab.

Das Zentralschweizer Komitee für den Tiefbahnhof begleitet das Projekt. Um das Komitee ist es in jüngster Vergangenheit eher ruhig geworden. Spielt es noch eine Rolle?

Küng: Absolut. Gerade mit den im Komitee vertretenen Bundesparlamentariern sind wir in regem Austausch. Im Moment wirkt das Komitee eher im Hintergrund. Wenn National- und Ständerat voraussichtlich 2018 über die Ausbauprojekte befinden, wird das Komitee mit Bestimmtheit wieder vermehrt öffentlich wahrgenommen.

Wie viel Ihrer Zeit nimmt das Tiefbahnhof-Projekt in Anspruch?

Küng: Es ist omnipräsent! Jede ÖV-Massnahme und jeder ÖV-Planungsbericht richtet sich auf den Durchgangsbahnhof aus.

Sie werden den Bau des Tiefbahnhofs als Regierungsrat nicht mehr erleben. Welchen Stellenwert hat dieses Projekt für Sie?

Küng: Einen hohen. Es ist eine meiner Kernaufgaben als Regierungsrat, langfristig zu denken und zu gestalten. Und es macht mir Freude, in die Zukunft zu schauen und etwas bewegen zu können.

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