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LUZERN: Kühner Plan: Die Cars sollen unter dem Schweizerhofquai parkieren

Jetzt kommt wieder Schwung in die Diskussion um Reisecars im Stadtzentrum. Private Initianten verfolgen einen kühnen Plan: Touristenbusse sollen unterirdisch am Schweizerhofquai parkiert werden.
Jérôme Martinu
Zwischen See und Häuserzeile: Am Schweizerhofquai sollen Cars unterirdisch parkiert werden können – so zumindest sieht es das neue Projekt vor. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 18. August 2017))

Zwischen See und Häuserzeile: Am Schweizerhofquai sollen Cars unterirdisch parkiert werden können – so zumindest sieht es das neue Projekt vor. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 18. August 2017))

Jérôme Martinu

jerome.martinu@luzernerzeitung.ch

Nach wie vor weibeln die bürgerlichen Parteien CVP, FDP und SVP in der Stadt Luzern zusammen mit Wirtschaftsorganisationen für die Wiederaufnahme des politischen Prozesses für ein Parkhaus mit Car-Terminal im Musegghügel. Eine entsprechende Initiative ist nach dem Nein im Stadtparlament locker zu Stande gekommen und im Mai mit 2500 von 800 nötigen Unterschriften eingereicht worden (siehe Box).

Dem Vernehmen nach wird sich der Stadtrat demnächst zur Initiative äussern. Eine befürwortende Position der Exekutive wäre eine Überraschung, auch wenn die Problematik der Car-Parkierung im Stadtzentrum nach wie vor ungelöst ist – und sich sogar noch verschärfen dürfte: Dies, wenn die vom Stadtrat befürwortete Inseli-Initiative der Juso zur Aufhebung der dortigen 32 Car-Parkplätze ohne Alternativmodell am 24. September an der Urne angenommen wird.

In diese verkehrspolitisch strittige Ausgangslage platzt nun überraschend eine neue, konstruktive Projektidee: Wie Recherchen unserer Zeitung zeigen, planen private Initianten ein Parkhaus für Touristencars mitten in der Stadt, und zwar unter dem Schweizerhofquai. Die Pläne präsentieren sich gemäss verschiedenen, voneinander unabhängige Quellen im Groben wie folgt:

  • Eine unterirdische Car-Parkierung unter dem Schweizerhofquai ungefähr ab Einmündung Alpenstrasse bis zum Schwanenplatz. Über die Anzahl Parkplätze ist bis dato nichts bekannt. Da im Musegg-Projekt deren 36 geplant sind und es heute beim Inseli 32 gibt, könnte es sich um eine ähnliche Grössenordnung handeln.
  • Die Zufahrt soll via Rampe im Bereich vor dem Gotthardhaus (Bundesgerichtsgebäude) erfolgen, also dort, wo heute die grosse bepflanzte Mittelinsel steht. Die Carparkplätze sollen längsseitig schräg angeordnet werden.
  • Der Ausgang für die Touristen soll direkt auf den Schwanenplatz führen. Also dort, wo heute die meisten Reisebusse ihre Gäste aussteigen lassen.
  • Eingeplant ist offenbar auch die Option für ein zweites Untergeschoss für Privatautos.

Bekannter Architekt gehört zu den Initianten

Hinter den Kulissen wird schon seit Monaten an der neuen Parkhaus-Idee gearbeitet. Planerisch ist mit Marc Syfrig ein bekannter Stadtluzerner Architekt federführend, zusammen mit drei weiteren Personen. Syfrig bestätigt auf Anfrage die entsprechenden Pläne. Er will aber mit Verweis auf den Informationsprozess keine weiteren Details nennen: «Kommende Woche werden die Fraktionen und weitere Stakeholder direkt von uns informiert. Und im Anschluss wird auch die Öffentlichkeit erfahren, was genau alles in der Idee drinsteckt.» Marc Syfrig, früherer Präsident der Stadtbaukommission, erklärt den Antrieb für das neue Projekt: «Auslöser ist einerseits die Sorge um die drei mit Cars blockierten, städtebaulich wichtigen Standorte Inseli, Schwanen- und Löwenplatz. Andererseits ist nach dem Musegg-Entscheid auch die politische Situation blockiert.» Zu möglichen Investoren ist bislang nichts durchgesickert. Die Baukosten für ein solches Projekt dürften grob geschätzt bei rund 100 Millionen Franken liegen. Zum Vergleich: Fürs Musegg-Projekt veranschlagen die Initianten 150 Millionen.

Zwischen See und Häuserzeile: Was die räumlichen Dimensionen eines solchen Projekts angeht, so ist klar, dass der Platz am Schweizerhofquai beschränkt ist. Eine Refinanzierung mittels Parkgebühren von Privatautos wäre wohl nicht im gleichen Ausmass wie beim Musegg-Parking (rund 600 PW-Plätze) möglich. Die PW-Parkierung war letztlich auch ein Hauptkritikpunkt von SP, Grünen und Grünliberalen im Grossen Stadtrat.

Stadtrat ist bereits informiert worden

Das unterirdische Car-Parkhaus am Quai ist diese Woche bereits dem Stadtrat präsentiert worden. Dem Vernehmen nach sei die Konzeptidee mit Wohlwollen aufgenommen worden, das Potenzial der Idee scheint identifiziert.

Stellt sich die Frage, welches denn eigentlich die ordnungspolitische Linie des Stadtrats in Sachen Car-Problematik ist. Ein Thema, drei unterschiedliche Positionen? Erstens befürwortet die Stadtregierung die Inseli-Initiative, mit der Tatsachen geschaffen werden sollen, obwohl es derzeit keinen Plan zur Kompensation der für die städtische Wirschaft wichtigen Car-Parkplätze gibt. Zweitens hat der Stadtrat die Öko-Allianz von SP, Grünen und Grünliberalen beim parlamentarischen Ausbremsen des Musegg-Parkhauses gestützt, indem er nicht opponierte. Und drittens signalisiert der gleiche Stadtrat nun mitten in der Inseli-Abstimmungsphase Offenheit gegenüber der neuen, kühnen Idee eines Car-Parkings Schweizerhofquai.

Musegg-Initianten begrüssen neue Idee

Und wie kommt die Idee bei den Initianten des Musegg-Projekts an? Fritz Studer, Verwaltungsratspräsident der Musegg Parking AG, gibt sich auf Anfrage «nicht sehr überrascht», dass nun eine neue Projektidee lanciert worden ist. Er könne zu diesem frühen Zeitpunkt aufgrund fehlender Detailkenntnisse in Sachen verkehrstechnischer und politischer Machbarkeit indes noch nicht viel sagen. «Aber grundsätzlich begrüsse ich die Idee, da sie den Wettbewerb bereichert. Das neue Projekt ermöglicht auch, dass die Diskussion um das ungelöste Car-Parkierungsproblem nun wieder in Gang kommen kann. Und das wäre nicht nur sehr positiv, sondern auch notwendig.»

Der Lösungsansatz eines Parkhaus-Musegg-Projekts, so Studer weiter, werde durch die neue Idee indes nicht geschmälert: «Nämlich, dass die Reisecars nicht unmittelbar ins Stadtzentrum fahren müssen, sondern direkt ab der Autobahnausfahrt via Geissmattbrücke im Musegghügel verschwinden.»

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