LUZERN: Konkurs wirft Schatten auf Stipendienmodell

Der Kanton Luzern möchte, dass seine Studenten vermehrt Darlehen von privaten Investoren erhalten. So sieht es das neue Stipendiengesetz vor, über das am 18. Mai abgestimmt wird. Ein Konkurs hat nun den Abstimmungskampf angeheizt.

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Studenten in einem Hörsaal. (Bild: Archiv Neue LZ)

Studenten in einem Hörsaal. (Bild: Archiv Neue LZ)

Über den Konkurs der EduPreneurs AGhat unsere Zeitung heute Freitag bereits berichtet. EduPreneurs ist ein Partner des Vereins Studienaktie.org, der in Luzern wegen seiner möglichen Rolle im Stipendienwesen zum Politikum geworden ist.

In der Abstimmungsbotschaft schreibt der Regierungsrat, dass bei der Zusammenarbeit des Kantons mit privaten Akteuren der Verein Studienaktie.org im Vordergrund stehen soll. Dabei gehe es zum einen um eine umfassende Beratung von Ausbildungsfinanzierungen, zum anderen um die Vermittlung von privaten Stipendien und Darlehen.

Luzern ist der erste Kanton, der das Stipendienwesen teilweise an Private auslagern möchte. Linke Parteien ergriffen das Referendum gegen das neue Gesetz. Sie sehen sich nun durch den Konkurs von EduPreneurs in ihren Befürchtungen bestätigt. Sie verlangen, dass die Abstimmung nicht stattfindet. Das Abenteuer sei schon vor dem Start gescheitert.

Konkurs stellt Modell nicht in Frage

Der Regierungsrat sieht dies anders. Das Luzerner Stipendienmodell sei durch die neue Situation nicht in Frage gestellt, teilte er mit. Am 18. Mai stimme die Luzerner Bevölkerung über eine Neuregelung des Stipendienwesens ab und nicht über die Bindung des Kantons an eine bestimmte Firma.

Als Partner für private Finanzierungen von Darlehen kämen grundsätzlich alle geeigneten Anbieter in Frage, schreibt der Regierungsrat. In diesem Zusammenhang nehme die konkursite EduPreneurs keine wichtige Stellung ein.

EduPreneurs war Ende 2012 von den Initianten des Vereins Studienaktie.org als gemeinnützige Aktiengesellschaft gegründet worden. Studienaktie.org hatte potentielle Studentinnen und Studenten beraten und ihnen falls nötig Darlehen vermittelt. Mit der Übergabe ihrer Aktivitäten und Geschäftsstelle an die EduPreneurs strebte Studienaktie.org eine Professionalisierung und ein Wachstum an.

Am 25. März 2014 verhängte ein Luzerner Gericht den Konkurs über EduPreneurs. Dieses Projekt sei gescheitert, sagte Claude Siegenthaler, Geschäftsführer ad interim von Studienaktie.org, auf Anfrage. EduPreneurs sei nicht rechtzeitig tragfähig geworden.

Studienaktie übernimmt EduPreneurs-Aktivitäten

Negative Folgen für die vom Verein Studienaktie betreuten Bildungsprojekte soll der Konkurs nicht haben. Studienaktie.org nahm die ausgelagerten Aktivitäten wieder zurück. Die Prozesse zur Betreuung von Bildungsaspiranten, von Bildungsinvestoren sowie von Coaches und Mentoren würden weitergeführt, schreibt der Verein auf seiner Homepage.

Auch der Luzerner Regierungsrat geht davon aus, dass der Verein Studienaktie.org in der Lage sei, den Kanton weiterhin als Partner zu unterstützen. Erst nach der erfolgreichen Abstimmung werde der genaue Zeitpunkt, die Form und der Umfang der Zusammenarbeit festgelegt.

Studienaktie.org hat bislang 800 Personen, die eine höhere Ausbildung anstrebten, beraten. 120 Personen wurde ein Darlehen vermittelt. Zur Zeit sind rund 50 Personen in der Beratungsphase. Neuanmeldungen würden weiterhin entgegengenommen, sagte Siegenthaler. Es stünden die nötigen finanziellen und personellen Ressourcen zur Verfügung.

sda