LUZERN: Kirchengeld für Homo-Lobby

Das Fastenopfer spricht Spendengelder für eine Organisation, die für Homo- und Bisexuelle weibelt. Passt das zum katholischen Luzerner Hilfswerk?

Jérôme Martinu
Drucken
Teilen
Das bestens bekannte Fastenopfer-Spendensäckli: Das katholische Hilfswerk hat ein Lobby-Projekt für Homo- und Bisexuelle in Afrika unterstützt. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Das bestens bekannte Fastenopfer-Spendensäckli: Das katholische Hilfswerk hat ein Lobby-Projekt für Homo- und Bisexuelle in Afrika unterstützt. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Jérôme Martinu

Sie hallen noch immer nach, die schwulenfeindlichen, alttestamentarischen Zitate in einem Referat des konservativen Churer Bischofs Vitus Huonder. Diese Geschichte hier spielt indes in der anderen Ecke des katholischen Schweizer Gotteshauses – statt Homosexuelle zu brandmarken, setzt man sich hier für sie ein: Aus der Kasse des in Luzern beheimateten katholischen Hilfswerks Fastenopfer sind Spendengelder für ein Afrika-Projekt des «European Forum of Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender Christian Groups» (LGBT) geflossen. Hierbei handelt es sich um eine christliche Lobby-Organisation, die sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen* einsetzt.

Afrikanische Bischöfe im Visier

Wie das englischsprachige Nachrichtenportal Catholic News Agency (CNA) berichtet, hat die niederländische Forumsorganisation westafrikanische Bischöfe im Visier. Mit einem Dokumentarfilm über LGBT-Katholiken aus den Ländern Ghana, Togo, Benin, Nigeria und Kamerun sollte die traditionalistisch-heterosexuelle Glaubensüberzeugung der westafrikanischen Bischöfe gekontert werden. Dies im Hinblick auf die Familiensynode der Kirchenoberen vom Oktober in Rom. Die Lobby-Offensive sei eine Reaktion auf den «extrem negativen Einfluss der westafrikanischen Bischöfe» auf den Schlussbericht zur vatikanischen Synode vom letzten Herbst (siehe Box), wie es im frei einsehbaren Rechenschaftsbericht 2014/15 des LGBT-Forums heisst. Und gegenüber CNA sagt dessen Co-Präsident, einige afrikanische Bischöfe und Bischofskonferenzen seien nicht willens, ihre christlichen Pflichten zum Schutz der Menschenwürde zu erfüllen.

Gemäss dem Nachrichtenportal CNA sei das Dokumentarfilmprojekt von Fastenopfer mit einem Betrag von «unter 15 000 Franken» alimentiert worden. Übersetzt heisst das: Hier wurden die unter anderem in Gottesdiensten der katholischen Kirchen gesammelte Spendengelder einer Lobby-Organisation zugesprochen, die kirchenpolitisch für Homo-, Bisexuelle und zweigeschlechtliche Menschen weibelt. Hauptsächlich stammten die Gelder für das Afrika-Projekt von der US-amerikanischen Arcus Foundation, von welcher das LGBT-Forum wiederholt Zuschüsse erhalten habe.

Beitrag von 7000 Franken

Fastenopfer-Mediensprecher und Marketingleiter Matthias Dörnenburg bestätigt auf Anfrage, dass ein Projektbeitrag ausbezahlt worden sei, und zwar in der Höhe von 7000 Franken, was rund einen Drittel des gesamten Projektbudgets ausmache. «Über sogenannte Kleinprojekte bis zu einem Betrag von 15 000 Franken entscheidet die Geschäftsleitung eigenständig. Bei grösseren Projekten wird auch der Stiftungsrat einbezogen», erklärt Dörnenburg. Die Stossrichtung des CNA-Berichts mit dem Titel «Schweizer Katholiken-Geld zielt vor der Synode auf afrikanische Bischöfe» hält er für «konstruiert»: «Das Projekt will die Öffentlichkeit für die Diskriminierung von Menschen sensibilisieren. Und nichts anderes.» Es sei das erste Mal, dass Fastenopfer ein Projekt des LGBT-Forums mitfinanziert habe.

Pikanterweise erfolgt der Zuschuss von Kirchenspenden an die Homo-Lobbyorganisation quasi unter den Augen der Schweizer Bischöfe. Denn Präsident des neunköpfigen Fastenopfer-Stiftungsrates ist Bischof Felix Gmür. Das Fastenopfer ist eine Art Ableger der Schweizerischen Bischofskonferenz. Die Stiftung war 1964 von den Bischöfen errichtet worden. Die Bischofskonferenz ist gemäss Statuten die Aufsichtsbehörde, ordnet die jährlichen Fastenopferspenden in den Kirchen an und bestimmt nebst dem Präsidenten auch ein weiteres Stiftungsratsmitglied. Die Fastenopferstiftung finanziert sich nebst Spenden auch durch Beiträge öffentlich-rechtlicher und privater Körperschaften und anderen Zuwendungen. 2014 hat Fastenopfer rund 15,4 Millionen Franken an allgemeinen und zweckgebundenen Spenden eingenommen.

Geld fliesst – Film gestoppt

Speziell an der Geschichte ist weiter, dass das Dokumentarfilmprojekt letztlich nicht wie geplant umgesetzt wurde, da der Filmemacher «plötzlich wegen Flugangst» abgesprungen sei. Die bereits geführten Interviews mit homo- und bisexuellen Afrikanern vom März 2015 sollen nun in schriftlicher Form veröffentlicht werden. Dies gemäss Fastenopfer für die «Sensibilisierung im Hinblick auf die Familiensynode», wie das Nachrichtenportal CNA Mitarbeiterin Romana Büchel, Fachverantwortliche Gender sowie Religion & Kultur, zitiert.

Auch wenn 7000 Franken ein kleiner Betrag sind: Es stellt sich die Frage, ob die Mitfinanzierung einer solchen Lobby-Organisation und damit von kirchenpolitischer Propaganda zur kommenden Synode gemäss dem Stiftungszweck des Fastenopfers überhaupt zulässig ist. In den Statuten des katholischen Hilfswerkes heisst es einleitend: «Die Stiftung hat den Zweck, die Arbeit der Kirche und Projekte von Entwicklungsorganisationen zu Gunsten wirtschaftlich und sozial benachteiligter Menschen weltweit, mit Schwergewicht in Afrika, Asien und Lateinamerika, zu unterstützen.»

Unterstützung statutengerecht?

Ist das christliche LGBT-Forum also eine Entwicklungsorganisation im Sinne der Fastenopfer-Statuten? Fastenopfer-Mediensprecher Matthias Dörnenburg antwortet nicht mit Ja oder Nein: «Wie im Statut erwähnt, unterstützen wir Projekte, zu Gunsten wirtschaftlich und sozial benachteiligter Menschen. Fastenopfer setzt sich in vielen seiner Projekte gegen Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder sexueller Orientierung ein. In Afrika herrschen teilweise furchtbare Umstände für homo- oder bisexuelle Menschen. Das hat uns dazu bewogen, dieses Projekt zu unterstützen, da es eine sinnvolle Sensibilisierungsmassnahme ist und keinesfalls kirchenpolitische Propaganda.»

Laut Dörnenburg definiere das Statut nur, dass Fastenopfer nicht eigene Projekte durchführe, sondern diese mit Organisationen umsetze. «Wir arbeiten mit ganz unterschiedlichen Organisationen zusammen, auch im Lobby-Bereich, die sich für Menschenrechte und -würde einsetzen. Natürlich gibt es einen Interpretationsspielraum, aber den müssen wir auch haben in unserer Arbeit», so der Sprecher des Hilfswerks. Die Schweizerische Bischofskonferenz sieht keine Veranlassung, den Einsatz von Fastenopfer-Spendengeldern zu Gunsten einer Homo-Lobbyorganisation zu kommentieren. Sprecher Walter Müller: «In dieser Dimension liegt das in der Kompetenz der Fastenopfer-Direktion.»

* Transgender-Personen sind Menschen, die sich nicht klar auf das angeborene Geschlecht Frau oder Mann festlegen können oder wollen.
 

Bischöfe streiten um Homosexualität

Die Bischöfe der katholischen Kirche versammelten sich im Oktober 2014 in Rom für den ersten Teil der sogenannten Familiensynode. Papst Franziskus hatte die Synode einberufen, um vertieft über Ehe, Familie und Sexualität nachzudenken. Im kommenden Oktober wird im Vatikan der zweite Teil der Synode stattfinden.

Afrikanischer Widerstand

Eines der umstrittensten Themen ist der Umgang der katholischen Weltkirche mit Homosexualität. Selbst unter den Bischöfen öffnete sich im letzten Herbst in dieser Frage ein Graben: Nachdem in einem Zwischenbericht der Synode eine Öffnung hin zu mehr Akzeptanz der Kirche gegenüber Homosexuellen und geschiedenen Wiederverheirateten die Rede war, kam es unter den Bischöfen zu kontroversen Diskussionen. In der Schlussabstimmung wurde ein liberalerer Kurs dann wieder verworfen. Gemäss Medienberichten sind insbesondere die afrikanischen Bischöfe für eine konservative Linie eingestanden.

Wie die evangelisch-reformierte Kirche zur Homosexualität steht, lesen Sie hier.