LUZERN: KKL: Dirigent stirbt im Konzert

Schock am Donnerstagabend im Konzertsaal des KKL: Während der Aufführung von Richard Strauss’ «Alpensinfonie» brach der israelische Dirigent Israel Yinon (59) tot zusammen.

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Der Dirigent Israel Yinon. (Bild: pd)

Der Dirigent Israel Yinon. (Bild: pd)

Im Rahmen des am Sonntag eröffneten Festivals «Szenenwechsel» der Musikhochschule Luzern führte die verstärkte Junge Philharmonie Zentralschweiz nach dem 20-minütigen Auftragswerk «Shapeshifting» des früheren Konsi-Direktors Thüring Bräm ohne Pause die rund 50 Minuten dauernde «Alpensinfonie» von Richard Strauss auf. Nach etwa 25 Minuten, als die Sinfonie, die mit riesigem instrumentalem Aufwand musikalisch den Aufstieg eines Wanderers auf die Alpen und den Abstieg schildert, den Gipfel gerade erreicht hatte, wurde der Konzertsaal plötzlich von Schreien der Orchestermusiker und der Zuhörer in den vordersten Reihen erfüllt. Zu ihrem Entsetzen war der Dirigent Israel Yinon auf dem Podium plötzlich zusammengebrochen und stürzte kopfvoran auf den Boden des KKL-Konzertsaals.

Die Ambulanz wurde avisiert; bis zu ihrem Eintreffen bemühten sich ein Arzt und verschiedene Helfer um den bewusstlos auf dem Boden liegenden Dirigenten. Nach einigen Minuten wurden die konsternierten Zuhörer zum Verlassen des Saals aufgefordert, die Musiker verliessen ebenfalls das Podium.

Jäh abgebrochen

Am späten Abend musste Marc Reinhardt, Leiter der Kommunikation der Hochschule Luzern, bekannt geben, dass der Dirigent gestorben sei. Das so jäh abgebrochene Konzert, das – welch grausame Ironie – unter dem Thema «Heile Alpenwelt» stand und vom Orchester und dem Dirigenten mit grossem Enthusiasmus bewältigt wurde, hätte heute Freitag im Mythen-Forum, Schwyz, wiederholt werden sollen.

Der 59-jährige in Israel geborene Dirigent Israel Yinon war zum dritten Mal Gast bei der Jungen Philharmonie Zentralschweiz. Einen Namen machte sich Yinon unter anderem durch die Entdeckung verschollener Werke aus dem Zweiten Weltkrieg und brachte Opern von grossenteils unbekannten, weil verfemten Komponisten zur Aufführung.

International erfolgreich

Yinon dirigierte verschiedene führende europäische Orchester und machte zahlreiche CD-Aufnahmen bei führenden Schallplatten-Labels. Während einer Deutschland-Tournee entstand Yinons Debüt-CD mit der Ersteinspielung der sinfonischen Werke Viktor Ullmanns, eines der von den Nazis verfolgten Komponisten. Dass die Wahl für die Leitung des Sinfoniekonzerts auf Yinon fiel, ist daher kein Zufall. Denn das Festival «Szenenwechsel» steht unter dem Thema «1915» und versucht, den Um- und Aufbruch mitten im Ersten Weltkrieg und die künstlerischen Bruchlinien zwischen der Tradition eines Richard Strauss und der Moderne eines Schönberg und Strawinsky deutlich zu machen.

Fritz Schaub