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LUZERN: Lahme Rinder auf dem Grossbauernhof

Der kantonale Veterinärdienst begründete am Mittwoch, wieso er am Dienstag im Luzerner Hinterland 31 Rinder «vorsorglich beschlagnahmt» hatte: Die Tiere leiden unter anderem an mangelnder Klauenpflege.
Hier, im Ortsteil Rufswil, wurde am Dienstag ein Teil der Rinder abtransportiert. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Ufhusen, 20. Dezember 2017))

Hier, im Ortsteil Rufswil, wurde am Dienstag ein Teil der Rinder abtransportiert. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Ufhusen, 20. Dezember 2017))

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

Den Stein ins Rollen gebracht hat eine laut und ausdauernd muhende Kuh auf einem Hof im Luzerner Hinterland. Anfang Jahr ging deswegen beim Veterinärdienst des Kantons Luzern eine Meldung ein. Die darauf unangemeldet durchgeführte Kontrolle zeigte, dass zwar die besagte Kuh bei bester Gesundheit war, andere hingegen an teils gravierenden Gesundheitsproblemen litten.

Die Behörde ordnete daraufhin mehrmals Massnahmen an, kontrollierte den Hof und fünf weitere Betriebe des Besitzers wiederholt – und griff nun bei der Nachkontrolle am Mittwoch zu drastischen Schritten: 31 von ins­gesamt 450 Rindern wurden ­vorsorglich beschlagnahmt. Sie litten laut Kantonstierarzt Otto Ineichen allesamt an hochgradigen Gesundheitsmängeln. Unter anderem sei die Klauenpflege vernachlässigt worden. «Wir trafen vor Ort viele lahme Tiere an. Ein Teil von ihnen wies klare Anzeichen von Schmerzen auf. Die fachgerechte tierärztliche Versorgung war nicht sichergestellt.» Wegen dieser Verstösse gegen das Tierschutzgesetz wird der Veterinärdienst Anzeige erheben (Ausgabe vom Mittwoch).

Tiere werden womöglich eingeschläfert

Die beschlagnahmten Tiere werden vorerst tierärztlich betreut und untersucht – in einem Händlerstall. Wo genau, wollen die ­Behörden nicht verraten. Unklar ist derzeit auch, was mit den beschlagnahmten Tieren längerfristig passieren soll. Möglicherweise wird ein Teil der Tiere von seinen Schmerzen befreit und eingeschläfert. Oder geschlachtet – «allerdings nur, wenn sie wieder gesund sind und keine Medikamentenrückstände aufweisen», betont Ineichen. Als weitere Option bringt er eine Versteigerung ins Spiel oder die Rückgabe an den Tierhalter – sollte er die auferlegten Massnahmen erfüllen. Noch über 400 Tiere, einige von ihnen leicht beeinträchtigt, be­finden sich im Übrigen weiterhin auf dessen Betrieben. «Allerdings unter klaren Auflagen», wie Ineichen bekräftigt.

Beteiligt an der Aktion waren nicht weniger als sechs Mitarbeiter des Veterinärdienstes, zwei Bauern sowie Mitarbeiter der Luzerner Polizei. Die Kontrolle der sechs Betriebe dauerte den ­ganzen Tag. «Alleine schon diese Dimensionen machten ein Grossaufgebot nötig», erklärte Otto­ ­Ineichen am Mittwoch an der Pressekonferenz, einberufen von Erwin Roos, Departementssekretär des Gesundheits- und Sozialdepartements. Aber auch sonst ist der Fall ungewöhnlich: In den letzten paar Jahren habe es nur eine weitere Situation gegeben, in der gleich mehrere Nutztiere beschlagnahmt werden mussten, erinnert sich Kantonstierarzt Ineichen. Häufiger eingreifen müsse der Veterinärdienst hingegen bei Heimtieren.

«Behörden haben richtig gehandelt»

Hat die Behörde im aktuellen Fall zu lange zugewartet? «Nein», ­findet Josef Blum, Präsident des Tierschutzvereins Kanton Luzern. «Die betroffenen Tierhalter sind oft überfordert. Da ist es zielführender, diese zu beraten und zu unterstützen. Tiere wegzunehmen, sollte die allerletzte Massnahme bleiben.» Zudem habe sich nun gezeigt, dass der Veterinärdienst nicht davor zurückschrecke, durchzugreifen. Blum: «Das verdeutlicht, dass der Vollzug des Tierschutzes im Kanton Luzern gut funktioniert.»

Der Luzerner Kantonstierarzt Otto Ineichen gibt den Medien am Mittwoch Auskunft. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

Der Luzerner Kantonstierarzt Otto Ineichen gibt den Medien am Mittwoch Auskunft. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

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