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LUZERN: Kein Tiefbahnhof – SBB planen Revolution

Bald startet die Vernehmlassung zum neuen Ausbauschritt des Schweizer Bahnnetzes. Jetzt sorgen die SBB für Aufsehen: Parallel zu den Plänen des Bundes haben sie ein eigenes Konzept erarbeitet. Dieses könnte den Bau des Durchgangsbahnhofes bedrohen.
Kilian Küttel
Der Durchgangsbahnhof – oder auch Tiefbahnhof – ist beim Luzerner Stadtrat höher im Kurs... (Bild: Visualisierung PD)

Der Durchgangsbahnhof – oder auch Tiefbahnhof – ist beim Luzerner Stadtrat höher im Kurs... (Bild: Visualisierung PD)

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Der Luzerner Durchgangsbahnhof hat einen schweren Stand. Die Hinweise, dass das Projekt nicht in den Ausbauschritt 2035 aufgenommen wird, verdichten sich (Ausgabe vom 29. April) Das Problem: Laut Angaben des Bundesamtes für Verkehr (BAV) ist der Zimmerbergtunnel zwischen Zug und Zürich dringender notwenig als der Tiefbahnhof. Insgesamt will der Bund 12 Milliarden Franken investieren, für beide Projekte reichen die Mittel nicht. Beschlossen ist noch nichts, das Geschäft geht Ende dieses Jahres in die Vernehmlassung. 2019 soll sich das Parlament in Bern mit den Ausbauschritten 2030 und 2035 befassen. Im Moment ist das BAV mit den letzten Planungsarbeiten am Riesenprojekt beschäftigt. Diese dauern seit 2014, der Bund hat mit diversen Partnern zusammengearbeitet. Unter anderem mit den Kantonen sowie allen Bahnunternehmen der Schweiz.

Jetzt wird klar: Das grösste von ihnen setzt zum Alleingang an. Wie unsere Zeitung weiss, haben die SBB ein eigenes Konzept für den Bahnausbau erarbeitet, «Input SBB» heisst es. Diese Woche wurde es an einer Fachtagung der Gesellschaft der Ingenieure des öffentlichen Verkehrs vor­gestellt. «Was die SBB erarbeitet haben, kann man schon fast revolutionär nennen», sagt ein Zen­tralschweizer, der vor Ort war, seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte. So wollen die SBB eine Möglichkeit gefunden haben, wie sie einen Viertelstundentakt auf der Strecke Luzern–Zürich installieren können – und das ohne Durchgangsbahnhof. Das lässt aufhorchen. Bis jetzt war nämlich stets die Rede davon, dass der Viertelstundentakt auf dieser Strecke nur mit einem Tiefbahnhof möglich ist (Ausgabe vom 28. März).

Neue Fahrpläne, neue Abfahrtszeiten?

Der Viertelstundentakt ohne Tiefbahnhof ist aber nur ein kleiner Teil des neuen SBB-Konzepts. Die Bundesbahnen rühren mit der grossen Kelle an: In Zukunft wollen sie den kompletten Bahnverkehr in der Schweiz auf den Kopf stellen. Teil der Generalüberholung sind offenbar völlig neue Fahrpläne. Gemäss dem Bahninsider sind die Ideen äusserst konkret, die «neuen Fahrpläne teilweise schon fast minutengenau festgelegt». Eine weitere Neuerung sei zudem eine Harmonisierung der Geschwindigkeiten auf dem Schienennetz: «An der Veranstaltung war die Rede davon, dass man auf gewissen Strecken durch die Harmonisierung eine Kapazitätsvergrösserung von 40 Prozent erreichen kann», so der Zentralschweizer.

Die SBB bestätigen auf Anfrage die Recherchen unserer Zeitung. «Im Rahmen der Ausbauschritte 2030/2035 erstellen die SBB im Auftrag des BAV zwei Gesamtkonzepte. Gleichzeitig erarbeiten wir auch eine eigene ­Variante», sagt Mediensprecherin Masha Foursova. Sie hält fest, dass mit dem «Input SBB» die meisten Angebotsziele der Kantone und jene der Güterverkehrsbranche realisiert werden könnten. Und: «Teil des ‹Input SBB› sind Überlegungen, wie die Kapazitäten der bestehenden Infrastruktur besser genutzt werden können.» Ob die SBB allerdings eine Möglichkeit gefunden haben, die den Durchgangsbahnhof in Luzern überflüssig machen – dazu wollten sie keine Stellung nehmen: «Wir können auf einzelne Projekte derzeit nicht eingehen. Zu gegebener Zeit werden wir im Detail informieren», so die SBB-Sprecherin.

Regierungsrat hält an Durchgangsbahnhof fest

Ähnlich zurückhaltend wie die Bundesbahnen verhält sich auch das BAV. Zum Alleingang der SBB sagt Kommunikationsleiter An­dreas Windlinger: «Für uns sind allein die Planungsarbeiten massgeblich, die in Abstimmung mit den Planungsregionen, der Güterverkehrsbranche sowie allen Bahnunternehmen durchgeführt worden sind.» Zudem hält er fest, dass alle Unternehmen, darunter auch die SBB, eigene Überlegungen anstellen. Was das BAV nur teilweise gutheisst: «Gewisse Vorschläge führen zu einem besseren betriebswirtschaftlichen Ergebnis für die SBB, sind aber aus Sicht des BAV nicht im nationalen, volkswirtschaftlichen Interesse.» Diejenigen Vorschläge, welche zu einer volkswirtschaftlichen Verbesserung führen, habe das BAV aber aufgenommen.

Noch ist also vieles Kaffeesatzlesen, die Gerüchteküche in der Bahnszene brodelt. Auch andere Personen, die an der Tagung in Bern teilgenommen haben, sprechen von einem «sehr interessanten Projekt» der SBB. Derweil hat der Kanton Luzern keine Kenntnis davon, was sich die Lenker in der SBB-Zentrale ausgedacht haben: «Wir kennen die SBB-Variante nicht», sagt der Luzerner Baudirektor Robert Küng (FDP). Doch auch ohne über die SBB-Pläne informiert zu sein, ist sich Küng sicher: Luzern braucht den Durchgangsbahnhof. «Er ist die einzige Möglichkeit, einen Viertelstundentakt auf der Strecke Luzern–Zürich einzuführen und Voraussetzung, um das prognostizierte Mobilitätswachstum zu bewältigen.»

Der Regierungsrat geht davon aus, dass das Bedürfnis nach Mobilität bis ins Jahr 2030 um 40 Prozent steigt. Für ihn ist der Durchgangsbahnhof noch überhaupt nicht beerdigt: «Der Durchgangsbahnhof gehört im 12-Milliarden-Ausbauschritt gesamtschweizerisch nach wie vor zu den priorisierten Projekten. Die Chancen sind also immer noch intakt.»

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