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LUZERN: Kirche entlässt Religionslehrer

Die Katholische Kirchgemeinde Luzern entlässt einen Religionslehrer, weil dieser im Unterricht den Islam angeblich zu kritisch beleuchtet hat. Nun befasst sich ein Gericht mit dem Fall.
Thomas Heer
Kreuz bei der Kapelle in Michaelskreuz (Symbolbild). (Bild Corinne Glanzmann)

Kreuz bei der Kapelle in Michaelskreuz (Symbolbild). (Bild Corinne Glanzmann)

Die Mutter einer 15-jährigen Tochter kann sich noch lebhaft an jenen Tag erinnern, als der Teenager mit einem Brief nach Hause kam. Adressiert war das Schreiben «An die Schülerinnen und Schüler der Klassen, in denen Thomas Bannwart unterrichtet hat, und an ihre Eltern». Im Brief heisst es eingangs: «Hiermit informiere ich Sie darüber, dass die Kirchgemeinde Luzern das Arbeitsverhältnis mit Thomas Bannwart, Religionslehrer an der Oberstufe, auf das Ende des Schuljahres, das heisst auf den 31. Juli 2015, gekündigt hat. Thomas Bannwart ist per sofort freigestellt.»

Unterschrieben war der Brief von Jürgen Rotner, Rektor für Religionsunterricht. Weiter liess Rotner seine Adressaten wissen, längere Auseinandersetzungen über «Vorkommnisse, welche die Vertrauensgrundlage untergraben haben», hätten ihn zu diesem Schritt bewogen. Um welche Vorkommnisse es sich dabei handelt, erwähnte der Rektor nicht. Die eingangs erwähnte Mutter sagt: «Ich war total schockiert, als ich das las. Diese Formulierung lässt vieles offen.» Verhielt sich Bannwart unsittlich, oder liess er sich etwa sogar im rechtlichen Sinne etwas zu Schulden kommen? Davon keine Spur.

Lob und Tadel des Rektors

Thomas Bannwart setzt sich im Aussenbereich eines Stadtluzerner Restaurants an einen Tisch und bestellt ein Rivella. Bannwart, 62-jährig, ausgebildeter Primarlehrer, studierter Theologe und promovierter Philosoph – er schrieb eine Dissertation über den italienischen Dichter und Denker Tommaso Campanella –, ist sichtlich aufgewühlt von den Ereignissen, die in jüngerer Vergangenheit über ihn hereingebrochen sind. Ausgangspunkt des leidvollen Weges ist ein Brief, den ein Heranwachsender islamischen Glaubens am 2. April 2014 an den Leiter eines Stadtluzerner Schulhauses schrieb. Darin steht unter anderem: «Schon als wir das Thema über das Judentum und das Christentum durchnahmen, erwähnte Herr Bannwart immer wieder den Islam, aber immer verband er es mit dem Bösen und Schlechten.»

Das Schreiben gelangte schliesslich zu Rektor Rotner. In der Folge kam es zu einem regen schriftlichen und mündlichen Austausch zwischen den beiden. In einem Schreiben vom 3. Juli 2014 hielt Rotner, der Bannwart zwischenzeitlich während des Schulunterrichtes inspizierte, in der Rubrik Schlussfolgerungen auch fest: «Die unverhältnismässig negativ-kritische Art, den Islam zu behandeln, von Thomas Bannwart widerspricht dem geltenden ökumenischen Religionsunterricht für die Sekstufe I., wo es zum interreligiösen Dialog heisst: ‹Im ökumenischen Religionsunterricht wird der interreligiöse Dialog ermöglicht. Durch Kenntnisse und das Erleben kultureller Vielfalt wird die Verständigung für ein friedliches und gewaltfreies Zusammenleben grundgelegt.»

In der Folge unterschrieb Bannwart eine Vereinbarung. Damit verpflichtete er sich auch, seinen Islam-Unterricht im Sinne der Katholischen Kirchgemeinde Luzern anzupassen. Bei Nichteinhalten dieser sogenannten Selbstverpflichtung drohte Rotner bereits mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen.

Im Oktober lobte Rotner seinen Angestellten hingegen mit Sätzen wie: «Deine profunde Belesenheit, deine scharfe Unterscheidungsgabe, deine Unterrichtsplanung mit dem grossen Bogen und logischen Aufbau, dein Bestreben, die Lernenden in Zusammenhängen denken zu lehren, deine Fähigkeit, packend zu erzählen, anerkenne ich und sehe es als Qualitäten (...).» Trotzdem: Über die Monate verhärtete sich das Verhältnis zwischen Bannwart und Rotner zunehmend, bis es schliesslich zu Kündigung und Freistellung kam. Bannwarts Fazit: «Bei der Katholischen Kirchgemeinde sind die falschen Leute am Werk. Die erhobenen Vorwürfe wurden nie geprüft. Sie konnten nie bewiesen oder schriftlich klar greifbar gemacht werden. Es blieben von allem Anfang an Unterstellungen, die ich nie akzeptierte.» Bannwart hat nun einen Anwalt eingeschaltet. Dieser reichte eine Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein. In der Sache gehts um willkürliche Kündigung.

Vielleicht informiert Rotner nach

Während der Auseinandersetzung mit seinem Arbeitgeber erhielt Bannwart unter anderem Unterstützung vom Luzerner Oberstufenlehrer Orlando Foffa. Der 52-Jährige besucht seit Jahren mit der ganzen Klasse – obligatorisch wäre der Unterricht bei Bannwart eigentlich nur für die Katholiken – die Lektionen des Religionslehrers. Foffa sagt: «Ich habe das immer als sehr ausgewogen empfunden. Es kann keine Rede davon sein, dass Herr Bannwart irgendeine Religion herabmindert.»

Zusammen mit Bannwart sprach Foffa auch bei Rektor Rotner vor. «Während dieses Gesprächs fragte ich Herrn Rotner», so Foffa, «ob er denn jemals mit dem Schüler, der schriftlich reklamierte, gesprochen habe.» Gemäss Foffa hat Rotner die Frage verneint.

Zum Fall Bannwart befragt, erklärt Rotner, er könne zu einem laufenden Verfahren keine Stellung nehmen. Immerhin: Im Zusammenhang des eingangs erwähnten Briefes übt Rotner Selbstkritik. Er sieht ein, dass die Formulierung Raum für Spekulationen lässt. Er betont, dass Thomas Bannwart im rechtlichen Sinne keine Verfehlungen angelastet werden. Ob er die Eltern in diesem Sinne nun noch nachinformieren will, lässt er offen. Er sagt: «Das müssen wir intern besprechen.»

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