Luzern, Kriens, Emmen und Ebikon reichen Einsprache gegen den Autobahn-Bypass ein

Die Luzerner Zentrumsgemeinden unterstützen zwar das Gesamtsystem Bypass im Grundsatz. Doch sie fordern eine Einhausung des Autobahnabschnitts in Kriens – und verträgliche Bauarbeiten.

Beatrice Vogel
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Die A2 in Kriens. Geht es nach der Standortgemeinde, soll sie mit dem Bypass-Bau überdacht werden.

Die A2 in Kriens. Geht es nach der Standortgemeinde, soll sie mit dem Bypass-Bau überdacht werden.

Bild: Pius Amrein (20. Januar 2020)

Am Dienstag lief die Einsprachefrist für den Luzerner Autobahn-Bypass ab. Unter anderem haben die Städte Kriens und Luzern sowie die Gemeinden Emmen und Ebikon Einsprache eingereicht.

«Mit der Einsprache wollen wir nicht das Bypass-Projekt verhindern. Im Gegenteil: Wir zeigen konkrete Lösungsansätze auf, wie aus einem Autobahnprojekt ein Stadtentwicklungsprojekt gemacht werden kann», hält der Krienser Stadtpräsident Cyrill Wiget (Grüne) fest. Dennoch wehre sich Kriens gegen negative Auswirkungen des Baus – während der Bauzeit durch Immissionen und nach dem Bau durch zusätzlichen Verkehr, den eine Verdoppelung der Fahrbahnen mit sich bringe. Herzstück der Krienser Einsprache ist die Forderung, dass die Autobahn über die ganze Strecke zwischen dem Sonnenberg-Portal und dem Tunnel Schlund eingehaust wird. Darüber hinaus pocht Kriens auf bessere Lösungen und mehr Mitsprache bei Lärmschutz und Verkehrsführung während der Bauzeit.

Verträglichkeit für Bevölkerung und Natur als Ziel

Die Stadt Luzern unterstützt mit ihrer Einsprache das Krienser Anliegen zur Überdachung der Autobahn. Zudem sei der Ausbau im Bereich Ibach und bei der Verzweigung Rotsee ein unverhältnismässiger Eingriff in den Landschafts- und Naherholungsraum an der Reuss, findet der Stadtrat. Dieser Eingriff soll auf ein Minimum reduziert und dem Natur-, Gewässer- und Heimatschutz der nötige Stellenwert beigemessen werden. «Bei den beiden Portalen im Ibach und in Kriens geht es uns um eine möglichst hohe Verträglichkeit für Bevölkerung und Natur», sagt Umwelt- und Mobilitätsdirektor Adrian Borgula (Grüne).

Eine stadt- und landschaftsverträgliche Umsetzung des Bypasses ist denn auch das Hauptanliegen der Stadtluzerner Einsprache. Zudem sollen die Quartiere während der Bauzeit möglichst wenig belastet und die Innenstadt vom Verkehr entlastet werden. Dennoch betont der Stadtrat, dass er grundsätzlich hinter dem Gesamtsystem steht.

Bei der geplanten Lüftungszentrale im Gütschwald soll der Eingriff in die Landschaft minimiert werden, fordert der Luzerner Stadtrat. Beim Dammgärtli bei der St.-Karli-Brücke ist während der Bauarbeiten ein Hilfsschacht vorgesehen, wodurch der dortige Spielplatz jahrelang unbenutzbar wird. Der Stadtrat fordert auch hier, dass die Beanspruchung des Dammgärtlis auf ein Minimum reduziert wird und die grosse Eiche erhalten bleibt. «Das Dammgärtli ist ein wichtiger Treffpunkt. Dieser muss durchgehend zur Verfügung stehen», sagt Adrian Borgula. Notfalls brauche es in der Nähe einen Ersatz dafür.

Luzern fordert Busspur von Kriens bis zum Luzernerhof

Weiter fehlen dem Stadtrat Massnahmen zur Verbesserung des öffentlichen Verkehrs. Er fordert durchgehende Busspuren vom Kupferhammer in Kriens bis zum Luzernerhof. Borgula: «Das Ziel des Bypasses ist die Engpassbeseitigung auf der Nationalstrasse und in der Folge eine Verkehrsentlastung für Agglomeration und Innenstadt. Dafür muss auch der ÖV auf dem untergeordneten Strassennetz weiter gefördert werden.» Schon während der Bauzeit, in der zeitweise mit zusätzlichem Verkehr gerechnet werden müsse, sei ein zuverlässiger ÖV zur Entlastung sehr wichtig.

Einige Massnahmen – etwa ein Ersatz-Treffpunkt für das Dammgärtli – könnte die Stadt selbst ergreifen. Trotzdem sind sie Teil der Einsprache an den Bund. «Die Einschränkungen ergeben sich durch das Bauprojekt, weshalb der Projektverantwortliche flankierende Massnahmen ergreifen muss, um die Bauarbeiten erträglich zu machen», erläutert Borgula. Dabei gehe es nicht zuletzt um die Finanzierung dieser Massnahmen.

Emmen will keine Verkehrszunahme

Die Gemeinde Emmen ist weniger direkt vom Bypass betroffen als Kriens und Luzern. Wegen der beiden Autobahnanschlüsse Emmen Nord und Süd befürchtet die Gemeinde aber während der Bauarbeiten eine Verkehrszunahme. Deshalb hat auch sie eine Einsprache gemacht. Konkret werden Massnahmen gefordert, um Ausweichverkehr in der Bauzeit zu verhindern, wie Baudirektor Josef Schmidli (CVP) sagt. «Wir fordern zudem, dass der Transport des Aushubmaterials vom Nordportal ausnahmslos über die Autobahn erfolgt. Und die ÖV-Achsen müssen funktionieren, damit die Bevölkerung eine Alternative zum Auto hat. Helfen könnte ein zusätzlicher RE-Halt in Rothenburg Dorf.»

Auch für die Zeit nach dem Bau stellt Emmen Forderungen, denn die prognostizierte Verkehrsentlastung von vier Prozent sei zu marginal. Schmidli: «Der Entlastungseffekt muss höher sein.» Emmen fordert deshalb ein Konzept zur Verkehrsentlastung des untergeordneten Strassennetzes, damit sich ein allfälliger Stau auf der Autobahn nicht in die Gemeinden verschiebt. Darüber hinaus befürwortet der Emmer Gemeinderat das Projekt grundsätzlich.

«Ich bin zuversichtlich, dass wir in Verhandlungen mit dem Astra etwas erreichen, denn es sind keine unrealisierbaren Forderungen», sagt Josef Schmidli. Deshalb will er keine Äusserung dazu machen, ob Emmen vor Gericht ziehen würde, sollten die Forderungen nicht erfüllt werden. Auch der Luzerner Stadtrat wird erst zu gegebener Zeit einen derartigen Entscheid fällen – während der Krienser Stadtrat den Gang vor Gericht nicht ausschliesst. Wie es in der Krienser Mitteilung heisst, hofft er jedoch, «dass im Dialog mit allen Beteiligten ein guter Weg ausserhalb der Gerichte gefunden werden kann».

Ebikon sorgt sich um das Trinkwasser

Auf Anfrage bestätigt auch die Gemeinde Ebikon, dass sie eine Einsprache eingereicht hat – zu folgenden Punkten: Der Autobahnanschluss Buchrain müsse in das Ausführungsprojekt N2/14 Gesamtsystem Bypass aufgenommen werden. Damit könne die Leistungsfähigkeit massiv erhöht und der Rontalzubringer beachtlich entlastet werden. Zudem sei im Gebiet Sedel eine Grund- und Oberflächenwassergefährdung nicht ausgeschlossen. Weil Ebikon das Trinkwasser aus dem Zustrombereich der Reuss bezieht, ist es der Gemeinde ein Anliegen, dass Altlasten durch die Bautätigkeiten nicht verschleppt und dadurch das Trinkwasser verunreinigt wird. Mit Untersuchungen während der Bauzeit und darüber hinaus sollen dieses Risiko minimiert und Verschmutzungen rasch erkannt werden. Des Weiteren soll der Gemeinde Ebikon ein Sitz in der Task Force Verkehr zugesichert werden.

Eine Einsprache gegen den Bypass haben auch die Verbände VCS und WWF eingereicht: Sie fordern einen Verzicht auf das Neubauprojekt oder einen Rückbau der heutigen Stadtautobahn. Weder eine Einsprache noch eine Stellungnahme zum Bypass hat der Kanton Luzern eingereicht, wie es auf Anfrage heisst.

Die Bypass-Massnahmen auf der interaktiven Karte

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Quelle: Astra, maps4news | Grafik: Janina Noser | Umsetzung: Janick Wetterwald

Das Projekt Bypass kurz zusammengefasst

Um die Engpässe auf der Autobahn rund um Luzern zu beseitigen, hat das Bundesamt für Strassen (Astra) das Projekt «Gesamtsystem Bypass Luzern» erarbeitet. Herzstück ist ein neuer 3,5 Kilometer langer Tunnel, der im Bereich Ibach unter der Reuss und der Stadt Luzern bis zum Grosshof in Kriens führt. Der Durchgangsverkehr soll künftig durch diesen in beiden Fahrtrichtungen zweispurigen Tunnel geführt werden.

Neben dem Tunnel sind weitere Autobahnausbauten geplant. Im Abschnitt der A14 von der Verzweigung Rotsee bis zum Anschluss Buchrain soll die Fahrbahn von vier auf sechs Fahrstreifen ausgebaut werden. Zusätzlich wird eine rund 700 Meter lange dritte Röhre beim Tunnel Rathausen mit drei Fahrstreifen erstellt. Auch die Verbindung von Basel nach Zug soll im Bereich Rotsee auf zwei Spuren ausgebaut werden. Im Süden von Luzern wird zudem mit Ummarkierungen dafür gesorgt, dass zwischen den Anschlüssen Luzern-Horw und Hergiswil in beiden Richtungen je drei Fahrstreifen zur Verfügung stehen. Die Kosten für das Gesamtprojekt betragen rund 1,8 Milliarden Franken.

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