Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

LUZERN: Kredit-Box steht in der Kritik

Schuldengeplagte Menschen erhoffen sich von der Firma Kredit-Box Hilfe. Seitens des Konsumentenschutzes wird aber eindringlich vor dem Geschäftsgebaren des Unternehmens gewarnt.
Dre Anfang der Geldträume: Eine happige «Bearbeitungsgebühr». Doch das erfährt man erst später. (Bild: Screenshot / luzernerzeitung.ch)

Dre Anfang der Geldträume: Eine happige «Bearbeitungsgebühr». Doch das erfährt man erst später. (Bild: Screenshot / luzernerzeitung.ch)

Thomas Heer

Wenn Schulden drücken, die Gläubiger anmahnen oder gar drohen, sich die Lage immer mehr zuspitzt, aber eine Lösung des Problems einfach nicht gelingen will, dann greift so manch einer nach dem letzten Strohhalm. In der Anonymität des Internets finden sich verlockende Angebote. Zum Beispiel jenes der Firma Kredit-Box. Das Unternehmen gibt vor, Lösungen «in schier aussichtslosen Situationen bereit zu stellen».

Um das Vertrauen potenzieller Kunden zu stärken, führt Kredit-Box zehn Grundsätze auf, nach denen die Firma vorgibt, sich auszurichten. Unter Punkt 1 erfährt der Leser unter anderem: «Wir sind transparent. Der Geschäftsführer und Inhaber von Kredit-Box heisst Mr. Cinar Abdulhamit. Sie wissen also mit wem Sie es zu tun haben.» Weiter ist zu erfahren, dass die Schuldensanierer im englischen Handelsregister mit Sitz in London unter dem Namen «Original-Kreditbox limited» eingetragen sind. Und zudem heisst es: «Wir sind immer für Sie da.» Dies nicht nur aus dem fernen London, sondern auch in der Stadt Luzern, wo Kredit-Box angeblich über ein Domizil verfügt.

Horrende Gebühren

«Warum also nicht?», dachte sich Lisa Peter*, und sie nahm via Internet Verbindung auf mit Kredit-Box. Der Aufwand dafür ist minim, für den Interessenten mit exakt drei Arbeitsschritten verbunden. Schuldensumme sowie Laufzeit eingeben und die monatliche Ratenzahlung erscheint unmittelbar danach auf dem Bildschirm. Zum Schluss noch das Feld «Anfragen» anklicken.

Als Lisa Peter dieses Kurzprozedere abgespult hatte, fühlte sie sich erleichtert. Sie sah Land in Sicht, ihren Schuldenberg zu schmelzen. Wenige Tage später erhielt Peter dann auch Post von Kredit-Box. Im Schreiben heisst es: «Ihrem Antrag kann entsprochen werden. Hiermit erteilen wir Ihnen eine verbindliche Vertragsgarantie zur Vermittlung einer Finanzsanierung über die von Ihnen beantragte und angegebene Schuldsumme von 20 000 CHF.» Die monatliche Rate wurde während der Laufzeit von 96 Monaten mit 244.50 Franken berechnet.

Nur hat das Ganze einen Haken. Denn im Schreiben, unterzeichnet von Geschäftsführer Cinar Abdulhamit, ist auch festgehalten, dass der Finanzsanierungsvertrag erst dann ausgehändigt wird, wenn davor die einmalige Bearbeitungsgebühr von 1450 Franken überwiesen worden ist. Die Aufforderung im Brief lautet: «Überweisen Sie deshalb bitte jetzt die Bearbeitungsgebühr von 1450 Franken.»

«Verstoss gegen geltendes Recht»

Dieser Aufforderung kam Peter nicht nach. Im Gegenteil, Peters Freund schaltete sich ein und nahm via einer 041-Nummer telefonisch Kontakt auf mit Kredit-Box. Rasch entwickelte sich zwischen Peters Partner und einem gewissen Herrn Mohr oder Moor ein gehässiges, mit Beschimpfungen durchwachsenes Gespräch. Es fielen Worte, die an dieser Stelle nicht abgedruckt werden können.

Mit dem Kredit-Box-Geschäftsmodell konfrontiert, sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz: «Das Ganze ist höchst suspekt, eine Reinfallmasche par excellence. Die Firma verstösst mit dieser Bearbeitungsgebühr gegen geltendes Recht.» Sehr seltsam erscheint Stalder auch, dass die Firma ihren Geschäftssitz in London hat. Stalders Fazit lautet: Hände weg von Kredit-Box-Angeboten.

Niemand vor Ort

Auf dem Briefpapier wird der Sitz der Kredit-Box-Filiale von Luzern in einem Haus an der Hertensteinstrasse angegeben. Vor Ort ist aber weit und breit nichts von einer Zweigniederlassung auszumachen. Nur das: Ein Immobilienvermieter sagt gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag»: «Diese Firma missbraucht drei Standorte von uns.» Mehr wollte der Mann nicht preisgeben.

Bei der Kontaktaufnahme via Festnetzanschluss stellte sich der Kredit-Box-Vertreter als Herr Meierli vor. Einen Vornamen wollte dieser mit einem sehr speziellen Nachnamen gesegnete Herr nicht nennen. Meierli betonte, die Angestellten der Firma seien als Schuldensanierer tätig. Die genaue Mechanik der Kredit-Box-Unternehmensstrategie wollte Meierli am Telefon aber nicht erläutern. Er verwies darauf, die Fragen schriftlich zu stellen. Bis Redaktionsschluss ging jedoch kein Antwortschreiben des Unternehmens ein.

* Name von der Redaktion geändert.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.