LUZERN: Kinder krank – Rotkäppchen springt ein

Bei Grippe keine Krippe: Werden die eigenen Kinder krank, kann dies berufstätige Mütter und Väter in Bedrängnis bringen. Deshalb will der Betreuungsdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes bei Unternehmen andocken.

Evelyne Fischer
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Fällt der Kita-Besuch wegen Krankheit ins Wasser, bieten Betreuerinnen des Schweizerischen Roten Kreuzes einen Ausweg. (Bild: SRK/Remo Nägeli)

Fällt der Kita-Besuch wegen Krankheit ins Wasser, bieten Betreuerinnen des Schweizerischen Roten Kreuzes einen Ausweg. (Bild: SRK/Remo Nägeli)

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Während der Grippewelle der letzten Wochen blieben in vielen Unternehmen zahlreiche Stempelkarten ungenutzt. Nicht nur weil Angestellte das Bett hüten mussten. Sondern auch, weil sie zu Hause kranke Kinder betreuten. Denn: Spätestens bei Fieber oder einer Magen-Darm-Erkrankung winken Kinderkrippen ab.

Einen Ausweg bietet das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) mit der Kinderbetreuung zu Hause. Der sogenannte Rotkäppchen-Dienst wird seit 2006 ange­boten (siehe Kasten). «Im letzten Jahr waren unsere Betreuerinnen im Kanton Luzern 6659 Stunden im Einsatz», sagt Erica Züst, Geschäftsführerin des SRK Kanton Luzern, auf Anfrage. Im Vorjahr waren es 6609 Stunden. 2006, ganz am Anfang, zählte der Rotkäppchen-Dienst 4024 Einsatzstunden.

Betreuerinnen werden per SMS aufgeboten

In Notfällen arrangiert das SRK innert vier Stunden eine Lösung. «Wir können auf ein Netz von geschulten und situationserprobten Betreuerinnen zurückgreifen», sagt Erica Züst. Abhängig vom Einsatzort werden diese per SMS angefragt. Wer einspringt, nimmt sich des kranken Kindes an, kocht, pflegt es und spielt mit ihm. In Absprache mit den Eltern werden auch Medikamente verabreicht. Betreut werden Kinder vom Babyalter bis zwölf Jahre. «Werden Kinder krank, können zahlreiche Luzerner Familien auf Grosseltern, Freunde und Nachbarn zählen, oder ein Elternteil bleibt zu Hause», sagt Züst. «Wir leisten deutlich mehr Einsätze bei kranken Eltern.» Anders sehe es etwa in der Westschweiz aus. «Dort ist die Fremdbetreuung von Kindern generell stärker verankert. Von der Romandie kommt ursprünglich auch die Idee des Rotkäppchen-Dienstes.»

Die meisten Rotkäppchen-Einsätze lassen sich längerfristig planen. Etwa, wenn eine Operation ansteht oder nach einer Schwangerschaft die Energie fehlt, weitere Kinder zu betreuen. «Kranke Eltern, vor allem kranke Mütter, nehmen das Angebot denn auch am häufigsten in Anspruch», sagt SRK-Geschäftsführerin Züst. Der Rotkäppchen-Dienst kümmert sich auch oft vorübergehend um Kinder, wenn Eltern oder Alleinerziehende psychisch eine schwere Zeit durchleben, etwa bei einem Todesfall.

Skyguide zählt auf das Rotkäppchen

Das SRK möchte das Rotkäppchen nun auch vermehrt Betrieben schmackhaft machen. «Im Kanton Luzern haben wir bislang mit einer Firma eine Vereinbarung abgeschlossen, wonach diese die Kosten für die Kinderbetreuung übernimmt», sagt Züst. Schweizweit arbeite man mit mehreren Unternehmen zusammen, die genaue Anzahl sei jedoch noch nie erhoben worden. Ein Beispiel ist Skyguide. Das Unternehmen mit 1500 Angestellten an 14 Standorten sorgt für die Flugsicherung in der Schweiz. Die «einfache administrative Abwicklung» des Rotkäppchen-Dienstes habe sie überzeugt, lässt sich Rosmarie Rotzetter, Human Resources Skyguide, auf der Website des SRK zitieren. «Mit dieser Dienstleistung können wir allen Mitarbeitern eine einheitliche Unterstützung bei der Betreuung ihres kranken Kindes bieten.»