LUZERN: Kinderspital bittet Eltern zur Kasse

Ab dem 1. November erhebt das Kinderspital Luzern für eine telefonische Auskunft Gebühren: 3,23 Franken pro Minute. Andere Spitäler sind skeptisch.

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Das kann jetzt teuer werden: eine telefonische Auskunft beim Kinderspital Luzern. (Karikatur Jals)

Das kann jetzt teuer werden: eine telefonische Auskunft beim Kinderspital Luzern. (Karikatur Jals)

«So kann es nicht weitergehen.» Das hat sich Patrick Imahorn, Leitender Arzt am Kinderspital Luzern, vor einiger Zeit gedacht. Grund für seinen Ärger: Täglich melden sich beim Kinderspital 40 bis 60 besorgte Elternteile, die sich einen medizinischen Rat wünschen. In den letzten Jahren wurden es immer mehr, und zu Spitzenzeiten registriert man im Kinderspital bis zu 100 Anrufe.

Imahorn sagt sogar, dass sich das Spitalpersonal in der Vergangenheit zeitweise «am Rande des Zusammenbruchs» befand. Bisher wurden die Anrufe von den diensthabenden Assistenzärzten der Notfallstation beantwortet. Dank einer neuen Beratungs-Hotline soll damit nun Schluss sein.

Ab 1. November steht ein Team von Ärzten des Kinderspitals Luzern unter der Nummer 0900 554 774 rund um die Uhr für Beratungen zur Verfügung – für 3,23 Franken pro Minute. Man habe sich dabei vom Kinderspital Zürich leiten lassen, welches seit 2006 mit denselben Tarifen arbeite, erklärt Imahorn.


Preis gerechtfertigt?
Der Leitende Arzt ist sich bewusst, dass die kostenpflichtige Beratung auf Kritik stossen könnte. Er rechtfertigt den Preis damit, dass am anderen Ende der Leitung «Profis mit Fronterfahrung» sitzen. So sollen sich ausschliesslich Oberärzte und fortgeschrittene Assistenzärzte alternierend um die Beratung kümmern. Ausserdem achte der diensthabende Arzt bei der Auskunft auf eine «effiziente und zeitlich klar limitierte Beratung». Sind Recherchen oder Rücksprachen nötig, werden die Eltern zurückgerufen, verspricht Imahorn.

Wer künftig trotzdem die bestehende Notfallnummer des Kinderspitals wählt, werde an die kostenpflichtige Nummer verwiesen. «Es sei denn, es handelt sich um einen Notfall, der einer sofortigen ärztlichen Intervention bedarf.»

Andere Spitäler winken ab
Auch in der Hirslanden-Klinik St. Anna in Luzern seien die Ärzte im Notfallzentrum oft mit telefonischen Anfragen konfrontiert, dafür habe die Klinik jedoch extra 20 bis 40 Stellenprozente eingeplant, erklärt Kliniksprecherin Agnes Jenowein. «Für uns sind diese kostenlosen ärztlichen Beratungen ein Dienst am Kunden, den wir auch in Zukunft anbieten wollen.» Ziel der Beratung sei es, ein Problem rasch und mit möglichst wenig Aufwand angehen zu können. Auch Kerstin Moeller, Co-Leiterin des Spitals Schwyz, spricht von einem «kostenlosen Dienst am Kunden». Patrick Imahorn lässt sich dadurch nicht beirren. Zu sehr hat ihn ein Schlüsselereignis vor einigen Monaten geprägt. Damals beobachtete er, wie ein Kollege einem Patienten Blut abnahm und gleichzeitig eine telefonische Beratung durchführte. Es war der Tag, an dem Imahorn das Projekt «kinderärztliches Beratungstelefon» lancierte.

Daniel Schriber/Neue Luzerner Zeitung