LUZERN: Knoten Reussegg ist am Anschlag

Eine Metro mit Parkhaus beim Autobahn­knoten Reussegg würde gemäss Initianten zu «geringem Mehr­verkehr» führen. Gemäss Bund gibt es dort aber schon heute fast täglich Stau.

Christian Hodel
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So könnte das Metro-Parkhaus im Stadtluzerner Industriegebiet Ibach beim Knoten A 2 / A 14 dereinst aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

So könnte das Metro-Parkhaus im Stadtluzerner Industriegebiet Ibach beim Knoten A 2 / A 14 dereinst aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

Eine Metro zwischen dem Industriegebiet Ibach und dem Luzerner Schwanenplatz zur Verkehrsentlastung: Wie wirkt sich dieses Projekt aus auf die Kapazität rund um den Autobahn-Knotenpunkt Reussegg? Gemäss Berechnungen könnten 56 000 Reisecars pro Jahr und Hunderttausende Autos im geplanten Riesenparkhaus im Ibach parkieren. Müssen die Autobahnzubringer ausgebaut werden? An mehreren Veranstaltungen haben die Metro-Initianten versichert: Diesbezüglich stehe man in Kontakt mit dem Bundesamt für Strassen (Astra). Tief gehende Gespräche mit dem Astra haben indes nie stattgefunden, wie Mediensprecherin Esther Widmer auf Anfrage bestätigt. Man könne zur «Projektidee Metro Luzern» keine Stellung nehmen, da «keine konkreten Grundlagen» vorliegen, die «wir aus Sicht Nationalstrasse beurteilen könnten».

Bund: «Der Druck nimmt zu»

Unter anderem fehlen Berechnungen, wie sich das Verkehrsaufkommen mit einem allfälligen Metro-Parkhaus verändern wird. Diese wären wichtig, denn bereits jetzt steht fest: «Der Druck auf die Verzweigung Rotsee nimmt zu. Die A 14 weist in den Abendspitzenstunden fast täglich Stau auf», sagt Widmer. «Weitere Verkehrsverlagerungen in diesem Raum sind kritisch.» Diese Situation könne erst mit dem Gesamtsystem Bypass Luzern entschärft werden. Der Eröffnungstermin der Metro könnte 2019 sein, der Bypass hingegen würde erst Jahre später gebaut.

Klar ist: Auf der A 14 hat der Verkehr zwischen 2008 und 2013 um einen Drittel zugenommen von 52 700 auf gut 70 000 Fahrzeuge täglich. Auch künftig sei mit einer «massiven Zunahme des Verkehrs» zu rechnen, wie das Astra unserer Zeitung erklärte (Ausgabe vom 10. Juni). Passiert in den Stosszeiten ein Unfall, staut es schnell bis auf die Autobahn A 2 zurück, und viele versuchen, auf die Kantonsstrassen auszuweichen, wie die Luzerner Polizei bestätigte.

Berechnungen erst im Vorprojekt

Warum haben die Initianten noch keine Berechnungen vorgenommen? «Man muss nicht bereits für die Ermittlung einer Haltung zum Projekt Metro die substanziellen Fragen eines Vorprojekts beantwortet haben», teilt Marcel Sigrist, Initiant der Metro Luzern, schriftlich mit. Sigrist räumt zwar ein, dass die Kapazität der bestehenden Aus- und Einfahrten der Autobahn Emmen Süd angeschaut werden müssen. «Dies ist aber im Bewilligungsverfahren zu prüfen.» Das Astra bewillige oder bestätige nämlich nichts, ohne dass ein Vorprojekt respektive ein Bewilligungsverfahren vorliege. So weit ist man derzeit noch nicht. Fest steht laut Sigrist aber: «Die Steuerzahler werden mit dem privaten Projekt Metro nicht belastet.» Es seien alle Projektkosten in den rund 400 Millionen Franken enthalten.

Auch für die allfällige Anpassung der Zubringer stehen «gegebenenfalls Mittel des Projekts zur Verfügung». Klar scheint für Sigrist zudem: «Es wird an der Reuss­egg zu einem geringen Mehrverkehr kommen.» Dafür würden aber die Sedelstrasse und andere Zufahrtsstrassen vom Verkehr entlastet.

City-Vereinigung: Schritt zurück

Dass keine gesicherten Kenntnisse zu den Auswirkungen der Metro Luzern vorliegen, stösst zunehmend auch Sympathisanten sauer auf. Nach den Touristikern, Detaillisten und Hoteliers (Ausgabe vom 18. Juni) hält man nun auch bei der City-Vereinigung (CVL) das Metro-Projekt «höchstens noch für eine Vision», wie aus einer Stellungnahme hervorgeht. Die CVL ist im Metro-Beirat vertreten. André Bachmann ist Vorstandsmitglied der City-Vereinigung und Mitglied des Initiativkomitees Parkhaus Musegg, des Gegenprojekts (siehe Box). Er sagt: «Wir wollen die Projekte Metro Luzern und Parkhaus Musegg nicht gegeneinander ausspielen.» Jedoch würden die Metro-Initianten Aussagen machen, «für die der Nachweis fehlt oder die zumindest nirgends öffentlich einsehbar sind». So vermisse auch er die Verkehrsberechnungen zu den Zubringerachsen in der Reussegg. Diese Knotenberechnungen seien Bestandteil des Fragenkataloges beim runden Tisch der Stadt Luzern gewesen – «zumindest für das Parkhaus Mus­egg». Es sei zwar «unschön», wenn gerade die Initianten des konkurrierenden Projektes die Zufahrten als Schwachstelle bezeichneten. Aber: «Im technischen Bericht zum Musegg-Parkhaus sind alle Berechnungen für jedermann zugänglich. Zudem wurden die Zahlen vom Astra wie auch vom Tiefbauamt der Stadt bestätigt.»

Stadt: Prüfbare Zahlen fehlen

Beim Tiefbauamt der Stadt Luzern will man auf Anfrage die beiden Projekte nicht detailliert kommentieren. «Das Tiefbauamt ist derzeit bei den Projekten Metro Luzern und Parkhaus Musegg nicht eingebunden», sagt Roland Koch, stellvertretender Stadtingenieur. Zuerst müsse ein politischer Grundsatzentscheid gefällt werden. «Danach kommen wir ins Spiel.» Derzeit fehlt es laut Koch aber bei beiden Projekten an «prüfbaren Zahlen und Nachweisen». Solche würden erst in einer weiteren Projektphase verlangt.

Für die City-Vereinigung ist laut Bachmann hingegen schon jetzt klar: Beim Metroprojekt sind zu viele Fragen offen. Zudem habe die Metro «wenig Rückhalt» in breiten Kreisen von Detailhandel und Gewerbe. «Eine aktive Zusammenarbeit mit den wichtigen Partnern von Detailhandel, Gewerbe und Tourismus fehlt.» Dies, obwohl die Initianten das Gegenteil behaupten würden.

Konter: «Partikularinteressen»

Marcel Sigrist widerspricht: «Wir erhalten viel Zustimmung von Bürgerinnen und Bürgern.» Es seien zwar vereinzelt Skeptiker zu vernehmen wie etwa Tourismusdirektor Marcel Perren. «Aber er allein ist noch lange nicht Tourismus Luzern.» Die City-Vereinigung wiederum vertrete die «Partikularinteressen ihrer vermeintlich wichtigsten Mitglieder». Klar ist: Nur eines der beiden Projekte könnte einst realisiert werden. Voraussichtlich Mitte Juli will der Stadtrat einen Grundsatzentscheid zum Metro-Projekt fällen. Bachmann sagt: Entscheide sich der Stadtrat für die Metro, dann werde auch die City-Vereinigung «konstruktiv ihren Beitrag leisten, um bestmögliche Rahmenbedingungen für Detailhandel und Gewerbe der Luzerner Innenstadt zu erhalten».

Harte Konkurrenz

Die Metro beinhaltet ein Riesenparkhaus für 160 Cars und 2000 Autos neben der KVA Ibach und von dort eine 2 Kilometer lange U-Bahn via Stopp beim Kantonsspital zum Schwanenplatz. Dadurch könnten alle Car-Parkpätze in der Stadt aufgehoben werden. Die Kosten von 400 Millionen Franken sollen private Investoren berappen. Bereits 1985 wurde versucht, mittels Parkhaus im Ibach mit Pendelbahn zum Falkenplatz den Verkehr von der Innenstadt fernzuhalten (siehe Hinweis). Das ebenfalls von Privaten initiierte Parkhaus Musegg hingegen ist mit Kosten von 150 Millionen Franken eine Dimension kleiner. Geplant ist im Musegghügel ein Parkhaus für 700 Autos und 36 Cars. Über eine 100 Meter lange unterirdische Passage sollen die Besucher zum Grendel in der Altstadt gehen können.

Pläne von 1985 von einer unterirdischen Parkieranlage samt Pendlerzug:
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