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LUZERN: «Krass, wie gross der Mehraufwand ist»

Pendlerinnen und Pendler haben in den letzten Tagen einige Entbehrungen auf sich nehmen müssen. Wir haben sieben von ihnen ins Wochenende gefahren – und sie haben uns erzählt, wie die Zugentgleisung ihren Alltag auf den Kopf gestellt hat.
Lena Berger
Bevor es in die Stadt geht, lassen sich Claudio und Isabelle von Redaktor Christian Hodel ein Gläschen einschenken. (Bild: Jakob Ineichen (Emmenbrücke, 24. März 2017))

Bevor es in die Stadt geht, lassen sich Claudio und Isabelle von Redaktor Christian Hodel ein Gläschen einschenken. (Bild: Jakob Ineichen (Emmenbrücke, 24. März 2017))

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

Es ist kurz vor 16 Uhr. Am Bahnhof Emmenbrücke strömen die Pendler aus dem Zug, schauen weder links noch rechts, laufen zackig auf den Bahnersatzbus zu. Man kann es ihnen nicht verübeln, dass sie schnellstens nach Hause wollen. Seit am Mittwoch ein Cisalpino vor dem Bahnhof Luzern entgleist ist, steht ihr Alltag Kopf. Wir wollen ihnen nun etwas Gutes tun. Mit Schirm, Charme und Melone steht Christian Hodel, Redaktor der «Zentralschweiz am Sonntag» bereit, um strandende Pendler abzuholen und dort hin zu fahren, wo sie hin wollen. Ohne Umsteigen, dafür mit Prosecco.

Er muss nicht lange warten. Isabelle und Claudio nehmen das Angebot gerne an. Beide sind schwer beladen mit Gepäck und lassen dieses nur allzu gerne von Christian Hodel im Kofferraum verstauen. Im Auto Platz genommen, lassen sie die Woche Revue passieren. Wie ein Lauffeuer habe sich die Nachricht von der Zugentgleisung am Mittwoch ausgebreitet, erinnert sich Isabelle. «Ich dachte erst, das Ganze sei nicht weiter schlimm. Das Ausmass des Unfalls wurde mir erst bewusst, als ich in Emmen auf den Bus umsteigen musste, um nach Luzern zu kommen und die Stadt derart verstopft war, dass ich beim Kreuzstutz ausgestiegen bin», erzählt sie.

Eine gute Ausrede, um spät nach Hause zu kommen

Claudio ist Musiker, hat einen Proberaum in Emmenbrücke und arbeitet zudem am Bahnhof Luzern im Verkauf. Daher hat der Unfall auf ihn weitere Auswirkungen. Nach den Erfahrungen der letzten Tage stellt er sich auf eine eher ruhige Schicht ein. Auf Laufkundschaft hoffen die Geschäfte vergebens, erzählt er (siehe kleine Box). Inzwischen sei im Bahnhof ein Klavier aufgestellt worden, damit sich die Wartenden die Zeit vertreiben können. «Teilweise sind die Leute Schlange gestanden, um ein Stück spielen zu können – es ist eine spezielle Stimmung in dem ausgestorbenen Bahnhof.»

Der Verkehr staut, die Fahrt in die Stadt zieht sich dahin. «Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass die Seebrücke wegen Verkehrsüberlastung zusammenbricht – dann hätten wir den Super-GAU», scherzt Claudio. «Es ist krass, wie gross der Mehraufwand ist, wie viele Leute im Einsatz sind, damit alles reibungslos abläuft.» Da werde einem bewusst, wie abhängig wir eigentlich von der Bahninfrastruktur sind. Die Sache hat aber auch ihr Gutes: Es sitzen alle im gleichen Boot, man kommt in Kontakt. «Das hier jedenfalls war die beste Taxifahrt meines Lebens», sagt Claudio, lacht und gibt das leere Glas Orangensaft zurück, ehe er sich zur Arbeit verabschiedet. Weiter geht es mit Celine, Nina und Dominik. Die drei angehenden Grafiker sind in Ebikon gestrandet und müssten eine halbe Stunde warten, um weiter nach Sins fahren zu können. «Jetzt geht das ja noch, aber abends wäre es mühsam gewesen», sagt Celine beim Einsteigen ins Auto. «Ja, aber ich bin mir sicher, dass der eine oder andere die Entgleisung als Ausrede benutzt, später als üblich vom Ausgang heimzukommen», sagt Nina und schmunzelt. Die Zugentgleisung ist auf allen Fahrten Gesprächsthema. Die Frage nach der Ursache treibt viele um. «Am Schluss zeigt sich vielleicht, dass alle Passagiere auf der gleichen Zugseite gesessen sind», scherzt Olivia, die von uns zusammen mit ihrer Schwester in Emmenbrücke abgeholt wird. Trinkgeld gibt’s für den Chauffeur an dem Abend keines. Aber das Versprechen, dass die jungen Leute heute einen Blick in die Zeitung werfen werden. Für uns Journalisten ist das Lohn genug.

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