LUZERN: Kofler packt in der Altstadt die Koffer

Das traditionelle Modehaus Kofler wird ab Sommer die Filiale an der Weggisgasse 17 aufgeben. Grund ist die zu geringe Kundenfrequenz, sagt Präsident Olivier Bachmann. Jetzt wird für 20 Angestellte eine Lösung gesucht.

Alexander von Däniken
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Aussenansicht der Kofler-Filiale an der Weggisgasse 17 in Luzern. (Bild: Pius Amrein)

Aussenansicht der Kofler-Filiale an der Weggisgasse 17 in Luzern. (Bild: Pius Amrein)

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@ luzernerzeitung.ch

Das Immobilieninserat lässt aufhorchen: Gesucht wird ein Nachmieter für ein Ladenlokal an der Stadtluzerner Weggisgasse 17: 700 Quadratmeter Nutzfläche auf fünf Etagen. Es handelt sich um Räumlichkeiten des 1852 gegründeten Luzerner Modehauses Kofler.

Dessen Verwaltungsratspräsident Olivier Bachmann bestätigt auf Anfrage eine Meldung des Online-Newsletters Ron Orp. Und nennt den Grund: «Die Frequenz der einheimischen Kundschaft ist in den letzten Jahren stetig zurückgegangen.» Das sei die Folge der generellen Ladenentwicklung in der Altstadt: Der Mix ist für Luzerner nicht mehr attraktiv, Uhren- und Schmuckläden richten sich nach Touristen aus. Dazu komme eine eher unternehmerfeindliche Politik, etwa bei den Ladenöffnungszeiten.

Unbefriedigend ist laut Bachmann auch die Parkplatz-Situation: «Es haben sich Rückmeldungen von Kunden gehäuft, die für die Filiale in der Weggisgasse kaum Parkplätze gefunden haben.» Hier sei die Situation an der Pilatusstrasse wesentlich besser. An dieser Filiale halte das Unternehmen fest. «Stammkundinnen und Stammkunden werden also weiterhin beraten und bedient», sagt Bachmann. Das gelte auch für alle anderen Filialen: die beiden am Grendel, jene im Bahnhof sowie die Läden im Emmen-Center, im Mythen-Center Schwyz und im Länderpark Stans.

20 Angestellte sind betroffen

Der Auszugstermin in der Weggisgasse dürfte laut Olivier Bachmann im Sommer sein. Derzeit werden dort rund 20 der insgesamt 160 Angestellten beschäftigt. Für sie werden jetzt Lösungen gesucht. Ein Teil wird in den anderen Filialen weiterbeschäftigt, drei Angestellte werden pensioniert. «Auch wenn es sich um einen kleinen Teil handelt – aber wir werden Kündigungen aussprechen müssen», sagt Bachmann. Man habe gegenüber den Angestellten eine grosse Verantwortung und werde diese auch wahrnehmen.

Die Liegenschaft befindet sich in privatem Besitz. Eine Hälfte gehört dem vermögenden Calida-Erben und Zen-Buddhisten Hans «Vanja» Palmers. Dieser war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. War die Miete für Kofler zu hoch? Unter anderem, sagt Bachmann. Letztes Jahr gab es Verhandlungen über einen neuen Mietvertrag. Details dazu gibt Bachmann nicht preis. Nur an der Miethöhe alleine habe es aber nicht gelegen. Ende letzten Jahres habe das Modehaus Kofler entschieden, einen Schlussstrich zu ziehen. Ein weiterer Grund dafür sind die fünf Etagen. Das seien sich die Kunden heutzutage nicht mehr gewohnt. Zudem sei es personalintensiv, für jede Etage eine oder zwei Beraterinnen einzusetzen.

Tiefere Mieten für besseren Ladenmix

Dass mit Kofler, Musik Hug und weiteren Traditionsunternehmen eine ganze Reihe von einheimischen Firmen aus der Altstadt verschwindet, bedauert Olivier Bachmann: «Bald ist die Altstadt nur noch ein Museum.» Immerhin seien sich die Immobilienbesitzer zunehmend bewusster, dass es für einen guten Ladenmix tiefere Mieten brauche. Allerdings komme diese Erkenntnis wohl zu spät.

Immerhin schliesst Bachmann praktisch aus, dass ein weiteres Uhren- und Schmuckgeschäft in die Räume an der Weggisgasse zieht. «Wir haben bereits viele Interessenten, ein Uhren- und Schmuckgeschäft ist aber keines darunter.» Wahrscheinlicher ist, dass wieder ein Modegeschäft einziehen wird – dann aber wohl eine internationale Kette.

Pierre Rügländer, Präsident des Quartiervereins Altstadt, erfährt erst von unserer Zeitung vom Wegzug des Modehauses aus der Weggisgasse. Er bedauert, dass Kofler so entschieden hat, glaubt aber nicht, dass die Kundenfrequenz ausschlaggebend war. Schliesslich sei das Warenhaus Manor gleich nebenan. Und dieses werde noch immer hauptsächlich von Einheimischen frequentiert. Rügländer vermutet eher, dass Kofler eine Neustrukturierung vornimmt, die auch aus anderen Städten bekannt ist: Geschäfte mit mehreren Filialen in der gleichen Stadt konzentrieren sich auf weniger Standorte, um wirtschaftlicher zu werden. Dass sich mit Kofler ein Traditionshaus aus der Altstadt zurückzieht, sieht Rügländer nicht dramatisch: «Das eröffnet auch Chancen für Neues.»

In den letzten Jahren erfuhr die Altstadt einen markanten Wandel. Im Juni 2015 zügelte zum Beispiel Musik Hug seine Filiale vom Kapellplatz nach Ebikon. In die frei gewordenen Räume zog die Multimarken-Uhrenboutique Les Ambassadeurs. Drei Jahre zuvor zog das Bastelbedarfsgeschäft Vonarburg vom Weinmarkt aus der Altstadt an die Alpenstrasse.